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Von Loft und Liebe: Wohnen im Autohaus

Ein ganz besonderes Bestandsgebäude: In einem ehemaligen Autohaus entstand ein modernes Loft.

Das einstige Reifenlager im Untergeschoss, das heute als Garagenstellplatz dient, erinnert noch an die Ursprünge. Über dem ehemaligen Autohaus ihres Vaters erfüllten sich Mareike Wauz und ihr Freund Julian Breiterschmied im Schwarzwald in der Nähe von Stuttgart den Traum eines eigenen Lofts.

Traumhaus: Loft im Autohaus

Die junge Bauherrin kennt jeden Winkel. Denn hier verbrachte sie ihre Kindheit. Barfuß huschte sie durch die Autowerkstatt und spielte mit ihren Puppen.

Schon damals war sie von den Räumlichkeiten fasziniert. „Auf Zeitungspapier zeichnete ich gerne auf, was man alles daraus machen könnte“, erzählt die 24-Jährige.

Ab 2002 führten ihre Eltern den Betrieb an einem anderen Standort weiter und in dem Gebäude wurde ein Dorfladen eröffnet. Später beschloss der Vater dann, drei Wohnungen daraus zu machen. Doch die umtriebige Tochter hatte andere Pläne.

Für die Umsetzung ihrer Vorstellungen wurde der befreundete Architekt Arnold Lipp, der bereits die vorherigen Bauabschnitte des Autohauses begleitet hatte, hinzugezogen.

Umbaudaten:

Baujahr: 1984-1997 in mehreren Bauabschnitten
Baustoff: Porenbeton, Zwischenwände in Holzständerbauweise
Dach: Trapezblech
Fassade: Putz
Wohnfläche: 260 m2

Sichtbare Erinnerungen

Die leerstehenden Räumlichkeiten auf dem familieneigenen Grundstück boten den jungen Bauherren eine riesige Spielwiese. Wichtig war ihnen, den Charakter der alten Werkstatt zu erhalten.

„Wir wollten nichts abreißen, sondern mit den gegebenen Bedingungen arbeiten", betont Mareike Wauz. Und so sind alle Stahlträger des Autohauses immer noch sichtbar. Auch die Grundmauern sind aus altem Bestand. „Lediglich für die Fenster mussten ein paar Zwischenwände hochgezogen werden“, erklärt die junge Bauherrin.

Und so wurden dreifach verglaste Fenster eingesetzt, die Innen- und Außendämmung modernisiert und das Dach erneuert. Zudem stellten die Bauherren von einer Öl- auf eine Gasheizung um.

Grundriss und Raumaufteilung

Damit in einigen Jahren nicht wieder gebaut werden muss, wurden auch schon zwei Kinderzimmer eingeplant.

Raumaufteilung:

  • 2 Kinderzimmer
  • 2 Badezimmer (Kinderbad, Elternbad), Gäste-WC
  • 2 Abstellkammern
  • Büro
  • Schlafzimmer
  • Loggia
  • Küche, Esszimmer, Wohnzimmer, Flur – ein großer Raum
     

In der ehemaligen Ausstellungshalle, in der einst die Autos präsentiert wurden, mussten die großen Fenster ausgetauscht werden. „Wir fühlten uns bereits beim Ausräumen wie Fische im Aquarium“, erinnert sich Mareike Wauz.

Hier sollte zunächst der Wohnbereich entstehen. Astrid-Sibylle Tober gab wichtigen Input für die Raumaufteilung.

Tipps von Profis

Die Expertin eliminierte einige Wände. Zudem positionierte sie zentrale Möbel wie Bett, Sofa und Co. in den Entwürfen. Dadurch erhielten die Bauherren ein Gefühl für die Dimensionen. „Ihr Plan war mein ständiger Begleiter bei sämtlichen Terminen“, meint Mareike Wauz.

Zweieinhalb Jahre dauerte der Umbau. Zwischendurch lagen auch mal die Nerven blank. Was war die größte Herausforderung? „Die verschiedenen Generationen“, kommt es von Mareike Wauz wie aus der Pistole geschossen.

Unterschiedliche Ansichten und Geschmäcker prallten aufeinander. Sie selbst sei teilweise etwas voreilig gewesen, räumt Mareike Wauz ein: „Ich habe das Loft in Gedanken schon eingerichtet, obwohl wir noch weit von der Fertigstellung entfernt waren.“ 

Die junge Bauherrin hatte genaue Vorstellungen, die technische Umsetzung war allerdings nicht immer realistisch. Ihr Vater und ihr Freund holten sie jeweils auf den Boden der Tatsachen zurück. 

Vorkenntnisse in Sachen Umbau hatte die Wirtschaftsfachwirtin nicht. Ihr Freund Julian, ein gelernter Schreiner, verfügte zumindest über Basiswissen.

Das Paar packte mit an. Mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Väter vollbrachten die beiden Bauherren fast 60 Prozent der Arbeiten in Eigenleistung. "Es ist vielleicht nicht alles perfekt, aber mit kleinen Makeln können wir sehr gut leben. Dafür stecken extrem viel Zeit, Schweiß und Herzblut in unserem Traumhaus", strahlt Mareike Wauz.  

Unter anderem überließen sie Fliesen- und Malerarbeiten sowie die Verlegung der Fußbodenbeläge den Profis.

