Grundrisse in alten Häusern verändern

Grundrisse, wie sie in vielen älteren Häusern zu finden sind, treffen das Lebensgefühl der heutigen Generation nicht mehr. Nach modernen Maßstäben sind sie zu eng und schlecht geschnitten. Doch ist auch hier befreites Wohnen realisierbar – mit einer sorgfältigen Bedarfsanalyse und kreativem Denken.

News Renovierung

Nach einem anstrengenden Arbeitstag gibt es für viele nichts Schöneres als innerhalb der eigenen vier Wände zu entspannen. Familien mit Kindern wiederum genießen die Freiräume, die ein Eigenheim bietet. All das ist richtig, vorausgesetzt die Wohnqualität stimmt. Doch was ist, wenn dort drangvolle Enge herrscht? Wenn hinter der Eingangstür ein schmaler Flur im Dunkel liegt?  Wenn man sogar im Esszimmer bei jeder Drehung um die eigene Achse sofort irgendwo aneckt? Und wenn man Besucher ins Familienbad bitten muss, weil eine Gästetoilette fehlt? Statt Wohlfühlatmosphäre herrscht miese Laune. Spätestens dann ist es höchste Zeit für eine (Grundriss-)Änderung.

Grundriss erstellen mit Baufachmann

Am besten lässt sich ein Grundriss umgestalten, wenn man das Haus noch nicht bezogen hat oder sein Domizil während der Umbauphase an einer anderen Stelle aufschlägt. Finden die Arbeiten in bewohntem Zustand statt, sollte man sich auf eine anstrengende Zeit einstellen. Umso wichtiger ist eine gute Planung, damit ein Gewerk ohne Leerlauf ins andere greift und das Ergebnis am Ende den Aufwand rechtfertigt. Solange es sich nur um kleinere Maßnahmen handelt, wie der Durchbruch einer Wand oder das Versetzen oder Vergrößern eines Fensters, reicht es, wenn man damit einen kompetenten Handwerker beauftragt. Sobald jedoch Anbauten die Wohnfläche erweitern und Raumfolgen neu arrangiert werden sollen, sobald Eingriffe in die Statik notwendig sind, sollte man unbedingt einen Architekten mit entsprechenden Referenzen ins Boot holen. Er „durchschaut“ den vorhandenen Grundriss und erkennt, wie dieser an die Bedürfnisse der Bewohner angepasst werden kann. Er kann die Planung aufgrund seiner Erfahrung optimieren und so in Form bringen, dass einer Baugenehmigung nichts im Wege steht. Außer-dem wird er als Bauleiter die Bauphase begleiten.

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Um den Grundriss neu zu organisieren, ist eine Bestandsaufnahme sinnvoll: Wie viele Räume sind vorhanden und wie groß sind diese? Wie ist die Zuordnung zueinander und gegebenenfalls wie werden sie derzeit genutzt? Gibt es einen Balkon oder eine Terrasse und aus welchen Himmelsrichtungen erreicht die Sonne das Haus? Wo sind Räume mit spezieller Sanitär- beziehungsweise Wasser- und Elekroinstallation wie Küche, Bäder und WCs? Wie üppig ist der Tageslichteinfall und wie werden die Stockwerke erschlossen – durch eine inliegende Geschoss-treppe oder handelt es sich um zwei oder drei Wohnungen, die man durch ein vorgelagertes Treppenhaus erreicht?

Schritt 2: Bedarfsermittlung

Danach stellt sich die Frage: Wie viele Räume werden in Zukunft benötigt und welche Größe sollen diese haben? Wünscht man sich zwei gleichwertige Bäder oder zieht man die Kombination von einem großen Familien- und einem kleineren Duschbad für Kinder und/oder Gäste vor? Gibt’s auf der Wohnebene Platz für ein zusätzliches, separates Gäste-WC? Soll der Wohnraum komplett offen sein oder will man die Küche getrennt halten? Ist Platz für eine Speisekammer? Wird die Haustechnologie erneuert und muss ein Technikraum her? Wie steht’s mit Gäste-, Arbeits- oder Bügelzimmer, Medien- oder Musikraum?

Von der Wunschliste zum Grundriss-Konzept

Wunschlisten haben die Tendenz, länger zu werden, als Fläche zur Verfügung steht. Aufgabe des Architekten ist es, den Bedarf so zu erfassen, dass auch bei begrenzter Fläche ein Konzept entsteht, das möglichst alle Wünsche berücksichtigt. Ausgangspunkt ist der bestehende Grundriss. Wo lassen sich kleine Räume zu einem größeren zusammenlegen? Sollen zwei übereinanderliegende, separate Wohnungen zusammengeführt werden und wie gestaltet man dann die Verbindung der beiden Ebenen? Welche Raumabfolgen sind sinnvoll? Eignet sich eine „aufgegebene“ Küche als neues Bad oder sind neue Installationswege notwendig? Müssen Schlafzimmer von der lauten Straßen- auf die ruhige Gartenseite verlegt werden? Wie integriert man Balkon und Terrasse ins veränderte Konzept?

