Fensteraustausch

Ein Fensteraustausch verbessert auf einen Schlag Wärmeschutz, Schallschutz und Einbruchschutz. Vorausgesetzt, die Maßnahme wird mit Blick fürs Ganze geplant und fachgerecht ausgeführt.

Fensteraustausch nur mit Profis

Selbermachen liegt weiter im Trend, doch es gibt Gewerke, von denen Nicht-Fachleute besser die Finger lassen. Wie zum Beispiel vom Fensteraustausch.

Verglichen mit den klapprigen Exemplaren, die man noch in vielen Bestandsbauten findet, bringen neue Fenster zwar enorme Verbesserungen in Sachen Wärmedämmung, Schallschutz und Einbruchschutz. Werden sie allerdings unsachgemäß eingebaut, können gravierende Schäden die Folge sein.

Wärmeschutz

Moderne Fenster sind meist benutzerfreundlicher, einfacher zu bedienen als die älteren Modelle, obwohl sie deutlich schwerer sind. Die Gewichtszunahme hat dabei vor allem mit dem stark verbesserten Wärmeschutz zu tun. Stand der Technik sind "Wärmeschutz-Fenster" mit drei Scheiben im Verbund und einer wärmeisolierenden Edelgasfüllung zwischen den Gläsern (Argon oder das teurere, besser isolierende Krypton).

Auch Vier-und Fünfscheibenverglasungen bekommt man für spezielle Anforderungen. Zur Raumseite verfügt die Verglasung dazu über eine transparente Metalloxidbeschichtung (Low-E-Beschichtung), die Wärmestrahlung reflektiert.

Die Rahmen bestehen aus Holz beziehungsweise aus Holz mit einer Außenseite aus Aluminium oder aus Kunststoff mit Metallverstärkung. In den Profilen der Kunststoffrahmen befinden sich entweder Hohlkammern oder Dämmstoff.

Wärmeverlust

Umlaufende, dauerelastische Dichtlippen verhindern, dass in geschlossenem Zustand warme Luft durch die Fuge zwischen dem in der Wand verankerten Blendrahmen und dem beweglichen Flügelrahmen nach draußen entkommt.

Die Oberfläche solcher Wärmeschutz-Fenster sind auf der Innenseite warm und machen den Aufenthalt in ihrer Nähe angenehm. Sie entziehen dem menschlichen Körper kein Wärme durch "Kältestrahlung".

Demgegenüber fallen die 1995 dem Neubau verordneten Zweischeibenfenster mit Edelgasfüllung und Low-E-Beschichtung schon etwas ab. Noch schlechter sind die 1977 mit der ersten Wärmeschutzverordnung eingeführten "Isolierglasfenster", mit zwei Scheiben – jedoch lediglich einer Luftschicht dazwischen.

Ihre Wärmeverluste sind rund dreimal so hoch wie die der heute verbauten. Und die Wärmeverluste der alten Einscheibenfenster, die seit 1977 nicht mehr eingesetzt werden dürfen, sind fünfmal so hoch.

Schallschutz und Einbruchschutz

Aufgrund der Dreischeibenverglasung und der wesentlich dichter schließenden Rahmen bieten bereits normale Wärmeschutzfenster einen weit besseren Schallschutz als die Vorgängermodelle. Die schiere Masse an Glas bremst den Schall, indem sie seine Energie in Wärme umwandelt, als Luftschall kann er kaum noch durch die Fugen dringen.

Man kann diese Wirkung noch verstärken, indem man Rahmen mit mehreren Dichtlippen einsetzt. Auch Spezialverglasungen mit Verbundscheiben und Schallschutzfolien helfen.

Wo es besonders auf den Einbruchschutz ankommt, sollte es ebenfalls mehr als der Standard sein. Am besten enthalten die Beschläge des Flügelrahmens Pilzkopfzapfen. Sie greifen beim Verriegeln wie Widerhaken in den Blendrahmen.

Darüber hinaus sind abschließbare Fenstergriffe empfehlenswert. Eventuell sollten Sie noch über durchbruchhemmendes Glas nachdenken, das durch eine Folie verstärkt wird.

