Skip to main content

Dachterrasse – Rückzug nach oben

Eine Dachterrasse ist ein kleines Stück Luxus zu Hause. Doch bei der Konstruktion muss einiges beachtet werden.

Ein Einfamilienhaus mit Garten – das ist der Traum vieler Familien. Doch was ist, wenn der Platz für einen Garten nicht reicht? Meist fällt die Wahl dann auf einen Balkon. Doch ein Balkon ist oft zu klein, um eine Sitzecke, einen Esstisch mit Stühlen oder Sonnenliegen zu platzieren. Als Alternative bietet sich eine geräumige Dachterrasse an.

Dachterrassen sind mehr als eine Alternative zu Balkon oder Terrasse. Sie ergänzen ein Haus ideal, da sie mehr Privatsphäre als ebenerdige Terrassen bieten. Dabei können auf einer Outdoor-Fläche ganz oben sogar Grünflächenoder kleine Dachgärten angelegt werden.

Eine Dachterrasse mit Blick in den eigenen Garten bietet weitere Vorteile: Während man sich oben zurückzieht, kann man beispielsweise trotzdem ein Auge auf die Kinder werfen, wenn diese im Garten spielen. 

Darüber hinaus bietet ein solch hoch gelegener Freisitz mit Sitzecke größeren Kindern die Möglichkei, draußen Hausaufgaben zu machen oder zu lernen, da es dort deutlich ruhiger zugeht als im Garten. Für Jugendliche bietet die Terrasse im Dachgeschoss ebenfalls einen angenehmen Rückzugsort für gemütliche Abende mit Freunden.

Im Gegensatz zu einem schmalen Balkon, der oft nicht einmal einer Gartenliege genug Platz bietet, hat eine Terrasse auf dem Dach wahren Wohnwert. Falls es mehrere Wohnungen auf verschiedenen Ebenen gibt, ist auch die Verwirklichung von mehreren solcher Terrassen möglich. 

Wir haben mit drei Experten über den Bau einer Dachterrasse gesprochen:

  • Manfred Hölz, Konstruktionsleiter bei SchwörerHaus
  • Holger Freitag, Vertrauensanwalt des Verbands Privater Bauherren (VPB)
  • Architekt und VPB-Bauherrenberater Tilo Blumenbach

Dachterrasse bietet Privatsphäre

Abgesehen von solch praktischen Aspekten eines stressfreien Familienlebens lassen sich die Abendstunden auf der Dachterrasse mit einem weiten Blick genießen. Meist strahlt die Terrasse abends noch ein bisschen mehr Wärme ab, da hier nicht, wie auf der unteren Ebene, der Erdboden schnell abkühlt. 

Tipp: Tiny House mit Dachgarten

In Langenhagen steht das Musterhaus Green Living Space von SchwörerHaus. Es ist ein Minihaus, das über eine geräumige Dachterrasse mit Gartenhäuschen und Bepflanzung verfügt. Lesen Sie alle Infos über das Tiny House in unserem Beitrag Tiny House mit Dachgarten

Außerdem bietet eine Dachterrasse eine größere Privatsphäre, da sie nicht einsehbar ist. Das ist nicht nur in eng besiedelten Stadtgebieten, sondern auch auf dem Land von Vorteil, wenn etwa der Garten nicht mit hohen, sonnenschluckenden Bäumen rundum bepflanzt werden soll.

Und noch ein guter Grund für die Dachterrasse: Sie haben beispielsweise einen Südgarten, möchten aber gerne die Morgensonne oder den Sonnenuntergang ebenfalls genießen, obwohl das Grundstück keine Terrasse in dieser Himmelsrichtung zulässt. Es gibt viele Möglichkeiten, ein Haus so zu planen, dass dieser „Extra-Lieblingsplatz“ ganz oben mit dabei sein kann.

Rechtliche Aspekte

Beim Bau einer Dachterrasse gibt es einiges zu beachten. Wichtig sind insbesondere baurechtliche Vorschriften, denn eine Dachterrasse wird rechtlich wie Wohnraum behandelt.

Das heißt konkret, dass Grenzabstände und andere Abstandsregelungen eingehalten werden müssen. Wer also mit einer Dachterrasse auf der Garage liebäugelt, kann eventuell nicht die gesamte Dachfläche nutzen, falls die Garage zu nah am Nachbargrundstück steht.

Hinzu kommen Regelungen der Absturzsicherung. Deshalb müssen je nach Gegebenheiten Geländer oder Brüstungsmauern angebracht werden.

