Feinschliff statt Abbruch

Auf einem idyllischen Grundstück südlich von Stuttgart liegt das 1953 erbaute und 2008 rundum sanierte Einfamilienhaus des Ehepaars Sandra Herkert und Frederik Maier. Die Architektin und der Elektroingenieur erkannten sofort, dass sie einen „Rohdiamanten“ vor sich haben, als sie die „Abbruchimmobilie“ entdeckten.

Der Entwurf des Umbaus trägt die Handschrift von Sandra Herkert: Mit viel Liebe und Know-how realisierte sie zusammen mit ihrem Mann durch umfassende Sanierung des 60 Jahre alten Hauses in Leinfelden-Echterdingen ihren Traum vom Eigenheim, nachhaltig konzipiert und individuell gestaltet. Durch das Entfernen von Zwischenwänden eröffnet sich jetzt im einst eng geschnittenen Erdgeschoss ein großzügiges und helles Wohn-Essraum-Konzept mit Warmluftkamin als Raumteiler, dessen eingebundene Stahlstützen nun Teile der Deckenlast abfangen. Unter dem Eichenparkett verbirgt sich eine Fußbodenheizung. Abgerundet wird das Sanierungskonzept durch optimale Dämmung der Gebäudehülle und des Dachstuhls nach KfW-70-Standard sowie durch ein nachhaltiges und kosteneffizientes Pelletheizsystem in Verbindung mit einem Pufferspeicher und Solarkollektoren.

Modernes Energiekonzept

„Bei Übernahme des Hauses betrug der jährliche Primärenergiebedarf gemäß Energieberatungsbericht 787 kWh/m². Dieser extrem hohe Wert wurde durch die Gebäudesanierung auf 26,4 kWh/m² und damit um gut 95 % reduziert“, so Frederik Maier. Er kümmerte sich um die Grundlagenermittlung sowie die konzeptionelle Gestaltung der Haustechnik. Bei der Frage nach dem richtigen Heizsystem informierten sich die Bauherren im Vorfeld umfassend durch den Besuch von Fachmessen, persönliche Kontaktaufnahme mit Herstellern, mittels Internet-Recherchen sowie durch Beratungsgespräche mit dem Heizungsbauer. „Eine Ölheizung wurde von uns aus ökologischer wie ökonomischer Sicht grundsätzlich abgelehnt“, so die Bauherren. „Eine Gasheizung war aus Kostengründen zwar interessant, ein Anschluss stand aber nicht zur Verfügung. Auf das Thema Pellets wurden wir durch unsere Recherchen insbesondere auf Energie-Fachmessen aufmerksam. Zur Auswahl standen neben einer Pelletheizung auch der Einsatz einer Luft-Wärmepumpe oder eine Erdwärmenutzung. Die Luft/Wasser-Wärmepumpe haben wir jedoch aufgrund ihres problematischen Wirkungsgrades bei niedrigen Außentemperaturen und damit der Notwendigkeit für eine elektrische Zuheizung verworfen. Eine Erdwärmenutzung schlossen wir aufgrund des hohen Kostenfaktors sowie der teilweise negativen Langzeit-Erfahrungsberichte aus. Die gewählte Kombination aus Sonnenkollektoren, Pelletheizung, Kaminofen und Niedertemperatur-Flächenheizung, bestehend aus Fußboden- und Wandheizung, war letztlich für uns die wirtschaftlichste und sinnvollste Lösung.“

So fiel die Wahl auf einen 15-kW-Pelletkessel mit Brennwerttechnik inklusive komfortabler, automatischer Ascheaustragung von ÖkoFEN sowie einen 1.000-Liter-Pufferspeicher und 15 m² Indachflachkollektoren. Zu der verlegten Niedertemperatur-Flächenheizung bot sich der Einsatz der Pellet-Brennwerttechnik an, die eine zusätzliche Brennstoffeinsparung ermöglicht. Denn dabei wird die Wärme-Energie, die sich noch im Abgas befindet und normalerweise durch den Schornstein entweicht, zusätzlich genutzt. „Der Brennwertkessel funktioniert in Verbindung mit unserer Fußbodenheizung sehr gut, da diese eine Rücklauftemperatur von ca. 25 °C aufweist und damit ein ausreichendes Temperaturgefälle zur Verfügung steht“, so Maier.

