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Anbau für Platzgewinn

Ein Anbau ist häufig nicht nur die letzte Rettung gegen Platzmangel, er kann zudem auch die Wohngesundheit und Lebensqualität steigern. Immer vorausgesetzt, das Baurecht lässt eine Erweiterung zu, bieten sich viele Optionen.

Die Gründe, sein Haus mal eben um eine Nummer zu vergrößern, sind vielfältig. Beim einen Bauherrn wächst die Familie und die Kinderzimmer werden knapp. Der andere will freiberuflich tätig sein und braucht ein Home Office oder sogar Büroräume, in denen er Kunden empfangen kann.

Der dritte verfügt über Kapital, mit dem er seine Ansprüche an zeitgemäßes oder auch repräsentatives Wohnen verwirklichen will. Der vierte schließlich hat vielleicht eine Gebrauchtimmobilie gekauft, die noch den Wohnstandards der vorletzten Generation entspricht. Sie soll, bevor man einzieht, den individuellen Bedürfnissen angepasst werden.

Bebauungsplan beachten

Freistehende Häuser auf einem großen Grundstück haben meist Luft für eine Erweiterung. Wie viel, zeigt ein Blick in den Bebauungsplan. Für jedes Grundstück gibt es ein Baufenster und Baulinien, innerhalb derer gebaut werden darf, sowie Grenzabstände zum Nachbargrundstück, die eingehalten werden müssen.

Maßgeblich ist darüber hinaus die Fläche, die maximal überbaut werden darf. Sie wird durch die Grundflächenzahl (GRZ) festgelegt. Doch damit nicht genug. Wohnfläche, Trauf- und Firsthöhe, Anzahl der Stockwerke und sogar Dachformen unterliegen festgesetzten Vorgaben. So kann es sein, dass beispielsweise der Plan vom Anbau an der Südseite des Gebäudes gar nicht verwirklicht werden kann, wenn dort die Baulinie bereits ausgereizt ist.

In dem Fall ist Flexibilität gefragt sowie ein kreativer Architekt. Er kann nach sinnvollen Alternativen suchen, um die Erweiterung mit neuen Ideen an anderer Stelle oder in einer anderen Form umzusetzen. Mit seiner Hilfe lässt sich zudem das Baurechtsamt leichter überzeugen, für eine unumgängliche Überschreitung eine Ausnahmegenehmigung, eine sogenannte Befreiung, zu erteilen.

Jeder Quadratmeter zählt

Bei Doppelhaushälften oder Reihenhäusern ist die Ausgangslage noch schwieriger als bei Einzelhäusern. Anbauten sind, wenn überhaupt, nur in ganz kleinen Dimensionen möglich. Umso wichtiger ist eine geschickte Planung, die trotz des engen Rahmens Entlastung für die übrigen Wohnräume bringt.

Oft reicht schon ein nach außen verlagertes Treppenhaus oder ein Windfang, um das Mehr an Fläche zu schaffen, das neue, bedarfsgerechtere Raumzuschnitte ermöglicht. Oder ein Erker löst das Problem des zu kleinen Essplatzes und sorgt für Bewegungsfreiheit sowie zusätzlichen Lichteinfall.

Interessant ist auch die Variante Wintergarten. Wenn er statt in die Fläche in die Höhe wächst erzielen selbst wenige Quadratmeter einen erstaunlichen Effekt. Denn Glasfronten, die sich vom Erdgeschoss bis unters Dach ziehen machen enge Räume weit und transportieren jeden Sonnenstrahl tief ins Hausinnere.

Auch das bloße Andocken eines weiteren Raumes ist relativ leicht zu bewerkstelligen. Sofern er nicht unterkellert, sondern nur auf eine Bodenplatte gesetzt wird, hält sich der Aufwand sehr in Grenzen. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel schnell und preisgünstig ein zusätzliches Arbeitszimmer verwirklichen.