Holger Freitag, Vertrauensanwalt des Verbands Privater Bauherren, erklärt außerdem: „Manche Gemeinden geben in ihren Bebauungsplänen hinderliche Details wie Dachformen vor und dann kann der Traum von der Dachterrasse schnell vorbei sein." Bei vergrößernden Umbauten muss unter Umständen die bebaubare Fläche auf dem Grundstück eingehalten werden – und das zulässige Höchstmaß der baulichen Nutzung sowieso.

Auch wo kein Bebauungsplan existiert, muss sich ein Neubau im Innenbereich nach § 34 BauGB in die Umgebungsbebauung einfügen. "Vor allem die Bauherren, die als erste eine Dachterrasse errichten möchte, haben bisweilen Probleme, diese beim Bauamt genehmigt zu bekommen", meint der Experte. "Denn bei Fällen mit Präzedenzcharakter agieren diese oft sehr vorsichtig."

Im Außenbereich § 35 BauGB ist grundsätzlich Wohnbebauung nicht möglich und wer dort auf Grund von Bestandsschutz ein Wohnhaus nutzen darf, muss vorab klären, ob die Umgestaltung diesen Bestandsschutz nicht womöglich sogar aufhebt. All diese Fragen sind mit dem Bauamt abzusprechen.

"Wer ganz sicher gehen will, stellt dann noch einen Antrag auf Bauvorbescheid", empfiehlt Holger Freitag. "Dieser kostet zwar Gebühren, klärt aber bestimmte Fragen wie eben hier die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit der konkret geplanten Dachterrasse verbindlich."

Rechtsanwalt Freitag weist auch darauf hin, dass durch einen späteren Umbau eine Änderungsgenehmigung erforderlich werden kann. Wichtig sei es auch, dass keine Brandschutzvorschriften plötzlich zum Problem werden, weil etwa ein ursprünglich vorhandener zweiter Rettungsweg verbaut würde und Abstandsflächen bei vergrößerndem Umbau nicht unterschritten werden.

So eine kleine Dachterrasse kann also rechtlich einige Auswirkungen haben. Hier unterstützen die Bauherrenberater

Statik der Dachterrasse

Die Statik spielt eine zentrale Rolle beim Bau einer Dachterrasse, erklärt Konstruktionsleiter Manfred Hölz, denn die Anforderungen sind deutlich höher als bei einem einfachen Flachdach und sogar höher als bei Wohnraum.

  • Bei Wohnraum muss der Boden eine Nutz-/Verkehrslast von 150 kg pro m2aushalten.
  • Bei einer Dachterrasse hingegen erhöht diese sich auf 400kg pro m2

Dieser Wert ist teilweise historisch gewachsen, da der Balkon früher häufig als Lagerplatz für Kohle zum Heizen diente, wodurch schnell hohe Lasten entstanden.

Doch auch heutzutage ist diese hohe Verkehrslast sinnvoll. Denn bei Veranstaltungen, z.B. Festzügen oder Paraden, tummeln sich oft viele Anwohner mit Freunden und Familie auf einem kleinen Balkon, um am regen Treiben teilzuhaben. Dabei wird die Last von 150 kg pro m2 oft deutlich überschritten.

Tipp: Die zulässige Verkehrslast erhöhen

Wer einen Pool oder Dachgarten realisieren möchte, sorgt durch eine geschickte Grundrissplanung für eine höhere Verkehrslast. Liegen unter dem Flachdach mehrere Räume, fungieren deren Wände wie Stützen. Dadurch lässt sich die Verkehrslast leichter erhöhen.

Wer sich zudem einen Pool oder Whirlpool auf der Dachterrasse oder einen Dachgarten wünscht, muss zusätzliche Lasten einplanen. Neben dem Eigengewicht des Pools muss auch die Last des Wassers berücksichtigt werden. Bei Beeten verhält es sich ähnlich.

Ein höherer baulicher Aufwand durch höhere statische Anforderungen ist immer auch mit höheren Kosten verbunden. Deshalb sollte man vorab planen, an welchen Stellen Beete oder Blumenkübel realisiert werden sollen, und nur punktuell verstärken. In diesem Fall ist es besonders wichtig, dass die Verstärkungen bei einem Verkauf an die neuen Besitzer weitergegeben werden, um zu verhindern, dass die Lasten später falsch verteilt werden.

Warum ist die Verkehrslast für Dachterrassen so hoch angesetzt?

