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Wärmeschutz nachbessern mit einem WDVS

Die Hauswand muss vor Wind und Wetter, Kälte und Hitze schützen. So mancher Altbau aber hat reichlich Nachbesserungsbedarf. Ein WDVS hilft.

Wohngesundheit dank WDVS

Dass eine Dämmung, also ein WDVS (Wärmedämm-Verbundsystem), keine Energieeinsparung bringt, widerlegen Niedrigenergie- und Passivhäuser seit Jahrzehnten. Sie kommen mit einem Zehntel dessen aus, was unmodernisierte Einfamilienhäuser der Fünfziger, Sechziger und frühen Siebziger verbrauchen, die mit 200 bis 250 Kilowattstunden an Heizenergie pro Jahr und Quadratmeter dabei sind.

Diese Häuser haben gewöhnlich Außenwände aus Ziegeln, Betonsteinen oder Kalksandsteinen und sonst nichts. Allesamt massive Materialien mit hoher Rohdichte und damit hervorragende Wärmeleiter. Öl und Gas waren zur Bauzeit billig, die Heizung lief von Oktober bis April rund um die Uhr. Muss sie teils bis heute.

Schlecht gedämmte Fassade eines Mehrparteienhauses
Der U-Wert der Außenwände lag vor der Renovierung bei 1,3 W/(qmK). Foto: Sakret
Mehrparteienhaus mit WDVS auf Polystyrol-Basis
Ein WDVS auf Polystyrol-Basis senkt seit ein paar Jahren den Heizenergieverbrauch spürbar. Foto: Sakret

WDVS gegen Schimmelbefall

Und während ausgerechnet in den hochgradig wärmegedämmten Niedrigenergiehäusern Schimmelbefall die Ausnahme darstellt, ist er in Häusern ohne ausreichenden Wärmeschutz Dauergast.

Logisch: Luftfeuchte bleibt als Wasserdampf bestehen, solange sie nicht auf kalte Oberflächen trifft. Kühlen die Innenseiten der Außenwände jedoch zu stark aus, schlägt sie sich dort als Tauwasser nieder und schafft ideale Wachstumsbedingungen für den Pilz.

Sind die Wände dagegen dauerhaft warm, bleibt das Wasser als Dampf in der Raumluft und kann über Fenster oder die Lüftungsanlage entsorgt werden. Nicht durch die Wand: Die "Wandatmung", den Luftaustausch durch die geschlossene Außenhülle, gibt es nicht.

Das Wohnklima in einem gut gedämmten Haus ist sehr viel behaglicher, da die Kältestrahlung in der Nähe der Außenwände entfällt. Im Sommer hält die Isolierung die Hitze draußen.

Gegen Algen und Spechtattacken

Gegen den Befall mit Algen ist inzwischen kaum noch eine Fassade gefeit. Sie sind auf dem Vormarsch, seitdem unsere Luft sauberer geworden ist.

Gute Erfahrungen haben Architekten jedoch mit den rein mineralischen und alkalischen Silikatfarben gemacht, frei von Bioziden. Sie sind saugend (hydrophil) - nicht zu dünn aufgetragen, nehmen sie reichlich Wasser auf und entziehen es so den kleinen Überlebenskünstlern.

Sparen sollte man ebenfalls nicht bei der Putzdicke des Wärmedämm-Verbundsystems. Ab Stärken von 15 Millimetern vergeht manchem Specht die Lust am Hacken. Wirksamere Abschreckung sind nach Beobachtung von Vogelschützern allerdings bewegliche Vogelattrappen, besser noch Nistplätze für andere Vögel: Der Klopfer mag keine Gesellschaft.

Wärmedämm-Verbundsystem

In Folge der ersten Ölkrise wurden ab 1977 Bauherren erstmals zum Energiesparen durch Anbringen eines  Wärmeschutzes angehalten. Bald immer strenger in ihren Anforderungen, führten die Verordnungen zur Entwicklung neuer und Weiterentwicklung bekannter Dämmstoffe und Dämmverfahren.

Inzwischen ist das Spektrum derart groß, dass man aus fast jeder Energieschleuder eine Energiespardose machen kann. Gemauerte Häuser mit Putzfassade werden am häufigsten mit einem Wärmedämm-Verbundsystem, kurz: WDVS, nachgerüstet.

