Die Haushülle luftdicht machen

Eine luftdichte Haushülle bedeutet nicht, dass Schimmel oder Erstickungsgefahr drohen. Im Gegenteil garantiert sie Behaglichkeit und spart Energie.

Durch Forschung getestet

Forscher des Fraunhofer Instituts für Bauphysik (Fraunhofer IBP) wollten es 1989 genau wissen und untersuchten, wie viel Wärme ein Gebäude über undichte Stellen verliert. Sie bedeckten Mineralfaserdämmschichten mit Dampfbremsfolien. Die Folien wurden mit Rissen unterschiedlicher Breite versehen. Dadurch konnte warme Raumluft durch die Abdeckung und Isolierschicht nach außen strömen.

Daraufhin maßen die Forscher die Wärmeverluste bei Temperaturunterschieden, die strengem Winterwetter entsprachen und staunten nicht schlecht: Bereits ein Spalt von einem Millimeter Breite genügte, um den Dämmwert der Mineralwolle um den Faktor 5 zu verschlechtern. Die feuchtwarme Raumluft durchnässte sie, da die enthaltene Luftfeuchte kondensierte. Nasse Dämmung dämmt nicht.

  • Das Gutshaus von 1881 ist heute ein Plusenergie-Haus. Foto: Knauf
  • Innen wurde die luftdichte Haushülle auf dem Mauerwerk durch verputzen hergestellt. Foto: Knauf
  • Wo hinter Vorwandinstallationen nicht verputzt wird, muss die Vorsatzschale luftdicht aufgeführt werden. Foto: Knauf

Ungesund und teuer

Fugen, Ritzen sowie undichte Stellen aller Art lassen warme Luft in die Haushülle strömen. Dadurch dringt kalte Luft in den Wandaufbau ein und es entsteht ein Komfort- und erheblicher Energieverlust.

Die kalte Zugluft und die sogenannte Kältestrahlung erzeugen ein unbehagliches Gefühl im Gebäudeinneren. Um dieses Kältegefühl auszugleichen müssen die Heizungen hochgedreht werden. Das wiederum führt zu hohen Heizkosten. Zudem ist die Bausubstanz gefährdet. Trocknet sie nicht regelmäßig und schnell genug ab, kann Schimmel entstehen, der auch mineralische Wandaufbauten zerstören kann.

Schluss mit Fugenlüftung

Eine luftdichte Haushülle ist für eine energetische Sanierung genauso erforderlich wie zusätzliche Dämmung und der Austausch der Fenster. Die KfW bezuschusst solche Projekte. Es handelt sich dabei nicht um ein Leben in der Plastiktüte, sondern die störende "Fugenlüftung" wird abgestellt. Bewohner vollziehen den Luftwechsel selbst und sind nicht mehr von Wind und Wetter beeinflusst.

Auch Schimmel findet keinen Nährgrund mehr. Dennoch ist die nachträgliche Abdichtung weit kniffliger und anspruchsvoller als bei einem Neubau. Der muss nach Energie-Einsparverordnung grundsätzlich luftundurchlässig nach Stand der Technik sein.

Baubegleiter und Energieberater

Ein unabhängiger Bausachverständiger sollte das Projekt von Beginn an begleiten. Dieser achtetet dann darauf, dass nur Markenware eingesetzt und korrekt verarbeitet wird (Produkte in die Baubeschreibung aufnehmen lassen). Ist der Bausachverständige zugleich Energieberater, kann er unter anderem auch den Blower-Door-Test durchführen.

Adressen anerkannter Energieberater finden Sie unter www.energie-effizienz-experten.de.

Von Putz, Folien und Bauplatten

Eine lückenlose Luftdichtheitsschicht muss im Vorfeld vom Planer im Detail konzipiert werden. Dabei entscheidet er, wo die luftdichte Ebene liegen soll und ob der Spitzboden mit einbezogen wird. Wenn nicht, ist der Einbau einer luftdichten Bodentreppe erforderlich. Das Mauerwerk dichtet man durch sauberes Verputzen ab. Allerdings dürfen die Stellen, an denen Vorwandinstallationen vorgesehen sind, nicht einfach ausgelassen werden. Muss die Putzschicht aus praktischen Gründen entfallen, ist die Vorsatzschale entsprechend abzudichten.

Dampfbremsfolie schließt Konstruktionen aus Holzständern mit Dämmstoff in den Fächern. Die Folie wiederum wird mit Klebebändern verklebt. Auch Bauplatten dichten diese Konstruktionen ab, deren Fugen mit Fugenbändern überbrückt werden. Dachkonstruktionen schließt man von innen auf ähnliche Art und Weise. Aber auch von außen lassen sie sich mit Folien luftdicht machen, die am besten über den Sparren verlegt werden.

Sparren kappen

Besonders aufpassen müssen Planer und Verarbeiter an den Übergängen und Durchdringungen. Etwa an den Übergängen vom Dach zu den Giebelwänden und traufseitig vom Dach zum Kniestock. Durchlaufende Sparren können ein Problem darstellen, da sie die Luftdichtheitsschicht durchstoßen, wo Dach und Kniestock aufeinandertreffen. Es kann unter Umständen sinnvoll sein, sie zu kappen.

Laufen Rohre und Kabel durch die Haushülle, ist erhöhte Sorgfalt geboten. Basteln Sie hier nicht mit Folienstücken und Klebenband. Spezielle Manschetten sind für jeden Durchmesser erhältlich. Fenster und Türen dichtet man zwischen Laibung und Blendrahmen beziehungsweise Zarge mit Kompribändern ab. Das sind im Werk vorkomprimierte Schaumstoffbänder, die sich bei Einbau ausdehnen.

  • Führen Kabel durch die Dampfbremse, dichten die passenden Manschetten zuverlässig ab. Foto: Elektro+ /Kaiser
  • An allen Anschlüssen und Übergängen muss äußerst genau gearbeitet werden. In diesem Fall von der Dachhaut zum Fenster. Foto: Velux

Haushülle prüfen mit dem Blower-Door-Test

Geprüft wird der Erfolg der Maßnahme mit dem Blower-Door-Test (siehe Kasten). Fördert die KfW die Modernisierung, ist der Test ab einem bestimmten Effizienzstandard vorgeschrieben, aber auch, wenn eine Lüftungsanlage montiert wird. Der Blower-Door-Test nach Fertigstellung ist ein Muss. Es sollte jedoch zunächst einer vor Abschluss der Innenausbauarbeiten stattfinden, um notfalls noch nachbessern zu können.

Blower-Door-Test

  • Bei geschlossenen Fenstern und Türen wird eine Tür mit Gebläse eingesetzt.
  • Im Haus wird ein Über- oder Unterdruck von 50 Pascal erzeugt.
  • Aus der gepumpten Luftmenge kann auf die Dichtheit der Haushülle geschlossen werden.
  • Daraus ergeben sich die n50-Werte für die Luftwechselrate bei 50 Pascal.
  • Eventuelle Lecks werden mit mit hochempfindlichen Windmessgeräten sowie Trockeneisnebel aufgespürt
  • Der Test sollte nach den Elektro- und sonstigen Installationsarbeiten ein letztes Mal durchgeführt werden.

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