Vom Landhaus zur Flachdachvilla

Zwischen Neubau und Sanierung hat sich der „Erneuerungsbau“ etabliert. Bestandsbauten punkten zwar mit guter Lage, zeigen aber deutliche Schwächen bei Baustil, Raumaufteilung und Energiebilanz. In diesem Fall blieben daher nur Fundament und Grundmauern bestehen, alles andere ist neu.

Die Architektenfamilie mit zwei Kindern hatte bereits seit einigen Jahren das Landhaus mit Satteldach bewohnt, dessen Naturlage auf einem 5.900 Quadratmeter großen Grundstück als großer Glücksfall empfunden wurde. Ein Pool sowie ein kleines Gästehaus gehörten zum Bestand auf dem Gelände ganz in der Nähe von Antwerpen. Obwohl ein größerer Umbau des Haupthauses von Anfang an geplant war, hatte sich die Familie bewusst dafür entschieden, das Objekt zunächst noch einige Zeit zu bewohnen, um ein möglichst präzises Anforderungsprofil für den späteren Umbau zu entwickeln. Vor allem die Schwächen der Bestandsarchitektur konnten so aktiv erlebt und im Konzept für das kommende Bauvorhaben korrigiert werden. Während dieser Vorplanungsphase zeichnete sich ein starker Eingriff in die Bausubstanz als die deutlich bessere Alternative zur Sanierung ab. Das Fundament und die Grundmauern des Gebäudes sollten zwar bestehen bleiben, ansonsten strebte man einen modernen, lichten Baustil an und ordnete die Innenraumaufteilung völlig neu.

Das ehemalige Satteldach durch ein Flachdach zu ersetzen und damit eine vollwertige Ebene im Obergeschoss zu gewinnen, gehört zu den wichtigsten Eingriffen. Er prägt die nunmehr moderne, kubische Optik des Gebäudes. Mit der geschlossenen Nordseite zum Eingangsbereich und den auf beiden Ebenen weit offenen Südseite zum Garten berücksichtigt die Architektur energetische und optisch-funktionale Anforderungen gleichermaßen. Aus Küche, Esszimmer und Wohnraum heraus entsteht Sicht und Zugang zu Terrasse und Grundstück mit Pool. Hoher Lichteinfall und ganzjähriges Naturerlebnis erhalten die Bewohner inklusive.

Material-Wahl

Ebenerdiges Wohnen im Erdgeschoss und Schlafräume sowie Lebensräume für die Kinder im Obergeschoss – dieses Konzept hat sich nach Aussage von Bauherr und Architekt Werner Braeckmans im Wohnalltag ganz klar bewährt. Ebenso wie der hohe Tageslichteinfall durch die großflächigen Verglasungen, die das Objekt selbst leicht und offen wirken lassen und in den wärmeren Jahreszeiten die Offenheit zur Natur nahtlos herstellen. Der Einsatz puristischer, „ehrlicher“ Baumaterialien war der Familie ebenso wichtig. Zum durchgängigen Gestaltungskonzept gehören die Backsteinverkleidung, Naturholzvertäfelungen, Sichtbeton-Elemente, großen Glasflächen sowie einheitlich lackierte Profile aus Stahl und Aluminium. Das alles im Einklang mit den aktuellen und zukünftigen Anforderungen an den Wärmeschutz.

Vorhang-Fassade

Durch den Einsatz der doppelgeschossigen Vorhangfassade „Schüco FW 50+“ wird die optische Übergangslosigkeit zwischen innen und außen nochmals verstärkt. Jeweils zwei geschosshohe Glaselemente pro Ebene sind so filigran durch die schlanken Systemprofile unterteilt, dass der Eindruck vollkommener Transparenz entsteht. Der barrierefreie Übergang zur Terrasse erfolgt seitlich aus der Küche heraus in Form eines ebenso filigranen Schiebetürsystems. Vorteil der Systemkonstruktion „Schüco ASS 70.HI“ ist neben der isolierenden Eigenschaft die ebenerdig in den Boden eingelassene Schiene. Verglasung und Fenstersysteme sind in Farbe und Profiloptik aufeinander abgestimmt.

Erneuerungsbau

Für einen Erneuerungsbau sprechen mehrere gute Gründe. Zum einen sind gute Lagen in Stadtnähe und innerstädtisch gefragter denn je. Stehen entsprechende Objekte zum Verkauf, so befindet sich auf dem Grundstück in der Regel ein Bestandsbau. Dessen Zustand, Baustil und Raumaufteilung stellt den neuen Besitzer vor eine schwierige Entscheidung – eine Einzelfallentscheidung, bei der es sich empfiehlt, einen Sachverständigen mit einzubeziehen. Denn angesichts des hohen Niveaus staatlicher Energiesparauflagen kann eine Sanierung durchaus die Kosten eines Neubaus erreichen. Mit dem Nachteil, dass die weitgehende Beibehaltung des Baustils und auch der Raumaufteilung eine freie Planung und Individualisierung deutlich einschränken. Die Wohnbedürfnisse und -gewohnheiten haben sich im Lauf der Jahrzehnte verändert. Wie Familie Braeckmans erwarten Hausbesitzer heute eine hohe Transparenz und Durchgängigkeit zum Garten hin, Großzügigkeit in der Raumaufteilung und Integration von Funktionsbereichen. Solche Qualitäten bieten ältere Bestandsbauten nur in den wenigsten Fällen. Indem der Erneuerungsbau viel stärker als die Sanierung in die vorhandene Bausubstanz eingreift, kann er mitunter als sowohl wirtschaftlich wie auch gestalterisch attraktiverer Weg angesehen werden.

Was selbst auf den zweiten Blick noch wie ein Neubau aktuellster architektonischer Prägung  wirkt, ist tatsächlich ein „Erneuerungsbau“, bei dem durch starke Eingriffe in die Bausubstanz und ein durchgängiges Nutzungskonzept aus einem Landhaus eine moderne Villa wurde.

Umbau-Daten

Objekt: Erneuerungsbau eines Wohnhauses in Belgien
Wohnfläche: 230 m2 auf zwei Ebenen
Vorhangfassade: mit Sonnenschutz-Isolierverglasung auf der Südseite, Schüco FW50+
Fenster: Schüco AWS 70.HI, Schiebetürsystem mit bodenversenk-baren Schienen Schüco ASS 70.HI
Architekt und Bauherr: Werner Braeckmans bvba, Schoten, www.abra.be

Weiterführende Informationen

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