Wenn aus zwei Wohnungen eine wird, steht zwar die doppelte Fläche zur Verfügung, damit aber auch eine harmonische Einheit entsteht, bedarf es professioneller Planung.

Umbau-Beispiel: Vom Drei- zum Zweifamilienhaus

Das 1936 errichtete Mehrfamilienhaus mit drei Wohneinheiten steht in Ludwigsburg, einer Stadt nördlich von Stuttgart, deren Bebauung großteils aus den 40er- bis 50er-Jahren stammt. Das Wohnhaus erhielt in den 80ger-Jahren einen seitlichen Anbau im Erdgeschoss. Zwei Schleppgauben sorgten für zusätzlichen Lichteinfall im zweiten Obergeschoss, das Dachgeschoss diente als Speicherraum. Vor den Maßnahmen, Anfang 2011, erwies sich das mit Tondachziegeln gedeckte und ungedämmte Dach als stark sanierungsbedürftig. Der Hausbesitzer selbst bewohnt das Erdgeschoss. Die beiden oberen Stockwerke waren bis vor zwei Jahren vermietet, im Rahmen einer Erbregelung gingen sie dann an den Sohn des Hausbesitzers über. Dieser entschied sich, nach entsprechenden Umbaumaßnahmen, selbst wieder in sein Elternhaus einzuziehen.

Aus zwei mach eins

Der Bauherr und seine Frau wollten die beiden separat als Wohnung genutzten Etagen zu einer einheitlichen Wohnung zusammenführen. Der Dachgeschoss-Speicher sollte zu einem Gästebereich umgebaut werden. Dass dieses Unterfangen nicht ohne professionelle Hilfe zu bewerkstelligen sein würde, war dem jungen Paar klar. Daher nahm es von Anfang an die beiden befreundeten Architekten Jan Escher und Daniel Schilling mit ins Boot, die dieses Bauvorhaben zunächst nebenberuflich betreut haben.
Ein Problem bei der Zusammenlegung von zwei übereinander liegenden Wohnungen liegt in der Erschließung. In der Regel ist ein separates Treppenhaus vorhanden, aber für die Wohnung wird eine interne Verbindung benötigt. Eine besondere handwerkliche Herausforderung war der Umbau der 3/4-gewendelten Treppe, die ursprünglich die Wohnungen durch ein für alle Parteien des Hauses zugäng-
liches Treppenhaus erschlossen hat.

Das zweite Problem bildete die Schaffung einer harmonischen Einheit auf 160 Quadratmetern. Die Herausforderung für die Planer bestand darin, eine neue zusammenhängende Einheit zu schaffen sowie die Räume bezüglich ihrer Funktion und Nutzung neu zu organisieren. In einem ersten Schritt sollten dafür fast alle alten Zwischenwände im ersten Obergeschoss entfernt werden und durch Unterzüge, Überzüge, Stützen und Wandträger ersetzt werden. Zweitens schlugen die Architekten einen Luftraum vor, wo sich früher im zweiten Obergeschoss eine Art Nähzimmer befand. Durch diese Maßnahme gingen zwar einige Quadratmeter Wohnfläche verloren, dafür entstand ein Plus an Helligkeit und Großzügigkeit. Die Bauherren reagierten zunächst zögerlich auf die Idee, ließen sich aber letztlich überzeugen und sind heute sehr glücklich mit der Lösung.

Der Bauherr und seine Frau wünschten sich klare, puristische Wohnräume. Weiße Wände und ein edler Holzdielenboden prägen den Eindruck. Auf der Westseite erhielt der Essbereich ein größeres Fenster mit französischem Balkon. Kinderzimmer gehörten von Anfang an zur Raumplanung. Während der Planungsphase kam das erste Kind, mit dem Einzug das zweite

Umbaumaßnahmen

Im Zuge der Umbaumaßnahmen wurde auch die Gebäudehülle energetisch
saniert. Dies umfasst ein Wärmedämm-Verbundsystem an der Fassade, neue Fenster, eine Aufsparrendämmung im Dachbereich, die Installation einer Fotovoltaik- anlage sowie ein neuer Pufferspeicher.
Das Dach erhielt eine neue Eindeckung, die alte Schleppgaube wurde durch eine neue Flachdachgaube ersetzt. Letzteres schaffte im neu entstandenen Badezimmer mehr Kopffreiheit, auch im Dusch-bereich. Der Einbau einer bodengleichen Dusche im Altbau gilt als anspruchsvoll. Ablauf, Abdichtung und Gefälle sind kritische Bereiche. Generell benötigt man einen massiven Untergrund, daher ließen die Architekten hier zwischen die Holzbalken der Decke Zement eingießen. Dieser Aufwand bedeutete Mehrkosten, die die Bauherren zur Erfüllung ihrer Wünsche aber mittrugen.
Zuletzt erhielt dann noch der Anbau einen dunkleren Anstrich als das Haupthaus, weil er sich mehr zurücknehmen sollte. Die Grundform des Hauses sollte sich wieder deutlicher von dem in den 80er-Jahren ergänzten Anbauten absetzen.