Kombinationen in der Raumnutzung

Je nach Lebensgewohnheiten der Familie bieten sich Kombinationen in den Raumnutzungen an. Wie oft kommt tatsächlich Übernachtungsbesuch? Mit einer entsprechenden Einrichtung lässt sich das Arbeits- oder auch das Spielzimmer für die wenigen Nächte im Jahr problemlos in ein Gästezimmer verwandeln. Im Lese- oder Musikzimmer, das vor allem abends oder am Wochenende genutzt wird, können Bügelbrett und Nähmaschine hinter einer Schiebegardine verschwinden. Auf diese Weise ist alles ohne lästiges Auf- und Abbauen stets einsatzbereit. Trotzdem wirkt der Raum aufgeräumt.

Unkonventionell denken, kreativ planen

Wichtig ist eine unkonventionelle Herangehensweise. Das öffnet den Horizont für kreative Lösungen. Wenn sich der Zuschnitt kleiner Räume nicht ändern, dafür aber der Flur vergrößern lässt, spricht nichts dagegen, einfach den Schrank auszulagern. Kleider oder Bettwäsche sind auch im Einbauschrank vor der Zimmertür gut aufgehoben. Der Innenraum ist befreit von Ballast und kann eine ganz eigene Ästhetik entfalten, wenn sich die Einrichtung auf Bett und Schreibtisch und/oder einen gemütlichen Sessel beschränkt.

Auch wenn gängige Grundrisskonzepte nach Neubaustandard in manchem Haus mit kleiner Grundfläche nicht realisierbar sind, bedeutet das nicht das Aus für modernes Wohnen. Selbst wenn das Zusammenlegen von ehemaligem Esszimmer mit dem Wohnzimmer keinen großen Raum ergibt, ist Großzügigkeit möglich – nur eben anders. Schließt man beispielsweise die Küche offen an, indem man auch diese Wand entfernt, und macht aus dem Gesamtensemble den Funktionsbereich Kochen/Essen, ist viel Raum für fröhliche Partys. Das konventionelle Wohnzimmer könnte durch ein Fernsehzimmer im ersten Stock kompensiert werden. Auch hier kann man in lockerer Atmosphäre ein Glas Wein mit seinen Gästen genießen. Eigentlich kommt diese Variante modernen Lebensgewohnheiten sogar näher als der übliche Wohn-/Ess-/Kochbereich. Denn hier herrscht in jeder Hinsicht störungsfreie Zone. Man kann in Ruhe seinen James Bond anschauen, ohne dass umgekehrt Knallerei und quietschende Reifen während der Verfolgungsjagd die Gespräche der anderen Familienmitglieder stören. Der Mut, Grundrisse gegen den Strich zu bürsten, führt meist zu den besten Ergebnissen.

Mit Licht gegen die Enge in alten Häusern

Das Empfinden von Enge in älteren Häusern ist überdies oft einem Mangel an Licht geschuldet. Wer kleine Fenster durch raumhohe Glastüren ersetzt, kann mit einem überschaubaren Aufwand für freieres Durchatmen sorgen. Mehr Licht sorgt auch ohne Flächenerweiterung für mehr Großzügigkeit. Allerdings verstärkt der Anbau eines verglasten Erkers oder Mini-Wintergartens diesen Effekt erheblich. Sofern der Bebauungsplan solche Extras zulässt, heißt es, die Chance nutzen!

Enge und dunkle Flure werden freundlicher, wenn statt der alten Haustür moderne Eingangselemente mit viel Glas dem Tageslicht Durchlass gewähren. Alternativ bietet sich das Aufbrechen des Eingangsbereiches an, der so nahtlos in den Wohnbereich übergeht. Eine offene Treppe inmitten des Wohnraums unterstreicht die Wirkung zusätzlich. Statt Kleinteiligkeit herrscht Großzügigkeit. Wo ehemals Wände den Blick versprerrten entsteht eine weitläufige Bewegungsfläche, die sich mit Neubaustandards messen kann.

Für jeden etwas anderes

Umbauplanungen sind so individuell wie ihre Bauherren:

• Familien mit Kindern brauchen ein Kommunikationszentrum plus einen Rückzugsraum für jedes Mitglied. Außerdem trägt ein weiteres, multifunktional nutzbares Zimmer viel zum entspannten Familienleben bei.

• Singles oder Paare können die Räume für maximale Großzügigkeit öffnen. Der fließende Übergang von Wohn-Ess-Bereich und Küche gehört genauso dazu wie das Schlafzimmer mit Ankleide.

• Für Selbstständige, die von zu Hause aus arbeiten, ist ein „Bürotrakt“ sinnvoll, der für sich funktioniert: separater Zugang, Arbeitszimmer, Teeküche und WC.

• Bei Älteren wiederum steht die barrierefreie Gestaltung im Vordergrund. Das klappt, wenn das Erdgeschoss neben dem Wohnbereich über ein zusätzliches Zimmer sowie ein Bad verfügt und alle Durchgänge ausreichend breit sind.