 

Esszimmer in einem Loft
Der große Holztisch lädt zu geselligen Spieleabenden ein. Foto: Andrea Nuding
Küche mit Theke und Barstühlen in einem Loft.
In der Küche kochen Mareike Schmid und ihr Freund Julian gerne gemeinsam für Freunde. Foto: Andrea Nuding
Esstisch aus Holz mit Blick zur Terrasse.
Wie könnten wir den Innenhof umgestalten? In der Loggia heckt Mareike Schmid gerne neue Ideen aus. Foto: Andrea Nuding

Nach und nach wurde aus dem ab 1984 erbauten Autohaus, zu dem auch eine Werkstatt, ein Karosseriearbeitsplatz, eine Waschhalle sowie eine Ausstellungshalle gehörten, ein Loft mit 260 Quadratmetern Wohnfläche auf einer Geschossebene.

Wie Mareike Wauz und Julian Beiterschmied ihr Loft einrichteten, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Smarte Technik

Großzügig und familientauglich sollte das neue Domizil sein – und technisch auf dem neuesten Stand. Das moderne Loft ist mit Smart Home-Technik ausgestattet. „Da sich die Technologie rasch weiterentwickelt, war uns die Möglichkeit einer einfachen Nachrüstung besonders wichtig“, erklärt Mareike Wauz.

Über ein zentrales Tablet in der Küche wird die Hausautomation gesteuert – vom Sonnenschutz über die Alarmanlage bis hin zur Waschmaschine und den Küchengeräten.   

Herzstück des Lofts ist der großzügige und offen gestaltete Wohn-, Koch- und Essbereich. In ihrer ersten eigenen Küche tobt sich Mareike Wauz gerne beim Backen und Kochen aus. "Endlich kann ich mich in der Küche ausbreiten und ausprobieren." 

Dabei werden Erinnerungen wach: Denn an der Stelle der Küche befanden sich früher die Hebebühnen der Autowerkstatt. „Hier habe ich manchmal in den Autos geschlafen, wenn daran herumgeschraubt wurde“, so die junge Hausbesitzerin.

Viele weitere Möbelstücke erinnern an die Ursprünge des Lofts:

  • Der Putzschrank in der Küche der ehemalige Umkleidespint der Mitarbeiter.
  • Der einstige Werkstattwagen der Mitarbeiter dient heute als Kaffeebar.

Throwback-Einzelstücke

Mit viel Liebe zum Detail haben die jungen Loft-Bewohner verschiedene Einzelstücke restauriert. Ein Transportwagen wurde zur Bar, eine alte Werkbank aus dem Schwarzwald zum Couchtisch.

Ihren Einrichtungsstil beschreibt Mareike Wauz als „loftig-luftig“. Die Hauptfarbtöne sind Grau, Braun, Silber, Metallic und Gold. Für die Außenfassade entschieden sich die jungen Hausbesitzer für eine dezente Farbe.

„Auch die Nachbarn sind mit der Farbauswahl sehr zufrieden“, schmunzelt Mareike Wauz, der die Meinung der Nachbarschaft aufgrund der Lage des Hauses mitten im Ortskern wichtig war.

Ein klassisches Einfamilienhaus in einem Neubaugebiet wäre für Mareike Wauz nicht infrage gekommen. „Schließlich kann man auch aus einer Bestandsimmobilie etwas ganz Eigenes zaubern“, ist die heutige Loft-Besitzerin überzeugt.

Blick ins Badezimmer

Modernes Badezimmer in einem Loft.
Eyecatcher im Bad: Der Waschtisch wurde aus alten Metallwerkbänken gefertigt. Foto: Andrea Nuding
Modernes Badezimmer in einem Loft.
Im modernen Badezimmer geben die Farben Weiß, Schwarz und Gold den Ton an. Foto: Andrea Nuding
Modernes Badezimmer in einem Loft.
Holzelemente sorgen für ein behagliches Ambiente im Badezimmer. Foto: Andrea Nuding

Dass hier einst Autos repariert und verkauft wurden, ist heute nicht mehr zu erkennen.

Dank der liebevollen Details erinnert sich Mareike Wauz oft an ihre Kindheit – wenn sie nicht gerade an die Umsetzung ihrer nächsten Ideen denkt. „Sobald es das Sparschwein zulässt, möchten wir den Hof neu gestalten und uns unseren Traum vom Ofen erfüllen“, so die junge Loftbesitzerin. 

Tipps für andere "Häuslebauer"

Sucht Euch Profis – auch in Eurem sozialen Umfeld! Experten, die Erfahrung mit Handwerksarbeiten haben, die beraten und Mut machen, sind Gold wert. Holt Euch am besten immer mehrere Angebote ein, um einen Vergleich zu haben. Und: Lasst Euch Zeit, sammelt Ideen und achtet auf Eure Bedürfnisse. Checklisten, Moodboards und ein Bautagebuch können dabei helfen. Eine wichtige Inspirationsquelle waren für mich Pinterest und Instagram. Und der Austausch mit anderen Bauherren ist sehr hilfreich. Ein Haus ist keine Gartenlaube. Fehler kosten Geld – Lehrgeld gehört dazu.  

Noch mehr Eindrücke aus dem Loft gibt es unter www.instagram.com/living_in_ the_garage.

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