Die hohe Verkehrslast von 400kg/m2 bei Dachterrassen und Balkonen hat verschiedene Gründe. Zum einen ist sie historisch gewachsen, da Balkone früher häufig zur Lagerung von Kohle zum Heizen genutzt wurden und diese sehr schwer ist.

Zum anderen ist die hohe Verkehrslast auch heute noch sinnvoll, da die Nutzung anders ist als in Wohnräumen. Beispielsweise werden Balkone bei Festzügen oder anderen Veranstaltungen gerne von Anwohnern genutzt, um das Treiben ungestört zu beobachten. Dabei drängen sich häufig viele Freunde und Familienmitglieder eng auf kleinem Raum.

Zudem werden im Außenbereich oft schwerere Gegenstände aufgestellt. Einige Beispiele verdeutlichen das: 

  • Bei einem großen Grillfest könnten entsprechend der Verkehrslast rund 20 Getränkekisten auf einem Quadratmeter gestapelt werden.
  • Ein großer Kugelgrill wiegt rund 100kg und oftmals stehen gleich mehrere Menschen eng um ihn herum. 
  • Wer Kinder hat, der kann entsprechend der Verkehrslast einen 1m x 1m großen Sandkasten 20cm hoch mit Sand befüllen
  • oder ein genauso großes Planschbecken rund 40cm hoch mit Wasser.

Dachaufbau: Wasserdichtes und begehbares Flachdach

Manfred Hölz von SchwörerHaus erklärt, dass das Flachdach unter der Dachterrasse unterschiedlich aufgebaut werden kann. Ein klassisches Flachdach verfügt über eine Abdichtung, auf der Kies zur Windsogsicherung aufgebracht wird. Wen das optische Erscheinungsbild von Kies stört, entscheidet sich für eine mechanische Befestigung z.B. mittels Tellerdübeln. Diese ist jedoch mit höherem Aufwand zur Abdichtung und damit auch höheren Kosten verbunden.

Da ein einfaches Flachdach nur zu Wartungsarbeiten betreten werden muss, reicht eine Verkehrslast von 100kg pro m2 aus. Je nach Region muss die Last erhöht werden, wenn beispielsweise höhere Schneelasten zu erwarten sind, da das Dach sonst einstürzen könnte. Bei einer Dachterrasse erhöht sich die nötige Verkehrslast auf das normative Minimum von 400kg pro m2 zuzüglich besonderer Lasten (z.B. Pool, Dachgarten, etc.). 

Auf das Flachdach wird dann entweder Kies aufgebracht, durch den Kanäle zur Entwässerung verlaufen oder man arbeitet mit Stelzlagern, zwischen denen das Wasser ungehindert ablaufen kann. Der Bodenbelag wird anschließend je nach System auf Kies oder auf den Stelzlagern angebracht.

Tipps vom Architekten

Zu den bautechnischen Aspekten einer Dachterrasse erklärt Architekt und VPB-Bauherrenberater Tilo Blumenbach aus Hannover: "Das A und O bei Dachterrassen ist die Abdichtungsebene. Sie muss sorgsam geplant werden, was leider häufig nicht geschieht. Wichtig ist vor allem, dass ein ausreichendes Gefälle vorgesehen wird."

Dass sich im Bereich von Nahtüberlappungen der Abdichtungsbahnen bereichsweise mal ein paar Tropfen Wasser stauen, ist in der Praxis kaum zu vermeiden. Aber eine nennenswerte Pfützenbildung sollte es nicht geben. Eine große Bedeutung haben die Anschlüsse und Durchdringungen der Dichtungsebene.

Durchdringungen sollten, wenn irgend möglich, vermieden werden. "Bei Brüstungselementen ist das zum Bespiel erreichbar, wenn sie nicht von oben her durch die Dichtungsbahn hindurch fixiert werden, sondern von vorne, also mittels horizontaler Befestigung an der unterhalb liegenden Fassade", so der Architekt.

Ist eine Durchdringung unumgänglich, kann die Abdichtungsebene in diesem Bereich mit einer sogenannten Los-Festflanschverbindung so zusammengepresst werden, dass sie dicht geschlossen ist. "Das erfordert aber hohen Planungsaufwand und eine äußerst sorgsame Umsetzung", betont Tilo Blumenbach.

Abläufe, die die Abdichtung durchdringen, sollten für die regelmäßige Reinigung zugänglich und am besten auch einsehbar bleiben. Denn hier sammelt sich im Laufe der Zeit einiges an. Aus Laub und Moos bilden sich dann Barrieren, die den direkten Ablauf des Wassers behindern können. So staut es sich und sucht sich anderswo seinen Weg.