Vorbereitungen

Nach den Vorgaben der Architekten übernahmen der Bauherr und sein Vater einen Großteil der Abbrucharbeiten in Eigenleistung. Erst nach den Abbrucharbeiten sollte die Bausubstanz detailliert betrachtet werden. Dabei stellte sich heraus, dass beispielsweise nicht alle Wände in Holzfachwerk ausgeführt, sondern teilweise auch mit Bimsstein gemauert waren. Parallel zu den Abbrucharbeiten begannen die Architekten mit der Werkplanung und der Ausschreibung. So konnten „Überraschungen“ für die folgenden Gewerke vermieden werden. Architekt Escher ist sich sicher, dass diese Vorgehensweise den Planern und Bauherren viel Ärger erspart hat, weil teure Nachträge vermieden wurden. Die Bewerber konnten sich vor Ort ein Bild der Lage machen und hatten damit für ihr Angebot größtmögliche Transparenz.

Ausschreibungs-Marathon

Dass der geplante Kostenrahmen nicht ganz eingehalten werden konnte, hatte letztendlich einen ganz anderen Grund: Im Jahr 2010 herrschte Hochbetrieb in der Baubranche. So zeigten von etlichen  angefragten Zimmereien nur sechs Interesse, wovon nur zwei schließlich ein prüffähiges Angebot abgaben. Ein ortsansässiger Zimmereibetrieb mit guten Referenzen erhielt am Ende den Zuschlag. Trotz dieser außergewöhnlichen Marktsituation konnte der Umbau termingerecht fertiggestellt werden.
Die Architekten schrieben jedes Gewerk einzeln aus, was ihnen mehr Einflussnahme und Handlungsspielraum bei diesem großen und komplexen Projekt erlaubte. Die Planer übernahmen auch die Bauleitung, besuchten mindestens jeden zweiten Tag die Baustelle, in der Hochphase jeden Tag und trafen sich am Abend noch mit den Bauherren. Für eine Zusammenarbeit mit einem Generalunternehmer entscheidet sich Architekt Escher nur dann, wenn es sich um ein einfaches Projekt in größerer Entfernung handelt.

In der 160 Quadratmeter großen neuen Wohnung enstand im ersten Obergeschoss ein offen gestaltetes Wohnzimmer mit Zugang zu einer Bibliothek, einer offenen Küche und einem Gäste-WC im Eingangsbereich. Um einen Großteil an fließenden Räumen und Tageslichtdurchflutung zu gewährleisten, mussten Wände weichen, deren Tragwirkung durch darüberliegende Wandträger sowie Unter-
züge ersetzt wurden. Das Wohnzimmer erhielt einen mittig angeordneten Luftraum, der eine räumliche Verbindung zu der darüberliegenden Galerie im zweiten Obergeschoss herstellt, durch den Kinder-, Elternschlafzimmer und Bad erschlossen sind. Das Dachgeschoss wurde zu einem Gästezimmer mit eigenem Bad ausgebaut. Für den Innenausbau wurden sehr hochwertige Materialien eingesetzt wie massive Eichen-Dielen als Bodenbelag und edle Fliesen in den Bädern. Das Haus erhielt einen Medienverteiler zur Einbindung der Zimmer in ein integriertes Netzwerk.

Architekten

Den vorgestellten Umbau betreute Jan Escher in Teamarbeit mit Daniel Schilling. Dieses erste gemeinsame Projekt der beiden jungen Architekten erwies sich als so erfolgreich, das sie 2011 zusammen ein eigenes Architekturbüro gründeten. Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt auf dem Umbau und der Sanierung privater Wohnhäuser.

S C H I L L I N G + E S C H E R  ARCHITEKTEN,
Schlosserstraße 17a, 70180 Stuttgart, Tel.: 07 11/59 60 06 22,
Mobil: 01 63/2 89 86 68, E-Mail: info@schillingescher.de, Internet: www.schillingescher.de

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