Frage des Pellet-Lagers

Als Pelletlager ist ein Gewebetank mit einer Kapazität von 6 Tonnen im Einsatz. „Zur Diskussion standen Lagerlösungen im Außen- oder Innenbereich“, erklärt Sandra Herkert. „Da ein Pelletlager im Haus im Gegensatz zu einem Erdtank im Garten besser zugänglich ist, entschieden wir uns für eine Lösung im Keller. Hier hatten wir die Wahl zwischen einem komplett gebauten Lagerraum oder einem Pelletsilo. Unsere Entscheidung fiel schließlich auf einen Gewebetank, da dieser platzsparender ist als eine Lagerraumlösung. Wir haben das Silo im ehemaligen Heizungskeller aufgestellt und haben dort auch noch Platz für andere Haushaltgeräte. Die Heizung selbst wurde im angrenzenden Raum installiert, sodass die Pellets mit einer Förderschnecke auf kürzestem Weg zum Kessel transportiert werden.“

„Der Einbau der gesamten Heizanlage inklusive Lager konnte durch zwei Mitarbeiter an vier Tagen erledigt werden“, so Projektbetreuer Andreas Keller von der Firma Alber bad&heizung aus Filderstadt-Plattenhardt, die die Anlagenplanung und Installation durchführte. Das Heizsystem wurde in enger Abstimmung mit den Bauherren durch Matthias Alber, Geschäftsführer der Heizungsbaufirma, konzipiert. Hierbei kam der ÖkoFEN 3D-Heizraumplaner zum Einsatz. „Alle notwendigen kaufmännischen und technischen Unterlagen wie Materiallisten, Angebote, Montagepläne und farbige 3D-Ansichten konnte ich mit nur wenigen Mausklicks erstellen“, so Matthias Alber. Nach mittler-weile fünf Jahren Betrieb ihrer Pelletheizung fällt das Resümee der Bauherren Herkert und Maier sehr positiv aus: „Die Anlage wurde Ende 2008 in Betrieb genommen und wir haben bisher zwei Wartungen durchführen lassen. Trotz der längeren Wartungsintervalle wurde uns ein sehr guter Zustand des Pelletheizsystems vom Kundendienst testiert. Wir sind sehr zufrieden mit der ÖkoFEN-Heizung, vor allem in Kombination mit den Kollektoren und dem Pufferspeicher. In einem durchschnittlichen Jahr können wir die Heizung in der warmen Jahreszeit ca. sechs Monate ganz ausschalten. Dann übernehmen die Sonnenkollektoren die Warmwasserbereitstellung.“

Nachhaltig gerechnet

Die Kosten für die Installation des Pelletkessels mit Brennwerttechnik beliefen sich auf ca. 16.000 Euro. Hierbei erhielten die Bauherren staatliche Zuschüsse des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA): „Durch die BAFA haben wir die damals gültige Komplett-Fördersumme von insgesamt 6.060 Euro für Pelletheizung, Pufferspeicher und Solarkollektoren erhalten. Zu den Förderungen hat uns der Heizungsbauer gut informiert und beraten“, erläutert Frederik Maier. Auch bezüglich der niedrigen Heizkosten zeigen sich die Bauherren sehr zufrieden: „In unserem 2-Personen-Haushalt beträgt der jährliche Pelletverbrauch ca. 2,2 Tonnen im Jahr, was Heizkosten von derzeit ca. 600 Euro entspricht.“ Das energieeffiziente und umweltfreundliche Konzept vom Dachstuhl bis in den Heizungskeller hat sich nachhaltig gelohnt.

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