Smarte Fenster

Noch effektiver wird der Einbruchschutz, wenn die Fenster in ein Smart-Home-System eingebunden sind oder zumindest in eine Alarmanlage. Setzt ein Einbrecher zwischen Flügel- und Blendrahmen den Hebel an, sendet ein Kontaktmelder im Rahmen ein Signal an die Zentrale.

Eine Hausautomation kann die Bewohner ebenso erinnern, noch offene Fenster zu schließen, sobald sie das Gebäude verlassen wollen. Oder sie erledigt das gleich selber mittels eines Fensterantriebs. Umfasst das System einen Regensensor auf der Außenseite, schließt der automatisch Dach- und Fassadenfenster bei Niederschlag.

Probleme des Fenstertauschs

So kann der Fensteraustausch mehrere Probleme auf einmal lösen. Er kann allerdings auch neue schaffen: Schimmel an den Innenseiten der Außenwände. Während vorher die feuchtegesättigte, warme Raumluft durch die undichten Fugen der alten Fensterrahmen "entsorgt" wurde, bleibt nun ein großer Teil im Gebäudeinneren.

An Glas und Rahmen schlägt sich die Feuchte kaum nieder, sie sind jetzt wärmer. Dafür kondensiert mehr Feuchte vermehrt auf den Wandoberflächen, nur dummerweise unsichtbar. Denn die Wände sind in vielen Altbauten im Winter ziemlich kalt, aufgrund fehlenden oder mangelhaften Wärmeschutzes.

Lüftungskonzept

Hersteller von Lüftungsanlagen weisen meist darauf hin, dass beim Erneuern von mehr als einem Drittel der Fensterfläche die technische Lüftung nachgerüstet werden muss. Das ist nicht ganz korrekt: Es stimmt, dass in diesem Fall ein individuelles "Lüftungskonzept" nach DIN 1946-6 erstellt werden muss, doch wird darin Anlagentechnik nicht immer automatisch vorgeschrieben.

Ausgiebiger Luftaustausch befördert zwar die Feuchte aus dem Haus, kostet aber unterm Strich unverhältnigmäßig viel Energie.

Neue Dämmung

Der Besitzer sollte sich daher im Vorfeld an einen Energieberater wenden, der das Gebäude vom Keller bis zum Dach begutachtet. Stellt dieser fest, dass der Wärmeschutz nicht ausreichend ist, wird er den Fensteraustausch nur mit dem Anbringen einer ordentlichen Außendämmung empfehlen.

Setzt man die neuen Fenster dabei in die Dämmebene, wird auch der berüchtigte "Schießscharteneffekt" vermieden. Dabei fällt durch die neue Dämmung an der Außenwand weniger Licht durch die Fenster.

Experten für den Fensteraustausch

Erst mit umfassendem "Sanierungsfahrplan" des Energieberaters in der Hand sollte man sich den Einzelmaßnahmen zuwenden und die entsprechenden Handwerker beauftragen. Sollten sie Pfusch abliefern, greift die Gewährleistungspflicht, der Heimwerker dagegen muss für seine Fehler selber geradestehen.

Der Einbau von Fenstern ist nicht zu unterschätzen: Die Verankerung der gewichtigen Bauteile in der Wand ist eine anspruchsvolle Aufgabe, so wie die luftdichte Anbindung. Wird der Blendrahmen nicht hundertprozentig dicht an die Laibung angeschlossen, leidet zum einen der Schallschutz.

Zum anderen verliert das Gebäude durch das Leck Energie in Form von Lüftungswärme. Darüber hinaus kondensiert die entweichende Luftfeuchte im Wandaufbau, Schimmel ist vorprogrammiert. Und nicht zuletzt dämmt nasse Bausubstanz kaum noch, das heißt, sie hält die Strahlungswärme nicht.

Zertifizierte Betriebe

Am sichersten fährt man mit einem RAL-zertifizierten Montagebetrieb, zu finden über den Verband Fenster + Fassade (VFF). Die zertifizierten Betriebe sind Mitglieder der RAL Gütegemeinschaft Fenster, Fassade und Haustüren e.V., die Mitarbeiter werden am Institut für Fenstertechnik in Rosenheim, dem ift Rosenheim, geschult – und unterliegen der Fremdüberwachung durch das Institut. Von ihnen darf man erwarten, dass sie nach den "allgemein anerkannten Regeln der Technik" arbeiten.

News Renovierung