Auch die Schwellenhöhe an der Terrassentür ist ein wichtiger Aspekt und sorgsam zu planen. Verständlich, dass sich hier die Bauherren meist einen schwellenlosen Übergang zwischen Innen und Außen wünschen. "Die Abdichtungsregeln verlangen aber aus guten Gründen eine Aufkantung der Abdichtung auch unterhalb von Türen", erklärt der Architekt. "Deren Höhe kann dann reduziert werden, wenn unmittelbar vor der Tür ein Entwässerungsrinne vorgesehen wird. Ganz wegfallen sollte die Aufkantung aber nicht."

Ist das aus Gründen der Barrierefreiheit gewünscht, so müssen zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, die die Beanspruchung der Schwellenzone reduzieren. Dies kann z.B. durch Überdachung geschehen – leider wird das fast immer vergessen.

Werden solche Überlegungen vernachlässigt und dringt infolgedessen Wasser in den Fußbodenaufbau des Innenraums ein, so kann das zu ganz erheblichen Schäden führen, erläutert VPB-Bauherrenberater Blumenbach.

Dämmung, Gefälle und Entwässerung

Die Dämmung bei einer Dachterrasse unterscheidet sich von einer einfachen Flachdachdämmung. Das liegt insbesondere an der Entwässerung und an der Frage, ob sich die Dachterrasse über Wohnraum oder z.B. einer kalten Garage befindet. Damit das Wasser abfließen kann, ist ein Gefälle nötig, das in der Regel durch die Dachdämmung konstruiert wird.

Wird eine Dachterrasse über Wohnraum realisiert,  bringt man zuerst eine Grunddämmung von mindestens 8-12 cm Dicke auf. Anschließend kommt die Gefälledämmung (Dämmkeil), die am niedrigsten Punkt mindestens 2 cm dick ist und mit einem Gefälle von 2 Prozent dicker wird. Im Mittel sollte man ca. 12-16 cm Dämmung haben. Um zu vermeiden, dass der Dämmkeil an der hohen Seite zu dick wird, wird die Dämmung in der Regel (ähnlich wie ein Satteldach) von der Mitte hin nach außen aufgebracht.

Meistens wird für die Dämmung Polystyrol genutzt, da dieser ausreichend trittfest ist. Auch Dämmstoffe aus Polyurethan sind möglich, jedoch teurer, spart aber infolge des besseren Wärmeleitwertes an Dämmstärke ein. Eine Dämmung mit Mineralwolle ist als Grunddämmung zwar möglich, aber aufgrund geringerer Trittfestigkeit wenig sinnvoll. Ein Dämmkeil lässt sich aus Mineralwolle nicht schneiden.

Beim energetischen Nachweis sollten Bauherren unbedingt Wärmebrücken beachten, die aufgrund der unterschiedlichen Dicke der Dämmung durch das Gefälle unvermeidbar sind.

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Flachdachdämmung ist der sogenannte Taupunkt. Bei einer Raumtemperatur von 20 Grad und einer relativen Luftfeuchte von 50 Prozent liegt die kritische Oberflächentemperatur von Außenbauteilen bei 12,6 Grad Oberflächentemperatur. Ab dieser Temperatur schlägt sich Wasser nieder und es kann sich Schimmel bilden.

Da es jedoch auch mal zu niedrigeren Raumtemperaturen oder höherer Luftfeuchtigkeit kommen kann, sollte man bei der Planung eine Reserve einplanen, sodass diese Oberflächentemperatur bei ca. 14-15 Grad liegt. Am besten besprechen Sie die Dachdämmung mit einem Energieberater.

Terrassentür und Dachausstieg

Je nach baulicher Begebenheit kommt entweder eine Terrassentür oder ein Dachausstieg für die Dachterrasse in Frage. Meist lässt sich die Dachterrasse über eine Terrassentür erreichen. Was einfach und logisch klingt, muss jedoch gut geplant sein, schließlich müssen das äußere Erscheinungsbild des Hauses und der Komfort berücksichtigt werden.