Das WDVS besteht aus starren Dämmplatten, meist aus expandiertem Polystyrol (auch: EPS, bekannter unter dem Handelsnamen "Styropor"), daneben aus Mineralwolle, Holzfasern oder aus Mineralschaum. Diese Platten werden mit Mörtel und Dübeln an der Außenwand befestigt, dann mit einem Unterputz mit Armierungsgewebe (zur Stabilisierung) sowie abschließend einem Oberputz versehen.

Haus mit neuem WDVS
Die Bausubstanz des Hauses von 1968, Kalksandstein und Klinker, war robust, aber kalt. Foto: Deutsche Rockwool
Thermografie eines Hauses, bei dem viel Wärme verloren geht
Vor der Maßnahme hat das Haus viel Heizwärme über die Fassade verloren. Foto: Deutsche Rockwool

Kerndämmung für Vormauer

Häuser mit einer Vormauer, aus Klinkern oder Kalksandstein-Verblendern, kann man in manchen Fällen nachträglich isolieren, ohne sie äußerlich zu verändern, mittels einer Kerndämmung. Dazu wird die Luftschicht zwischen tragender Außenwand und Vormauer durch Bohrlöcher mit Dämmstoff in Flocken- oder Granulatform ausgeblasen.

Als Material eignen sich beispielsweise Flocken aus Glas- oder Steinwolle, ebenso Seinwolle- und Polystyrol-Granulat. Auch Granulat aus im Ofen geblähtem Perlit, einem Vulkangestein. Bei diesem Verfahren muss peinlich genau auf vollständiges Verfüllen des Luftspaltes geachtet werden, sonst entstehen Wärmebrücken, Lücken im Wärmeschutzmantel, die den Einspareffekt verringern.

Inspektion eines Mehrparteienhauses im ostfriesischen Emden
Der Wärmeschutz der regionaltypischen, zweischaligen Wände ließ zu Wünschen übrig. Foto: Deutsche Rockwool
Löcher werden von Fachmann in Hausmauer gebohrt
Man entschied sich, den Luftspalt zwischen tragender Mauer und Klinker-Vormauer mit Steinwollgranulat auszublasen. Foto: Deutsche Rockwool
Über einen Schlauch wird das Granulat durch die Löcher in die Mauer geblasen
Durch die Löcher wurde das Granulat eingeblasen, um die Dämmung zu verbessern. Foto: Deutsche Rockwool

Harte Schale

Für ältere Holzfertighäuser bietet sich wiederum das Wärmedämm-Verbundsystem an. Vor dem Aufbringen muss allerdings die alte Verschalung, aus Holzwerkstoff- oder Faserzementplatten, entfernt werden.

Vorsicht: Handelt es sich um Abestfaserzement, muss ein auf Schadstoffsanierung spezialisierter Betrieb die Platten abnehmen und entsorgen. Als Alternative zum WDVS kann man die ein wenig kostspieligere vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) wählen.

Der Dämmstoff wird ebenfalls direkt auf der Außenwand angebracht, muss aber nicht ganz so robust sein. Er wird durch eine mit etwas Abstand angebrachte, harte Verschalung aus Holz, Faserzementplatten, Naturstein- oder Keramikplatten vor Wind und Wetter geschützt. Der Abstand, die Luftschicht, erlaubt das Entweichen von Feuchtigkeit aus der Dämmung.

Kann man ein WDVS selbst anbringen?

Ist ein Wärmedämmverbundsystem für Selbermacher geeignet oder sollte man an die Fassade nur den Fachmann lassen? Im Internet finden sich immer wieder „Anleitungen“ für das Anbringen eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS) an der Fassade. Aber sollten unerfahrene Bauherren und Hausbesitzer diese Arbeit wirklich selbst übernehmen?

Ein WDVS hat eine wichtige Aufgabe im Rahmen einer gut gedämmten Gebäudehülle zu erfüllen, vorausgesetzt es wurde mangel- und schadenfrei geplant und montiert. Die Ausführung gehört daher in die Hände eines Fachbetriebs mit Fachkenntnis und handwerklicher Erfahrung. Warum das so ist, darüber sprachen wir mit Malermeister Albert Klein, Produktmanager WDVS und Putze bei Brillux.