Gesamtplanung für alt und neu

Wenn Grundstück und Budget es zulassen, kann mit Hilfe des Anbaus eine komplette Gebäudeseite verlängert oder verbreitert werden. Daraus ergeben sich jedoch meist tiefgreifende Auswirkungen auf den Bestand. Häufig sind Grundrissänderungen notwendig, um die neu gewonnenen Flächen in eine sinnvolle Raumabfolge zu integrieren.

Ein Anbau, der als eigenständiger Gebäudekomplex entsteht, ist einfacher zu bewerkstelligen. Im alten Teil kann man zu kleine Zimmer einfach zusammengelegen, indem man Wände entfernt. Damit werden sie heutigen Wohnansprüchen gerecht. Weitere Räume finden im „Neubau“ Platz, der idealerweise mit eigener Infrastruktur wie Bad oder Teeküche versehen wird.

So können kompakte Einheiten entstehen in Form von hier Wohnen und Leben, dort Schlafen und Arbeiten. Oder, etwas unkonventioneller, hier Eltern, dort Kinder. Egal, wie der Anbau genutzt wird, die Verbindung zwischen den beiden Teilen sollte vorausschauend autark gestaltet werden.

Werden beide Gebäudeteile von der Familie bewohnt, bietet es sich an, in der Mitte Gemeinschaftsräume unterzubringen wie zum Beispiel den Wohnbereich oder ein Medienzimmer. Sobald der Nachwuchs flügge wird, kann im Erdgeschoss ein Eingangsbereich entstehen, der getrennte Zugänge zu Anbau und Hauptwohnung erschließt.

Dadurch ergeben sich vielfältige Optionen für die Zukunft. Der Anbau kann zur Einliegerwohnung werden, die vermietet wird, oder – für Selbständige interessant – zur in sich abgeschlossenen Büroeinheit.

Harmonie mit oder ohne Fuge

Manches Mal ordnen sich Anbauten dem Ursprungsgebäude komplett unter und sind nach einer Fassadensanierung nicht mehr als solche wahrnehmbar. Andere entpuppen sich als echte Hingucker, wenn sie mit ganz eigener Qualität, Formensprache und auch Fassadengestaltung die Spannung zwischen Alt und Neu bewusst wiedergeben.

Als Kunstgriff dient häufig eine Art Fuge zwischen den Bauteilen, die die Trennung nach außen dokumentiert. Dieser Zwischenraum kann so weit verbreitert werden, dass er die bereits erwähnten Gemeinschaftsräume, den Eingangsbereich oder auch ein Treppenhaus aufnehmen kann.

Neues an Vorhandenes

Gelungen ist ein Anbau immer dann, wenn das Neue das Vorhandene würdigt, sei es harmonisch angleichend oder im kontrapunktischen Gegensatz. Solange der Bestand nicht erdrückt wird, spricht nichts dagegen, dem Neuen ein eigenes Gesicht zu geben. Das hat durchaus seinen Reiz.

Selbst kleine Siedlungshäuschen stellen nach einer Erweiterung so manchen Neubau in der Nachbarschaft architektonisch in den Schatten. Sie bieten ihren Bewohnern Wohngenuss pur: gewonnene Fläche, die den Charme des Gewachsenen in sich trägt.

Auch energetisch aufrüsten

Neben den optischen Fragen spielt die bautechnische Seite eine wichtige Rolle. Zum einen muss die Statik stimmen und mancher Durchbruch durch einen Unterzug abgestützt werden. Zum anderen ist die sorgfältige Ausführung des Übergangs zwischen Alt und Neu ohne Wärmebrücken oberstes Gebot. Wird hier gepfuscht, sind Wärmeverluste und spätere Bauschäden vorprogrammiert.

Im Hinblick auf Fragen der Energieeffizienz kann es sich zudem anbieten, im Zusammenhang mit dem Anbau den Altbau gleich mit zu sanieren. Soll beispielsweise das ganze Ensemble neu verputzt werden, lohnt es sich, das alte Mauerwerk mit einem Wärmedämmverbundsystem zu versehen, gegebenenfalls das Dach zu dämmen und die Fenster zu tauschen.

