Lärm- und Schallschutz: Für die Insel der Ruhe

Im Brandenburger Tor in Berlin gibt es einen „Raum der Stille“. Warum? Unser tägliches Leben ist angefüllt mit Lärm.

Dieser hohe Geräuschpegel  kostet uns eine Menge Nerven und Gesundheit. Lärm kommt aber nicht nur von der Straße, sondern auch aus der eigenen Wohnung und von nebenan.

Sicherlich hat jeder Mensch in Sachen Krach und Lärm eine andere Toleranzgrenze. Dennoch gibt es Mittelwerte zur Orientierung:

  • 120 bis 130 dB (Dezibel), hier liegt unsere allgemeine Schmerzgrenze.
  • 100 dB Dauerbelastung lässt einen nach kurzer Zeit ertauben.
  • 40 bis 50 dB sind tagsüber gut zu ertragen.
  • 30 dB nachts im Schlafzimmer sollten idealerweise nicht überschritten werden.

Aber Dezibel ist nicht nur die Einheit für das Maß der Lautstärke, sondern ebenfalls die Einheit für das Maß der Schalldämmung (R`) durch ein Bauteil oder die Kombination von Bauteilen. Fachgerechte Baukonstruktion sowie Dämmplatten zur Innendämmung, hergestellt aus Kalk, Sand und Zement, bringen den geforderten Schallschutz.

Lautstärke draußen minus Schalldämm-Maß ergibt den Geräuschpegel im Inneren.

Alle Schleichwege des Schalls

Schall wandert durch Gase, Flüssigkeiten und feste Körper. Architekten und Planer unterscheiden Luftschall und Körperschall, um den sie sich vorwiegend kümmern. Leider kann Luft- jederzeit zu Körperschall werden und umgekehrt. Durch Lücken, Fugen und Risse in der Haushülle und in den Innenwänden kommt der Luftschall ungebremst durch. Körperschall kann in der Bausubstanz Umwege gehen, man spricht von Flankenübertragung. Im Altbau lassen Fenster, Türen, Wände und Decken viel Lärm ungehindert passieren, einige Holzdecken älterer und jüngerer Bauart wirken sogar als Resonanzkörper.

Schallschutz mit Fenstern und Türen

Die einfachste Maßnahme des Schallschutzes ist immer zuerst das Austauschen von Fenstern und Türen und das Schließen aller anderen undichten Stellen in der Haushülle und im Innenbereich. Es entfallen Lüftungsverluste und dem Luftschall wird der Zugang versperrt.

Bereits nach dem Einbau neuer Fenster mit Mehrscheiben-Verglasung und Rahmen mit umlaufender Dichtlippe wird es drinnen fast gespenstisch still – zumindest empfinden die Bewohner es oft so. Neue, gut schließende Haustüren schaffen gleich ein ganz anderes Gefühl von Privatsphäre und bieten ausgezeichneten Lärmschutz.

Materialien die vor Schall schützen

Kommt Lärm als Luftschall nicht weiter, versucht er es als Körperschall. In Bauteilen mit hoher Rohdichte gerät er jedoch ins Stocken, wird teilweise absorbiert. Das heißt, ein Teil von ihm wird in Wärmeenergie umgewandelt. Beton, Vollziegel oder Kalksandstein sind daher wirkungsvolle Schallschutz-Elemente.

Wird beim Renovieren der Innenräume der Grundriss verändert, ist Kalksandstein bestens für neue Wände geeignet. Als effektiver Wärmespeicher beeinflusst er das Wohnklima im Sommer positiv. Fließestrich verbessert ebenfalls die schalldämmenden Eigenschaften. Trockenestrich ist zwar leichter einzubringen, sein Dämmeffekt ist jedoch geringer. In beiden Fällen muss der neue Estrich durch einen umlaufenden Randdämmstreifen von der Wand getrennt werden, um so die Flankenübertragung auszuschließen.

