Mit dem Anbau mehr Platz gewinnen

Spätestens  wenn Kinder älter werden und in die Schule kommen, wird es immer schwieriger, dass sie sich ein Zimmer teilen. Oder wenn fast erwachsene Kinder mehr Freiraum benötigen, ein Großelternteil miteinziehen soll oder ein separates Arbeitszimmer benötigt wird. Alles Konstellationen, die dringend die Schaffung von mehr Platz erfordern. Doch ein Haus ist nicht beliebig erweiterbar, vielleicht ist das Dachgeschoss schon ausgebaut, vielleicht eignet sich das Untergeschoss nicht zum Wohnen. Dann bleibt nur noch die Alternative Anbau. 

Vorausgesetzt das Grundstück und die Baubehörden lassen einen Anbau zu, dann sind schon die ersten Hürden genommen. Und mit einem Anbau kann nicht nur mehr Platz geschaffen werden, sondern tatsächlich auch das Hauptgebäude architektonisch aufgewertet, wie viele gelungene Beispiele zeigen.

Bestandsbauten versus moderne Wohnansprüche
Während Kinder sich früher zu zweit, dritt oder viert ein Zimmer teilten, haben heute sehr viele ein eigenes Reich. War ehemals ein Haushalt mit einer Wohnküche und einer guten Stube für den Gästeempfang ausreichend aus­gestattet, verbinden sich nun die repräsentativen Räume häufig nahtlos teilweise über das ganze Erdgeschoss. Die Häus­chen älteren Datums, die zum Verkauf anstehen oder vererbt werden, genügen diesen Ansprüchen längst nicht mehr.
Auch für Hobbyräume oder Gäste­zimmer plus Gästebad fehlt innerhalb der alten Grenzen schlichtweg der Platz. Selbst wenn es tatsächlich „nur” um Familienzuwachs geht, oder den Wunsch, trotz wachsender Familie im Generationenverbund mit den Großeltern wohnen zu bleiben, erfordert das Veränderungen wie beispielsweise die klare Trennung in zwei Wohneinheiten.

Anbau planen mit dem Fachmann
Anbauten und Erweiterungen, auch in kleinem Umfang, haben fast immer Auswirkungen auf die vorhandene Substanz. Dazu kommt, dass Material von Anbau und Bestand aufeinander abgestimmt werden müssen, um späteren Rissen und Fugenbildungen, sprich Bauschäden vorzubeugen. Hier sollte man einen Architekten zurate ziehen. Der Architekt ist nämlich nicht nur für die bautechnisch einwandfreie Ausführung verantwortlich, sondern kann in vielen Fällen die Lösungsideen optimieren. Das fängt damit an, dass er aufgrund seiner Erfahrung Raumabfolgen in sinnvolle Zusammenhänge stellen kann. Oder er verringert den Umbauaufwand erheblich, indem er Vorhandenes geschickt integriert und nutzt, mit Kniffen, auf die ein Baulaie gar nicht kommt. Manchmal reichen kleine Verschiebungen oder Drehungen, um völlig unerwartet neue Wege zu öffnen.

Je nach Gemeinde können die Bebauungspläne sehr rigide sein, bis hin zu Dachform und Fassadenfarbe. Wer sich unflexibel an diesen Vorgaben orientiert, verschenkt unter Umständen Möglichkeiten. Ein Architekt, der die Behörde kennt, weiß, wann es sich lohnt, Ausnahmeregelungen auszuloten, um einem Anbau das Tüpfelchen auf dem i zu geben.

Geschickte Anbau Lösungen für Doppelhäuser
Bei Doppelhaushälften oder Reihenhäusern ist die Ausgangslage noch schwieriger als bei Einzelhäusern. Anbauten sind, wenn überhaupt, nur in ganz kleinen Dimensionen möglich. Umso wichtiger ist eine geschickte Planung, die trotz des engen Rahmens Entlastung für die übrigen Wohnräume bringt.
Oft reicht schon ein nach außen verlagertes Treppenhaus oder ein Windfang, um das Mehr an Fläche zu schaffen, das neue, bedarfsgerechtere Raumzuschnitte ermöglicht. Oder ein Erker löst das Problem des zu kleinen Essplatzes und sorgt für Bewegungsfreiheit sowie zusätzlichen Lichteinfall. Interessant ist auch die Variante Wintergarten. Wenn er statt in die Fläche in die Höhe wächst, erzielen selbst wenige Quadratmeter einen erstaunlichen Effekt. Denn Glasfronten, die sich vom Erdgeschoss bis unters Dach ziehen, machen enge Räume weit und transportieren jeden Sonnenstrahl tief ins