Ähnliches gilt für die Heizung. Wenn ein veraltetes Heizsystem für die Erweiterung modernisiert werden muss, sollte der Bauherr die Gelegenheit ergreifen, entweder ganz auf neue Energieträger umzustellen oder die Nutzung regenerativer Energien zu integrieren. So kann der Anbau mit einer Solaranlage oder einer Photovoltaikanlage ausgestattet werden

Anbau für mehr Wohnraum

Das kleine Haus bietet märchenhaften Charme. Und funktionierte jahrelang als Single-Haushalt perfekt. Doch als sich Ebba verliebte und Nils mit einzog, wurde es ein bisschen zu eng. Ein außergewöhnlicher Anbau löste alle Probleme des Paares.

Moderner Gegensatz

Zugegebenermaßen sind 86 Quadratmeter Wohnfläche nicht so wenig, aber das Paar wünschte sich doch mehr Bewegungsfläche und Freiheiten. Der ortsansässige Architekt Karl-Heinz Gödde entwarf den Anbau bewusst als Kontrast: eingeschossig, mit viel Glas, ein Flachdach, horizontale Fichtenlattung und vor allem eine geschwungene Wand und der Verzicht auf rechte Winkel. Der Anbau erweckt den Eindruck als würde er schweben, weil die Bodenplatte auf dem Hanggrundstück auf der Höhe des Bestandsgebäudes liegt.

Alt und Neu werden hier mit einer Art gläsernen Fuge verbunden. Das Glasteil dient als Eingang und Essbereich zugleich. Der über 60 m2 große Neubau verfügt auf der Südseite über eine breite Fensterfront, die viel Tageslicht in die neu geschaffenen Räume holt. Gleichzeitig bietet sich den Bewohnern ein ungehinderter Blick in den schönen, eingewachsenen Garten.

Im Anbau wurden nun Schlafzimmer, Bad und Homeoffice des Bauherrn untergebracht. Küche und Wohnzimmer verblieben im Erdgeschoss des Bestandsgebäudes, eine Treppe höher dann ein Badezimmer, die Sauna und das Büro der Hausherrin. 

*Namen von der Redaktion geändert

Abriss und Erneuerung eines Anbaus

Ein unbeschreiblich freies Wohngefühl hat sich Familie Eberhardt geschaffen: Der gläserne Anbau aus den 70er-Jahren musste weichen – und die Fassade gleich dazu. Jetzt gibt es einen luftigen Wohn-Essbereich, der zum Garten hin völlig offen ist. Ein tolles Projekt mit einem geradezu abenteuerlichen Umbau.

Ursprünglich sollte lediglich der rund 50 Jahre alte Glasanbau ersetzt werden. Er entsprach einfach nicht mehr den heutigen Anforderungen und Möglichkeiten – vor allem im Hinblick auf die Dämmung und Dichtigkeit. „Trotz der Bodenheizung war der Raum im Winter nicht wirklich nutzbar. Das hat uns gestört, es fehlte uns ein Teil der Wohnfläche“, sagt der Bauherr. 

Doch statt dessen entstand der Gedanke, gleich die ganze Wohnzimmerfassade komplett zum Garten hin zu öffnen, eine Zwischenwand zu entfernen und das Wohn- und Esszimmer um eine zweite Decke mit einem vielseitigen, intelligenten Licht- und Soundsystem auszustatten.

Der umfangreiche Um- und Anbau wuchs so zu einem anspruchsvollen Projekt heran, das „uns anfangs vor allem im Hinblick auf die Statik etwas Kopfzerbrechen bereitete“, wie Architekt Brüning einräumt. Schließlich war das Gebäude aus den 1960er Jahren statisch nicht auf einen rund 70 Quadratmeter großen Wohnbereich mitsamt umfangreicher Licht- und Soundtechnik sowie kubischem Anbau vorbereitet.