Plant man eine durchgängige Geschossdecke und verlegt anschließend in den Innenräumen den normalen Estrich plus Bodenbelag und außen die Dämmung des Dachterrassenaufbaus, liegt die Dachterrasse wahrscheinlich rund ein bis zwei Treppenstufen höher als die Innenräume. Der Aufbau der Dachterrasse ist schlichtweg höher als der Bodenaufbau in Innenräumen. Draußen werden an der Hauswand zusätzlich 8-10 cm für die Aufkantung der Abdichtung sowie gegebenenfalls eine Spritzschutzrinne benötigt.

Folglich lässt sich die Ausgangstür nicht bodentief zum Innenraum montieren. Sofern die Geschosshöhe (inkl. fest verbaute Verschattung) sowie die baurechtlichen Vorschriften es zulassen, könnte man einfach die Terrassentür höher montieren und im Inneren ein oder zwei Treppenstufen verbauen. Darunter leidet jedoch nicht nur der Komfort, sondern auch die Optik der Fassade, da ein Fenster dann deutlich höher verbaut ist als alle anderen. Um dies zu vermeiden, könnte man alle Fenster der Hausseite höher einbauen. Dennoch entsteht bei einer seitlichen Ansicht ein „Fehler“ in der Optik.

Alternativ kann die Decke im Erdgeschoss unter der Dachterrasse so weit abgesenkt werden, dass später der Dachaufbau sowie der Bodenaufbau im Innenraum auf gleicher Höhe abschließen und ein ebenerdiger Austritt möglich ist. Bei dieser Methode verliert man jedoch im Erdgeschoss an Raumhöhe.

Die dritte Option liegt im Einbau einer Zwischendecke (auch Blindboden genannt). Dieser hat die Funktion, die Decke in den Innenräumen so weit anzuheben, dass Dachterrasse und Innenräume später auf einer Höhe liegen. Dabei geht keinerlei Raumhöhe im Erdgeschoss verloren. Natürlich ist diese Option mit mehr Aufwand, Material und somit auch Kosten verbunden.

In allen Fällen müssen unbedingt alle baurechtlichen Vorschriften beachtet werden.

Was kostet eine Dachterrasse?

Pauschal lässt sich keine Aussage über die Kosten einer Dachterrasse machen, doch es gibt einige Faktoren, an denen man sich orientieren kann. Grundsätzlich ist eine kleine Dachterrasse günstiger als eine große und eine Nachrüstung aufwendiger und teurer als der Einbau beim Neubau.

Folgende Aspekte sollten Sie in die Berechnung einbeziehen:

  • Planungskosten, Baugenehmigung, Bearbeitungsgebühren
  • ggf. Zwischendecke
  • Statik (Unterschiede zwischen Neubau und Renovierung)
  • Aufbau und Abdichtung des Flachdachs (mechanische Befestigung vs. Kies)
  • Dachdämmung (Grunddämmung plus Dämmkegel)
  • Entwässerungssystem (Kies mit Kanälen vs. Stelzlager)
  • Terrassen-/Dachausstieg
  • Bodenbelag (gewünschtes Material entsprechend den benötigten Quadratmetern)
  • Absturzsicherung (Geländer/Brüstungsmauer)
  • Sonnenschutz
  • ggf. Pool, Whirlpool, Bepflanzung, etc.

Allein bei der Wahl des Geländers zeigen sich starke Kostenunterschiede. Je nach Material und Ausführung muss man mit 300 Euro bis 800 Euro pro Meter Geländer rechnen. Bei einer kleinen Dachterrasse (z.B. eine 2 m x 3 m große Nische) mit nur einer offenen Seite kommt man so mit 900 Euro bis 2.400 Euro hin. Bei einer Dachterrasse auf einer Doppelgarage (z.B. 3 m x 6 m) mit Geländer an drei Seiten summieren sich die Kosten bereits auf 3.600 Euro bis 9.600 Euro nur für die Absturzsicherung. Ähnlich verhält es sich mit dem Flachdach, der Dämmung, dem Bodenbelag und Co.

Darüber hinaus gibt es regional teilweise große Unterschiede. Am Beispiel Kies lässt sich dies verdeutlichen. In einigen Regionen Deutschlands ist Kies leicht verfügbar, in anderen wiederum müssen weite Strecken bis zum nächsten Kieswerk zurückgelegt werden. Der Transport lässt den Kiespreis stark ansteigen. Foto: Kebony/ Sean O'Rourke Photography

Welcher Bodenbelag für die Dachterrasse?