Die große Planung
Ein Anbau, der als eigenständiger Gebäudekomplex entsteht, ist einfacher zu bewerkstelligen. Im alten Teil kann man zu kleine Zimmer einfach zusammen legen, indem man Wände entfernt. Damit werden sie heutigen Wohnansprüchen gerecht. Weitere Räume finden im „Neubau“ Platz, der idealerweise mit eigener Infrastruktur wie Bad oder Teeküche versehen wird. So können kompakte Einheiten entstehen in Form von hier Wohnen und Leben, dort Schlafen und Arbeiten. Oder, etwas unkonventioneller, hier Eltern, dort Kinder.
Egal, wie der Anbau genutzt wird, die Verbindung zwischen den beiden Teilen sollte vorausschauend autark gestaltet werden. Werden beide Gebäudeteile von der Familie bewohnt, bietet es sich an, in der Mitte Gemeinschaftsräume unterzubringen wie zum Beispiel den Wohnbereich oder ein Medienzimmer. Sobald der Nachwuchs flügge wird, kann im Erdgeschoss ein Eingangsbereich entstehen, der getrennte Zugänge zu Anbau und Hauptwohnung erschließt. Dadurch ergeben sich vielfältige Optionen für die Zukunft. Der Anbau kann zur Einliegerwohnung werden, die vermietet wird, oder – für Selbstständige interessant – zur in sich abgeschlossenen Büroeinheit.

Neue Optik
Manches Mal ordnen sich Anbauten dem Ursprungsgebäude komplett unter und sind nach einer Fassadensanierung nicht mehr als solche wahrnehmbar. Andere entpuppen sich als echte Hingucker, wenn sie mit ganz eigener Qualität, Formensprache und auch Fassadengestaltung die Spannung zwischen Alt und Neu bewusst wiedergeben. Als Kunstgriff dient häufig eine Art Fuge zwischen den Bauteilen, die die Trennung nach außen dokumentiert. Dieser Zwischenraum kann so weit verbreitert werden, dass er die bereits erwähnten Gemeinschaftsräume, den Eingangsbereich oder auch ein Treppenhaus aufnehmen kann.
Gelungen ist ein Anbau immer dann, wenn das Neue das Vorhandene würdigt, sei es harmonisch angleichend oder im kontrapunktischen Gegensatz. Solange der Bestand nicht erdrückt wird, spricht nichts dagegen, dem Neuen ein eigenes Gesicht zu geben. Das hat durchaus seinen Reiz. Selbst kleine Siedlungshäuschen stellen nach einer Erweiterung so manchen Neubau in der Nachbarschaft architektonisch in den Schatten. Sie bieten ihren Bewohnern Wohngenuss pur: gewonnene Fläche, die den Charme des Gewachsenen in sich trägt.

Die energetische Seite
Neben den optischen Fragen spielt die bautechnische Seite eine wichtige Rolle. Zum einen muss die Statik stimmen und mancher Durchbruch durch einen Unterzug abgestützt werden. Zum anderen ist die sorgfältige Ausführung des Übergangs zwischen Alt und Neu ohne Wärmebrücken oberstes Gebot. Wird hier gepfuscht, sind Wärmeverluste und spätere Bauschäden vorprogrammiert. Im Hinblick auf Fragen der Energieeffizienz kann es sich zudem anbieten, im Zusammenhang mit dem Anbau den Altbau gleich mit zu sanieren. Soll beispielsweise das ganze Ensemble neu verputzt werden, lohnt es sich, das alte Mauerwerk mit einem Wärmedämm-Verbundsystem zu versehen, gegebenenfalls das Dach zu dämmen und die Fenster zu tauschen. Ähnliches gilt für die Heizung. Wenn ein veraltetes Heizsystem für die Erweiterung modernisiert werden muss, sollte der Bauherr die Gelegenheit ergreifen, entweder ganz auf neue Energieträger umzustellen oder zumindest die Nutzung regenerativer Energien zu integrieren. So kann der Anbau mit einer thermischen Solaranlage oder einer Fotovoltaikanlage ausgestattet werden. All diese Maßnahmen sind sinnvoll, wenn das Haus nicht nur dem Schein, sondern auch dem Sein nach auf einen zeitgemäßen Stand gebracht werden soll.

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Darum kümmert sich der Profi

  1. Beistand gegenüber Baubehörden
  2. Abwicklung der Baugenehmigung
  3. Bautechnisch einwandfreie Ausführung
  4. Optimierte Grundrissgestaltung