Teilrenovierung im Baseler Stadthaus

Statt des alten, unbeheizten Gemeinschaftsbads im Keller gibt es nun moderne, top ausgestattete Bäder in jeder Wohnung. Neueste Sanitärtechnik und moderner Dusch-Komfort machen den Verlust eines Zimmers für die Bewohner mehr als wett. 

In der Schweiz machen Altbauten über 70 Prozent aller Gebäude aus, Sanierungen bilden daher ein Dauerthema. So auch in Basel, der Hauptstadt des gleichnamigen Kantons, wo Altbauten viel Charme, eine Geschichte und häufig eine privilegierte Lage aufweisen können. Andererseits bilden alte Leitungssysteme, fehlende Wärmedämmung und unpraktische Grundrisse die Schwachpunkte.

Baden im Keller

Das Jahrhundertwendehaus liegt ganz in der Nähe des Rheins und des Stadtzentrums. Bereits in dritter Generation befindet es sich in Familienbesitz. Der Besitzer, seine Mutter und sein Bruder bewohnen drei der fünf Wohnungen, die beiden anderen sind vermietet. Das Haus erhielt vor einigen Jahren den Anschluss an das Fernwärmenetz der Stadt, ebenso wurden alte Fenster durch neue Isolierfenster ersetzt. Die Sanitärausstattung, die Architekt Christoph Ecker bei der ersten Begehung vorfand, mutete altertümlich an: Während jede Wohneinheit über ein eigenes WC verfügte, gab es nur ein gemeinsames Bad für alle Hausbewohner im Keller. Lediglich die von der Mutter des Besitzers bewohnte Etage verfügte über eine einfache Kompaktduschkabine in der Küche. Das Haus besaß keine zentrale Warmwasserversorgung. Für die Körperpflege mussten die Bewohner in den Keller gehen, um durch den Garten dann die Waschküche mit Bad zu erreichen. Dort erwartete sie ein unbeheizter Raum mit gußeiserner Wanne und Plastikdusche. „Ich war schon verwundert, dass es einen solchen Standard noch gibt“, erinnert sich der Architekt. Andererseits bieten solche unrenovierten Stadthäuser noch günstigen Wohnraum.

Renovieren, aber richtig

Als der Besitzer sich für Sanierungsmaßnahmen entschied, musste es aber auch gleich ein Quantensprung werden. Er gab vor, dass jede Wohnung ihr eigenes Badezimmer erhalten sollte und dafür eines der Zimmer „geopfert“ werden musste. Nach Meinung des Architekten wäre auch die Unterteilung eines großen Raums machbar gewesen, um die Zimmeranzahl zu erhalten. Kennengelernt hatten sich Bauherr und Architekt über Freunde von Freunden sowie einen Sanitärhandwerker. Neben dem Neueinbau der Bäder wünschten sich die Besitzer eine zentrale Warmwasserversorgung, einen Austausch der Sanitärleitungen im ganzen Haus sowie eine Erneuerung der Elektroinstallation, deren Absicherung mit nur sechs Ampere ebenfalls völlig veraltet war. Auch im Bereich der Küchen wurde modernisiert, das Kochen mit Gas blieb bestehen, allerdings fiel die vorhandene Gasleitung beim Dichtigkeitstest durch und musste ebenfalls erneuert werden. Die WCs wurden renoviert, die PVC-Böden herausgerissen und die alten Wandbeläge abgeschlagen.

Schöne neue Dusch-Welt!

Für den Duscheinbau entfernten die Schreiner den Parkettboden in diesem Bereich. Nur noch die Balken der Decke blieben erhalten, dann wurde eine komplett neue Unterkonstruktion aufgebaut und alles fachgerecht abgedichtet. Da der Fußboden in den Zimmern krumm und schief war, bedeutete der Einbau der bodenebenen Dusche eine besondere Herausforderung. Bei der Planung entschied man sich, den höchsten Punkt des Bodens bündig mit dem Rand der Duschtasse zu wählen. Anschließend passten die Handwerker das Parkett rund um die Dusche wieder ein, ergänzten, schliffen und ölten es. Da Parkett empfindlich auf stehende Nässe reagiert, hält Christoph Ecker diesen Bodenbeläg für Mietwohnungen nur bedingt geeignet. Aber die Besitzer zogen in diesem Fall die schönere Lösung einer vielleicht praktischeren vor.

Keine Standard-Lösungen

Die Zimmerwände in den neuen Bädern fielen doppelt aus dem Winkel und standen daher auch nicht parallel – was für das Handwerk eine zusätzliche Herausforderung bedeutete, da mit den neuen Duschwänden und Tassen gerade Teile integriert werden mussten. Die Leitungen fanden ihren Platz in der Wand hinter dem Spiegel. Um die Geräuschentwicklung innerhalb und zwischen den Wohnungen einzudämmen, wählte der Architekt mit „Geberit Silent Rohre“ ein schallschluckendes Material. Ein Warmwasserboiler im Keller versorgt über ein zentrales Zirkulationssystem alle Wohnungen mit fließend warmem Wasser. Häufig halten Altbauten bei der Renovierung noch Überraschungen bereit – da machte auch das Baseler Stadthaus keine Ausnahme: Den ursprünglichen Plan, einen Leitungsstrang von unten nach oben gerade durchs Haus zu ziehen, durchkreuzten schiefe Wände und Balken. Außerdem mussten im Bereich der Küchen alte Balken verstärkt werden.

Ausgefallene Beleuchtung

Die Bauarbeiten dauerten insgesamt ungefähr ein halbes Jahr. Eine Badrenovierung Stockwerk für Stockwerk erwies sich rasch als schwer durchführbar, sodass die Maßnahmen dann en bloc ergriffen wurden. Heute sind die Leitungen sauber in der Steigzone versorgt mit Zugang über eine bündig schließende Revisionsklappe. Der Architekt riet zu einer einheitlichen Deckenbeleuchtung durch flächenbündige LED-Lampen. Die ausgefallenen Lampen von iGuzzini er­­scheinen wie schmale Schlitze an der Decke. Wenn die Lampe brennt, sieht der Betrachter nicht, woher das Licht kommt. Am Boden entsteht immer ein runder Lichtkegel. Damit erstrahlen die Bäder erst recht in neuem Glanz!

Planung

Architekt Christoph Ecker hat  noch nie auf der grünen Wiese ein Haus neu gebaut. „Irgendetwas war immer schon vorhanden“, sagt der Spezialist für die Renovierung alter Bauernhäuser. Eines seiner letzten Projekte war ein abgebranntes Wohnhaus mit Scheune, von der er noch 25 Prozent retten konnte. Christoph Ecker studierte an der HTA Luzern, arbeitete anschließend für verschiedene Architekten in Österreich und der Schweiz und machte sich 2008 mit seinem eigenen Architekturbüro selbstständig.

Architekturbüro Christoph Ecker GmbH, Dipl. Arch. FH, Hauptstraße 13, CH-4494 Oltingen,
Tel.:/ Fax.: 00 41 (0) 61-9 91 02 20, www.architecker.ch

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