Feuchtigkeit und Schimmel im Haus

Feuchte in der Bausubstanz ist eine ernste Sache. Stahlträger und Betonbewehrung können korrodieren, Schimmelbefall wird begünstigt, der nicht nur eine Gesundheitsbelastung ist. Säurebildende Schimmelpilze können die Bausubstanz angreifen. In Holzbauten wirkt der Echte Hausschwamm zerstörerisch. Als erstes aber bleibt immer die Energieeffizienz auf der Strecke. Denn feuchte Wände dämmen in etwa so gut wie nasse Socken.

Schimmel braucht Wasser

Schimmel braucht Wasser, ideal sind für Schimmel also feuchte  Wandoberflächen. Soll Schimmel verschwinden, muss man Wände trockenlegen. Das kann auch bedeuten, dass man die Außenwände dämmen muss.

Ursache des Schimmels suchen

Entdeckt man Schimmel im Haus, wird schnell zur chlorhaltigen Chemikalien gegriffen. Doch die Sporen und die Stoffwechselprodukte der Pilzkolonien sind bei weitem nicht so gefährlich, wie manche Anbieter von Anti-Schimmel-Sprays behaupten. Es gilt, kühlen Kopf zu bewahren und als erstes festzustellen, woher der Schimmel beziehungsweise die geflechtartigen Myzele und die Fruchtköper (die die Sporen bilden) das Wasser bekommen. Das sie zum Wachsen auf Putz, Tapeten, Holz brauchen. Keine Feuchtigkeit – kein Schimmel, so einfach ist das.

Hohe Luftfeuchtigkeit und Schimmel

In Frage kommen Wasserschäden, ausgelöst etwa durch Rohrbrüche oder defekte Waschmaschinen. Aber auch undichte Stellen im Dach oder im Keller, durch die Regenwasser ins Haus eindringt. Lässt sich jedoch partout kein Leck finden, wird oft das Lüftungsverhalten der Bewohner verantwortlich gemacht. Klingt logisch: Wo Menschen leben, reichern sie die Luft mit Feuchtigkeit an. Wird die nicht abgeführt, schlägt sie sich als Tauwasser an den Wandoberflächen nieder. Folglich, so die klassische Auffassung, muss regelmäßig ausgiebigst gelüftet, muss die Luftfeuchtigkeit niedrig gehalten werden.

Feuchtigkeit und Temperatur spielen eine Rolle

Doch diese Theorie mit der Luftfeuchtigkeit und dem Schimmel greift zu kurz. Erstens benötigt der Mensch aus Gesundheitsgründen eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent. Zweitens haben finnische Forscher herausgefunden, dass der Pilz schon ab Werten von unter 20 Prozent gedeiht, ist die Wand nur kalt genug: das wenige Tauwasser, das sich dann an der Oberfläche bildet, reicht dem „Überlebenskünstler“ Schimmel. Nachhaltige Schimmelbekämpfung besteht also darin, die Innenseiten der Außenwände warm und damit trocken zu halten, und das geht am besten mit einer nachträglichen Außendämmung.

Maßnahmen bei kleinem und großem Schimmelbefall

Hat man die Ursache abgestellt, oder weiß man, wie vorzugehen ist, kann man sich in Ruhe an die Beseitigung des Schimmel-Befalls machen. Ist nur ein kleiner Bereich vom Schimmel betroffen, unter einem halben Quadratmeter, genügt es, die entsprechende Stelle mit Haushaltsreiniger, Isopropylalkohol oder Wasserstoffperoxid zu behandeln. Bei größeren Bereichen, und wenn der Pilz sich in der Bausubstanz festgesetzt hat, sollte man professionelle Schadstoffsanierer beauftragen. Sie entfernen das vom Schimmel befallene Material und entsorgen es fachgerecht.

Gutes Raumklima schützt vor Schimmel

Auf Biozide kann in der Regel verzichtet werden. Sie sind ohnehin kein Garant gegen die Rückkehr des Schimmels, solange das Problem nicht an der Wurzel gepackt wurde. Und die ist nun einmal in erster Line die kalte Wand. Hat man sich aber um einen ordentlichen Wärmeschutz gekümmert, wird es für die Sporen und Myzele ungemütlich. Für die Menschen dafür umso behaglicher.

Literatur und Hilfe

Wiesmüller, Gerhard, u. a., Feuchtigkeit und Schimmelbildung – Erkennen, beseitigen, vorbeugen, hg. von der Verbraucherzentrale, 2016, 240 S., u. a. mit Infos zu den rechtlichen Problemen; zu beziehen über den Buchhandel oder über www.ratgeber-verbraucherzentrale.de; 14,90 €(ggf. zzgl. Versandkosten)

Umweltbundesamt (Hg.), Ratgeber Schimmel im Haus, 2014, 28 S., Download unter: www.umwelt-bundesamt.de/publikationen

BSS – Bundesverband Schimmelpilzsanierung e. V., Adressen von spezialisierten Sanierungsbetrieben: www.bss-schimmelpilz.de

DHBV – Deutscher Holz- und Bautenschutzverband e.V., Adressen von Fachfirmen (Untersuchung, Sanierung, Bautrocknung usw.) und Sachverständigen: www.dhbv.de

VDB – Berufsverband Deutscher Baubiologen e.V., Gesünder-Wohnen-Telefon unter 0 41 83/77 35 301, montags bis donnerstags von 9.00 - 17.00 Uhr, freitags von 9.00 - 15.00 Uhr: www.baubiologie.net

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