Aus Vier werden Zwei

Sonja Pesch hat zusammen mit ihrem Mann ihr Elternhaus kernsaniert. Aus einer vierköpfigen Familie wird ein Zweipersonenhaushalt.

Sie haben die wilden Siebziger modernisiert: Das Haus von Sonja Pesch und ihrem Mann Stefan wurde von ihren Eltern gebaut. 40 Jahre später machte sich das Paar an die Kernsanierung. Dabei sollte das Flair der siebziger Jahre erhalten bleiben. Im Fokus stand allerdings ganz klar die Lebenssituation des Baupaares: „Die Kinder verlassen langsam das Haus und wir haben jetzt für zwei geplant“, erklärt Bauherrin Sonja Pesch. 

Von 1977 bis 2017

Das Haus in der Nähe von Köln wurde 1977 auf einem 400 Quadratmeter großen Grundstück als Doppelhaushälfte in Massivbauweise erstellt. „Aufgrund notwendiger Sanierungsmaßnahmen an Dach, Fenstern und Rohrleitungen haben sich meine Eltern zum Hausverkauf entschieden“, berichtet Sonja Pesch. „Die Idee, das Haus selbst zu übernehmen und zu sanieren, erschien uns im ersten Moment absurd.“ Denn die junge Familie lebte damals lediglich 70 Meter weit entfernt in einem etwa gleich großen Reihenhaus. „Allerdings hatten wir einen deutlich kleineren Garten und die 120 Quadratmeter waren über drei Ebenen verteilt.“

Und so entschied sich das Paar dazu, das Elternhaus zu sanieren – und übernahm sogar die Bauleitung. „Es ist nach einem Dachausbau in fast kompletter Eigenleistung vor 25 Jahren und dem Hausbau durch einen Bauträger unser drittes Bauprojekt“, erzählt Sonja Pesch stolz.

Die Renovierungsarbeiten begannen bereits kurz nach dem Hauskauf im April 2017. Die Bausubstanz des Hauses war sehr gut, der Keller trocken und der Grundriss fast passend. „Trotzdem war in einem 40 Jahre alten Haus natürlich jede Menge zu tun“, so Sonja Pesch rückblickend.

Wie am Schnürchen

Die größte Herausforderung bei der Kernsanierung war die Zeit. „Nach unserer Entscheidung ging alles sehr schnell: Hausverkauf und -kauf, Finanzierung, Handwerker finden, Planung, Koordinierung der Gewerke und die Auswahl für den Innenausbau“, erinnert sich Sonja Pesch und grinst: „Aber der Bauplan meines Gatten hat ziemlich genau hingehauen.“ 

Einige Arbeiten erledigten die Hausbesitzer in Eigenleistung. Für einen Großteil standen ihnen allerdings Profis zur Seite. „Die Kernsanierung von Dach und Fenstern, Malerarbeiten sowie die Neuverlegung aller Wasser- und Stromleitungen hätte uns schlichtweg überfordert“, räumt sie ein.

Ihre Ideen für die Sanierung des neuen Traumhauses konnten sie fast allesamt umsetzen. Besonders wichtig war den Peschs die Küche im Erdgeschoss. „Mein Mann kocht sehr gerne und liebt es, sich dabei mit den Gästen zu unterhalten“, freut sich Sonja Pesch. Deshalb wurde die Wand zur Küche entfernt, damit eine offene Küche entstand. „Bis auf die geschlossene Küche war der Grundriss glücklicherweise bereits sehr offen gestaltet“, erläutert die Hausherrin. Im Erdgeschoss geht außerdem ein kleiner Flur ins offene Wohnzimmer mit Gartenblick über. Außerdem befindet sich hier eine Gästetoilette. 

Im Obergeschoss haben die Bauherren die Wand zwischen den beiden ehemaligen Kinderzimmern herausgebrochen und so ein großes Schlaf- und Arbeitszimmer geschaffen. „Wir wollten lieber einen großzügigen Raum als ein kleines Schlaf- und Arbeitszimmer“, so Sonja Pesch. 

  • Im Obergeschoss haben die Bauherren die Wand zwischen den beiden ehemaligen Kinderzimmern herausgebrochen. So entstand ein großes Schlaf- und Arbeitszimmer. Foto: Sonja Pesch
  • Vom großen Schlaf- und Arbeitszimmer im Obergeschoss hat man einen hervorragenden Blick in den Garten. Foto: Sonja Pesch
  • Das helle Wohnzimmer mit Blick in den Garten lädt zu entspannten Filmabenden ein. Foto: Sonja Pesch

Hoch hinaus

Das Besondere der Zimmer im oberen Stockwerk ist die Raumhöhe. Denn die Dachschräge beginnt erst ab einer Höhe von 2,10 Metern. Neben einem großen Badezimmer findet sich im Obergeschoss zudem das Zimmer von Sohn David – Duschbad inklusive. Der 18-jährige Schüler wohnt momentan noch bei den Eltern. „Im Flur haben wir eine Wand mit Türe gesetzt, um den Bereich des Sohnes abzutrennen“, erklärt Soja Pesch.