Eigenleistungen beim Hausbau sind beliebt, denn sie helfen Kosten zu sparen. Sollten Bauherren auch die Fassade selber dämmen?

Albert Klein: Wärmedämmmaßnahmen an der Fassade selbst zu machen ist überhaupt nicht ratsam. Es gibt so viele Dinge zu beachten, die Fachwissen und fachmännische Ausführung erfordern. Das beginnt bei der Planung: Kommt Styropor oder Mineralwolle zum Einsatz, welches System passt besser? Hier muss man sich auskennen. Wichtig ist auch eine regelkonforme Ausführung entsprechend der Zulassung – von der Verklebung über die Gestaltung Anschlüsse bis zum Auftrag des Oberputzes.

Auf welche Details kommt es bei der Montage des WDVS an?

Albert Klein: Zum Beispiel auf die Prüfung und Bewertung des Untergrunds: Genügt es, die Elemente des WDVS nur zu kleben oder müssen sie auch verdübelt werden? Welches Material, welche Verarbeitungsweise in Frage kommt, kann nur der Fachmann entscheiden. Die Elemente müssen beispielsweise so verklebt werden, dass eine unerwünschte Hinterströmung durch Luft verhindert wird. Der Auftrag des Klebers spielt eine Rolle, denn die richtige Menge an der richtigen Stelle entscheidet über den langfristigen Halt der Dämmplatte auf der Wand. Die Seiten der Dämmelemente dürfen sich nicht verformen („schüsseln“ wie der Fachmann sagt), die Elemente dürfen sich nicht ablösen. Auch die Anschlüsse beispielsweise im Fenster- oder Dachbereich gehören zu den anspruchsvollen Details. Wenn die Anschlüsse nicht absolut dicht sind, kann Wasser in die Konstruktion eindringen. Der fehlerhafte Umgang mit dem Armierungsgewebes kann zu Rissen im Putz führen. Auch um beim Putz- oder Mörtelauftrag die vorgeschriebene Schichtdicke einzuhalten, braucht es handwerkliches Geschick und Erfahrung.

Gibt es auch sicherheitsrelevante Aspekte?

Albert Klein: Auf jeden Fall. Neben der Standsicherheit (Verklebung und Dübelung) und dem Brandschutz braucht es auch ein Gerüst am Haus. Alle Sicherheitsbestimmungen auf der Baustelle müssen gekannt und eingehalten werden. Das Unfallrisiko für Ungeübte auf einem Gerüst ist nicht unerheblich.

Viele Bauherren möchten Förderungen in Anspruch nehmen. Was ist damit?

Albert Klein: Wer eine Förderung oder einen Steuerabzug erhalten will, braucht die Bescheinigung eines Fachbetriebs über die Ausführung. Auch die Mitwirkung eines Energieberaters ist vorgeschrieben. Seine Aufgabe ist es, effiziente und effektive Maßnahmen vorzuschlagen. Bei einem Bestandsgebäude müssen auch Fenster, Dach und Heizung bei der Gesamtbetrachtung berücksichtigt werden. Wie hoch die Förderung ausfällt, hängt vom erreichten Wärmedämmwert bzw. der erzielten KfW-Effizienzhausklasse ab.

Die Fassade ist doch aber auch für die Optik des Hauses ausschlaggebend?

Albert Klein: Selbstverständlich - der Auftrag des Oberputzes trägt entscheidend zu einem schönen Fassadenbild bei. Daher wird in der Regel im Team der Putz aufgetragen und abgerieben, und zwar immer in die gleiche Richtung. Der Fachmann weiß, worauf es ankommt und kann den Bauherrn auch beraten, was die Optik angeht. Wünscht sich der Hausbesitzer eine klassische Fassadenoptik mit einem weißen Kratzputz oder lieber eine moderne Anmutung mit einer tollen Putztechnik wie Besenstrich oder Betonoptik? Mit Putzstruktur und Farbe lassen sich sehr kreative Lösungen finden, die ein ganz individuelles Bild vom Haus schaffen. Damit zeigt der Bauherr seinen ganz eigenen Stil.

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