Klinkerfassade sanieren

Klinker gelten als besonders robuste Fassadenverkleidung. Trotzdem kann eine Sanierung notwendig werden.

  • Die graue Klinkerfassade wirkt besonders edel. Foto: Architekten Spiekermann
  • Durch die graue Klinkerfassade und die passende Beleuchtung wird die Stadtvilla besonders in Szene gesetzt. Foto: Architekten Spiekermann
  • Im Erdgeschoss dominiert die rote Klinkerfassade, während im Obergeschoss die Putzfassade einen Akzent setzt. Foto: Gussek Haus
  • Die durchgehende Klinkerfassade erzeugt ein homogenes Gesamtbild. Foto: Röben

Fassaden aus Klinker, Backstein oder Riemchen

Wenn vor dem eigentlichen Mauerwerk eine Verblendfassade steht, spricht man von einer Wetterschale. Sie schützt die Bausubstanz sicher vor Witterungseinflüssen, wenn sie keine Schäden aufweist.

Klinker
halten sehr lange, wie viele alte Backsteinfassaden im norddeutschen Raum beweisen. Aber falsche Verarbeitung und Umwelteinflüsse können den Steinen und Fugen zusetzen. Eine Sanierung ist dann unumgänglich.

Vom Zustand bzw. Schadensbild ist es dann abhängig, ob ein Abtragen und neues Aufmauern der Klinkerschale hilft oder kleine Ausbesserungen genügen. Bei energetischer Gebäudesanierung kann auch ein Wärmedämm-Verbundsystem mit Klinkerriemchen eine überlegenswerte Alternative sein.

Klinker

Jeder Ziegel ist ein Einzelstück, in der Menge verleihen sie dem Haus als Klinkerfassade eine ganz individuelle Note. Klinker sorgen für Lebendigkeit, vermitteln Schutz und Geborgenheit. Der Name „Klinker“ rührt von dem hellen, hohen Klang, der entsteht, wenn mit einem leichten Hammerschlag geklopft wird. Die Ziegel-Rohlinge werden bei Temperaturen um die 1.200 Grad gebrannt, um die Oberfläche versintern zu lassen.

Bei diesen Temperaturen schließen sich die Poren, sodass das Endprodukt kaum Wasser aufnimmt, anders als herkömmliche Tonziegel. Der Klinker bleibt trocken und ist daher weitgehend gegen Abplatzungen gefeit – die typischen Frostschäden, die durch die Sprengkraft von gefrorenem Wasser entstehen. Auch Hitze, Schlagregen, Hagel, Stöße und Spechte können dieser Fassade nichts anhaben.

Vormauern bezeichnet einen zweischaligen Wandaufbau – vor die tragende Wand wird eine sogenannte „Wetterschale“ gesetzt. Die Lebensdauer eines Hauses erhöht sich dadurch erheblich. Anders als früher wird heute in den Zwischenraum zwischen Vormauer und tragender Wand eine Dämmung eingebracht, meist aus Mineralwolle oder aus Hartschaum. Nicht rostende Drahtanker verbinden tragende Hintermauer und Vormauer. Man spricht von einer „Kerndämmung“. Der verbleibende, fingerdicke Luftspalt genügt zum Abtransport von Feuchtigkeit.

Durch eine Z-Sperre wird ein eventuelles Zuviel an Wasser vom Sockel weg nach außen geführt. Eine Folie wird in ungefähr 50 Zentimeter Höhe an der Innenschale befestigt oder in die Lagerfuge der Außenwand eingelegt, nach unten auf den Fußpunkt und weiter über den Sockel gezogen, auf ihr wächst anschließend die Vormauer weiter in die Höhe. Den Abschluss der Arbeiten bildet die saubere Fugenausbildung mittels Fugeisen.

Riemchen

Manchen Hausbesitzern reichte früher der Schein: Imitate aus Vinyl-Paneelen verwandelten ab den 1960er-Jahren zahlreiche Häuser in schlechte Filmkulissen und schädigten aufgrund ihrer Diffusionsdichte nicht selten die Bausubstanz. Ganz anders sind da schon die Riemchen, rund zwei Zentimeter starke Plättchen aus ebenfalls klingend hart gebranntem Ton, die auf einer Mörtelschicht aufgebracht werden.

Wenn beispielsweise der alte Putz unansehnlich geworden ist und eine Renovierung fällig wird, denken viele Hausbesitzer über einen Vollwärmeschutz für ihre Immobilie nach. Die Kosten für ein Gerüst fallen sowieso an und die Mehrkosten der Dämmung werden sich durch die Einsparungen beim Energieverbrauch amortisieren. Der grundsätzliche Vorteil eines Wärmedämm-Verbundsystems besteht darin, dass kein zusätzliches Fundament benötigt wird. Die alte Fassade trägt das komplette System.

WDVS mit Klinkerriemchen regelt den Wärme- und Witterungsschutz und dient als Gestaltungselement. Professionell geklebt und verfugt ist die Riemchenfassade von einem massiven Klinker-Mauerwerk nicht zu unterscheiden. Klinkerriemchen brauchen keine Pflege, sie behalten ihre natürliche Schönheit.

Zur weiteren Vereinfachung hat sich die Industrie Fertigelemente einfallen lassen, Dämmplatten aus Hartschaum mit bereits aufgeklebten Riemchen. Kritiker merken aber an, dass die starren Großelemente das normale Dehnen und Schwinden einer mineralischen Außenhaut nicht so leicht ausgleichen wie eine gemauerte Außenschale.

Vormauerwerk im Modell

Aufbau der Hybridwand

  1. Verblendfassade, einzeln vermauert
  2. Luftschicht
  3. Dämmplatte
  4. Wandstiel/Untergurt
  5. Dämmung
  6. Holzwerkstoffplatte
  7. Dampfdiffusionsplatte
  8. Gipskartonplatte
  • Auf die zu sanierende Fassade kommt eine Dämmschicht, dann Armierungsgewebe und Mörtel, abschließend die Riemchen. Foto: Röben
  • Tragende Wand und Vormauerung aus Klinker, dazwischen die Dämmschicht. Foto: Röben

Worauf Sie bei der Sanierung einer Klinkerfassade im Detail achten müssen, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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