Die 23-jährige Tochter Lara ist fürs Chemiestudium bereits ausgezogen und nur an den Wochenenden zu Besuch. Im Keller ist ein großes Studio untergebracht. „So nannte man das in den 70ern“, meint Sonja Pesch. Hier wohnt die Tochter, wenn sie zu Hause ist. Auch sie verfügt über ein eigenes Duschbad. Dafür wurde eine Waschküche umfunktioniert. 

Bei der Kernsanierung dachten die Peschs langfristig. Die Zimmer der beiden Kinder können später als Gäste- oder Arbeitszimmer genutzt werden. „Wir haben so saniert, dass wir die nächsten 20 Jahre Ruhe haben“, betont Sonja Pesch. Deshalb ließen sie auch das Dach neu decken sowie Fenster und Haustür neu einbauen. Darüber hinaus haben sie alle Bäder saniert, nachträglich eine Fußbodenheizung eingebaut und die Elektrik erneuert. „Nur die Ölheizung haben wir noch“, sagt Sonja Pesch. „Wir werden aber zu gegebener Zeit auf eine andere Heizungsart umstellen.“

  • Von der Terrasse aus hat man einen schönen Blick in den grünen Garten. Foto: Sonja Pesch
  • Die Outdoor-Küche liegt Sonja Pesch und ihrem Mann besonders am Herzen: Er kocht gerne leidenschaftlich – sie sieht ihm gerne dabei zu. Foto: Sonja Pesch
  • Der Außenbereich lag der Familie besonders am Herzen, da alle vier Familienmitglieder gerne Zeit im Freien verbringen. Foto: Sonja Pesch

Outdoor-Fans

Besonderen Wert legte die Familie als selbsterklärte „Draußis“ auf die Gestaltung von Terrasse und Garten. Und so wurde im Außenbereich eine Outdoor-Küche geplant, in der viel mehr Platz ist als in der alten im vorherigen Haus. Sogar ein Teich wurde angelegt – hier kann sich Familienhund Nera austoben. 

Das Herzstück des sanierten Hauses ist aber die beiden Küchen im Innen- und Außenbereich. „Ich liebe es, drinnen an der Theke zu sitzen, meinem Mann beim Kochen zuzusehen, zu essen und beim Wein zu quasseln. Ähnlich ist es draußen“, strahlt Sonja Pesch.

Bei der Inneneinrichtung hatte die 51-Jährige den Hut auf. Inspiration fand sie in sozialen Netzwerken. „Viele Ideen und Lösungen habe ich bei Pinterest und Instagram gefunden.“ Die Einrichtung sei ein Mix aus Klassikern, Lieblingsstücken und skandinavischem Design. Vor allem das Konzept „Strak“ hat es der Hobby-Innenarchitektin angetan. Demnach wirken die Räume wie aus einem Guss. „Die Böden sind aus Fliesen in Betonoptik und in den Schlafräumen wurde graues Laminat verlegt. „Und die Hölzer sind den alten Mahagoni Treppenstufen in rötlichen Tönen angepasst“, so Sonja Pesch. 

Stilfrage

Der Stil unseres Hauses ist „strak“. Das kommt aus dem Niederländischen und bedeutet stramm, fest. Eine holländische Freundin von Sonja Pesch brachte ihr das Konzept vor 16 Jahren nähert. „Strak“ steht für Geradlinigkeit und Ruhe, die Farben und Baustoffe sind aufeinander abgestimmt. Der Mix ist reduziert und aufgeräumt. Foto: Sonja Pesch

Nach nur fünf Monaten konnte die Familie in das fertige Haus einziehen. Aktuell entsteht im Keller ein Gästezimmer mit einer Fitnessecke, in erster Linie für die Tochter. Später soll daraus eine Medienecke für den Mann werden. „Eine weitere schöne Einrichtungsherausforderung für mich“, freut sich Sonja Pesch.

Tipps für andere Häuslebauer


„Planung ist alles – sowohl bei den Bedürfnissen, Gewerken, Finanzen und der Einrichtung. Zeit und Sorgfalt, die man investiert, zahlen sich aus. Und falls mal etwas schiefläuft – und das tut es eigentlich immer – Ruhe bewahren und nüchtern eine Lösung finden. Manchmal ist die dann sogar besser als der Ursprungsplan!“ www.instagram.com/ajnos.67 

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