Früher wurden Dachterrassen häufig mit keramischen Fliesen, die fest mit dem Untergrund verbunden wurden, gedeckt. Heutzutage raten Experten davon ab, da ein Bodenbelag im Freien großen Temperaturschwankungen ausgesetzt ist und die Materialien sich aufgrund der Verklebung sehr begrenzt ausdehnen und zusammenziehen können. Folgen wie Unebenheiten, Risse und gar ein sich ablösender Belag waren typische Schadensbilder, berichtet Konstruktionsleiter Manfred Hölz.

Holzdielen sind eine Alternative. Jedoch muss hierbei beachtet werden, dass der Belag auch bei Verwendung von robusten Holzarten wie Lärche oder Douglasie nach rund zehn Jahren ausgetauscht werden muss.

Um eine möglichst lange Lebensdauer zu erreichen, ist Luftaustausch nötig. So kann das Holz abtrocknen. Beispielsweise müssen die Rillen, die der Rutschfestigkeit und folglich der Sicherheit der Bewohner dienen, trocknen können. Zwischen den einzelnen Dielen sollten zudem Abstände von rund 5 mm eingehalten werden und auch die Unterkonstruktion sollte eine Belüftung der Holzunterseite ermöglichen.  

Eine Alternative zu Holz sind WPC-Dielen, ein Verbundwerkstoff aus Holz und Kunststoff. Die Dielen müssen verschraubt werden, was punktuell eine Ausdehnung verhindert. An allen anderen Stellen sind sogenannte „Gleitlagerungshalter“ anzuordnen. So kann sich das Material ausdehnen und wieder zusammenziehen. Trotzdem kann die Folge ein unsauberes Fugenbild sein. Außerdem ist das Material deutlich teurer als Holz.

Eine weitere Option sind Terrassenplatten, die auf Stelzlagern verlegt werden. Aufgrund der Stelzlager ist keine Verschraubung nötig, sodass die Materialien sich ausdehnen können und keinerlei Probleme entstehen. Außerdem ist die Entwässerung zwischen den Stelzlagern einfach und effektiv.

Welcher Sonnenschutz für die Dachterrasse?

Bei einer kleinen Dachterrasse lässt sich der Sonnenschutz am einfachsten mit einer Markise umsetzen. Diese wird an der Hauswand montiert und kann bei Bedarf ausgefahren werden. Ist die Dachterrasse jedoch größer dimensioniert, kommen meistens Markisen mit Schienensystem und Punktstützen zum Einsatz.

Diese Punktstützen müssen am Boden – sprich dem Flachdach – verschraubt werden. Dadurch würde die Abdichtung beschädigt werden, wodurch gravierende Schäden an der Bausubstanz entstehen können. Eine Verschraubung ist nur unter Einbeziehung eines Dachdeckers, der für die fachmännische Abdichtung sorgt, möglich.

Dachterrasse nachträglich bauen

Der nachträgliche Bau einer Dachterrasse ist grundsätzlich kompliziert und aufwendig, weshalb es sinnvoll ist, sie möglichst direkt beim Hausbau einzuplanen. Die Problematik liegt hauptsächlich in der Statik. Die gesetzliche Verkehrslast von Dachterrassen liegt bei 400kg pro m2. Herkömmliche Flachdächer haben meist eine deutlich geringere Verkehrslast (teils nur 100kg/m2). Ähnlich verhält es sich auch bei Dacheinschnitten im Steildach. 

Jegliche Lasten müssen über die darunterliegenden Bauteile des Gebäudes (z.B. Wände, Decken, Stützen, etc.) entsprechend des statischen Systems bis in den Boden abgeleitet werden. Unabdingbar ist deshalb die Einbeziehung eines Tragwerksplaners, um zu prüfen und gegebenenfalls zu berechnen ob und wie eine statische Verbesserung möglich ist.

Außerdem müssen die Vorschriften der jeweiligen Landesbauordnung (diese variiert von Bundesland zu Bundesland) eingehalten und ein Bauantrag gestellt werden. Abhängig vom Bundesland und der Gebäudeklasse ist eine bautechnische Prüfung notwendig.

Weitere Themen: 

Hier geht's zurück zur Startseite

News Bauteile

Schwarze Dachziegel von Erlus

Dachziegel halten meist viele Jahre. Doch was, wenn einzelne Ziegel ersetzt werden müssen?

Glatthaar Keller

Glatthaar Keller wurde erneut für seine Kompetenz in Sachen Fertigkellerbau ausgezeichnet.

Luftentfeuchter in einem Wohnkeller

Machen Sie mehr aus Ihrem Keller: Ein Luftentfeuchter sorgt für ein angenehmes Raumklima.