Ein Wohnbereich, der weitgehend ohne Stützelemente auskommen und zudem die Sicht auf den herrlichen Garten auf voller Breite preisgeben sollte. Und auch das Bauamt stellte Bedingungen: 70 Prozent des neuen Anbaus mussten aus Glas sein.

Glas-Faltwände öffnen den Anbau

Mithilfe dreier großer Glas-Faltwände von Solarlux hat sich die vormals eher geschlossene Fassade in ein mediterranes Panorama verwandelt: Zwei Glas-Faltwände öffnen den vorgelagerten Anbau zum Garten und zur Terrasse hin, während die dritte die Wohnzimmerfront frei gibt. Insgesamt decken sie eine Fläche von rund 16 Metern ab. Geöffnet stehen sie unauffällig und kompakt an der Seite.

Zudem verfügen sie über eine sehr gute Wärmedämmung und einen zertifizierten Einbruchschutz nach RC2. „Ein weiterer wichtiger Grund, weswegen wir den alten Glasanbau ersetzen wollten“, sagt Thomas Eberhardt nachdenklich. Der Anbau hat sich gelohnt. Von vorne betrachtet eher unspektakulär, ist das umgebaute Eigenheim von Familie Eberhardt von der Gartenseite her einmalig schön.

Anbau Beispiele

Stadtvilla mit Anbau

Im Zuge der Sanierung der alten Stadtvilla wurde auch ein kleiner Vorbau entfernt, der die Treppe zum Keller schützte. Dort entstand ein moderner Anbau. Die Fassade des Anbaus wurde mit sibirischer Lärche verkleidet. Im Inneren befindet sich das Schlafzimmer, dass dank einer Grundrissänderung halb im Anbau und halb im Altbestand liegt. 

Große, bodentiefe Fenster lassen viel Lichteinfall zu und durch die Fenstertüren gelangen die Bewohner bequem auf die hölzerne Terrasse. 

Anbau mit Schieferfassade

Da die Besitzer des Hauses Nachwuchs erwarteten, sollte die Küche vergrößert werden. Deshalb bekam der weiße Klinkerbau mit klassischem Ziegeldach einen Anbau – aus Beton gegossen und mit Schieferplatten verkleidet.

Der Küchenpavillon wurde vor Ort in eine aufwendig gefertigte Schalung gegossen. Als die Schalung abgenommen war, schaute  an einer der Schrägen ein Stück der stählernen Bewehrung hervor. Zuerst ein Schock, dann kam der Betonkosmetiker und hat restauriert. Das ist gut gelungen. Eine eingerückte Glasfuge bildet das Verbindungsstück zwischen dem Anbau und dem Bestand.

Flachdachanbau

Das in den 1970er Jahren errichtete Wohnhaus mit Satteldach und westseitigem Quergiebel erfüllte für die Eigentümer insgesamt seinen Zweck, jedoch fehlte ihnen vor allem Großzügigkeit und Helligkeit.

Der Entwurf des beauftragten Hamburger Architekt Matthias Mecklenburg schuf hierfür perfekte Abhilfe: Da auf der südseitigen, parkähnlichen Gartenseite viel Platz zur Verfügung stand und eine Erweiterung problemlos genehmigt werden konnte, wurde hier ein etwa 50 Quadratmeter großer, eingeschossiger Anbau ergänzt. Die Fassade wurde großflächig verglast, kann aber bei Bedarf jederzeit mittels Holzschiebeläden geschlossen werden.

Der in Ziegelmauerwerk mit südseitigen Stahlstützen errichtete Anbau wurde außen gedämmt und erhielt, soweit nicht verglast, eine Fassade aus hellgrauen Faserzementplatten, die sich farblich schön zum grau-weißen Farbkonzept des Hauses fügen.

Hier lesen Sie alles rund um das Thema Anbau:

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