Mehr Masse gegen Lärm

Um die Lärmbelastung über die Decke zu reduzieren wurden früher die Zwischenräume zwischen den Deckenbalken mit Sand, Kies oder Lehm aufgefüllt. Das erhöht die Masse und vermindert den Trittschall. Unter Trittschall versteht man die durch Gehen, Stühlerücken und so weiter verursachten üblichen Wohngeräusche.

Heute nimmt man, hat der Statiker sein Okay gegeben, Lehmziegel oder die leichteren Schüttungen aus Blähton oder Perlite, geblähtem Vulkangestein, die zusätzlich zum Schallschutz auch noch die Wärmedämmung verbessern.

Die gesamten Versorgungsleitungen der Haustechnik innerhalb eines Hauses können Lärm verursachen. Die Geräuschquellen der Haustechnik bekommt man am Besten durch Entkopplung und "Einpacken" in den Griff.

Wo beispielsweise Sanitärrohre Kontakt zur Bausubstanz haben, muss man sie, ist die Belastung zu groß, freilegen und mit einem Dämm-Mantel versehen. Entkoppelt werden gleichfalls Trockenbauwände durch elastische Dämmstreifen im Kontaktbereich zum Boden. Besonders wichtig ist die elastische Befestigung bei der Montage von Lüftungsanlagen. Ebenso werden nicht nur aus Gründen des Wärmeschutzes Wasser- und Heizungsleitungen gut verpackt.

Schallschutz für die Wand

Das Phänomen „räumlicher Resonanzeffekt” besteht darin, dass jede Wand, jede Scheibe in gewissem Grad flexibel ist. Sie wird, treffen Schallwellen in einem bestimmten Winkel auf ihre Oberfläche, dann in Schwingung versetzt, wenn die Frequenz der Wellen ihrer eigenen „Koinzidenz-Frequenz” oder „Biegewelle” entspricht.
Sie wird also vom Schall noch angeregt, anstatt ihn zu absorbieren. Die Fachleute müssen nun darauf achten, dass dieser Resonanzeffekt nicht gerade in einem Frequenzbereich stattfindet, auf den der Mensch empfindlich reagiert: möglichst nicht zwischen 100 und 2.000 Hertz. Bauteile, die darunter liegen, sind „ausreichend biegesteif”, diejenigen, die darüber liegen, nennt man „ausreichend biegeweich”. Im Trockenbau erreicht man Letzteres leichter, indem man Konstruktionen aus Gipsfaser-, Gipskarton- oder anderen Platten und Faserdämmstoffen errichtet.

Schallschutz-Technik ist weiter als die Norm

Die DIN 4109 beschreibt die Schallschutz-Maßnahmen. Die Industrienorm von 1989 ist jedoch veraltet: Nach der DIN liegt die Höchstgrenze für Trittschall bei 53 dB, 43 dB sind aber ohne besonderen Aufwand zu schaffen.
Darauf wies vor Kurzem noch einmal die „Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein e.V.” hin. Sie empfiehlt Bauherren, im Vertrag ausdrücklich „erhöhten Schallschutz” festzuschreiben, der sei mit wirtschaftlich vertretbaren Mitteln heutzutage zu leisten.


Nur sollte man es mit dem Schallschutz auch nicht übertreiben: Denn kommt wirklich gar nichts mehr von draußen rein, wird es nicht mehr schön ruhig, sondern beklemmend still.

Fördermittel

Mit ihrem Programm „Wohnraum modernisieren-Standard” (Nr. 141) unterstützt die KfW Förderbank alle Arten von Maßnahmen zur Modernisierung und Instandsetzung, inklusive Schallschutz-Maßnahmen, durch zinsgünstige Darlehen. Sie können 100 % der förderfähigen Kosten abdecken, maximal aber 100.000 Euro pro Wohneinheit. Den Antrag stellt man über die eigene Hausbank. Infos: www.kfw-foerderbank.de

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