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Radon: Unsichtbare Gefahr beim Bauen und Wohnen

Schutz, Risiken & Maßnahmen

Radon ist ein geruchloses, farb‑ und geschmackloses radioaktives Edelgas. Es kann aus dem Boden in Gebäude eindringen. Dort kann es sich in der Raumluft anreichern, vor allem in Kellern und Erdgeschossen. Radon gilt als eine der Hauptursachen für Lungenkrebs nach dem Rauchen und wird daher gesetzlich reguliert.

Hier erfahren Sie, wie Sie Ihr Zuhause effektiv vor Radon schützen, Neubauten sicher planen und Ihre Familie vor gesundheitlichen Risiken bewahren.

Was ist Radon?

Radon entsteht beim natürlichen Zerfall von Uran und anderen radioaktiven Stoffen im Boden. Da es ein Edelgas ist, kann es relativ leicht durch kleinste Risse, Fugen oder ungeschützte Rohrdurchführungen ins Gebäude gelangen und sich in der Innenluft anreichern.

Gesundheitliche Bedeutung von Radon

  • Radon kann tief in die Lunge eindringen und dort radioaktive Zerfallsprodukte ablagern.
  • Langfristige Exposition erhöht das Risiko für Lungenkrebs, insbesondere bei Rauchern.

Baubiologe Günter Beierke, Roth-Massivhaus, erklärt:

“Radon ist ein in Böden, Gestein und Wasser natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas, das beim Zerfall von Uran entsteht. Es ist bekannt und nachgewiesen, dass eine höhere Konzentration von Radon in der Atemluft das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, deutlich erhöht. In der Außenluft ist das kein Problem, jedoch kann es in Wohngebäuden, vor allem in Kellerräumen, zu gesundheitsgefährdenden Konzentrationen kommen.” 

Gesetzlicher Rahmen in Deutschland

In Deutschland regelt das Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) und die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) den Schutz vor Radon.

Wichtige Eckpunkte:

  • Der Referenzwert für Radon in Aufenthaltsräumen und Arbeitsplätzen liegt bei 300 Bq/m³ (Jahresmittelwert).
  • Neubauten müssen so geplant werden, dass Eindringen von Radon verhindert oder erheblich erschwert wird.
  • In Radonvorsorgegebieten gelten zusätzliche Anforderungen für Neubauten und Messpflichten an Arbeitsplätzen im Erd‑ und Kellergeschoss.
  • Für private Wohnräume besteht keine Messpflicht, jedoch eine starke Empfehlung, Radon zu messen und gegebenenfalls Schutzmaßnahmen umzusetzen.

Radon im Neubau: Schutzmaßnahmen

1. Radonschutz von Anfang an planen

Der effektivste Schutz gegen Radon ist, ihn bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen.

Maßnahmen, die sich bewährt haben:

  • Gasdichte Bodenplatte
  • Radonsperrfolien / Abdichtungen unter der Bodenplatte
  • Abdichten aller Durchdringungen, Fugen und Anschlüsse zum Erdreich
  • Unterdruck‑Radonabsaugung bzw. kontrollierte Entlüftungssysteme, wenn nötig

Wenn diese Schutzschichten schon beim Bau integriert sind, ist der Aufwand deutlich geringer und günstiger als spätere Sanierungen.

2. Feuchteschutz = Radonschutz

Oft reicht eine gute Feuchtigkeitsschutz‑Schicht nach anerkannten Regeln der Technik bereits aus, um auch Radon effektiv am Eindringen zu hindern.

3. Zusatzmaßnahmen in Vorsorgegebieten

In ausgewiesenen Radonvorsorgegebieten können folgende zusätzliche Maßnahmen erforderlich sein:

  • radonarme Drainagen unter der Bodenplatte
  • aktive Radonabsaugung unter dem Fundament
  • gezielte Luftdruck‑Regelung zwischen Gebäudeinnerem und Erdreich

Bestehende Gebäude & Radonschutz

Auch bei Bestandsgebäuden kann Radonschutz nachgerüstet werden:

  • Messung über mindestens 3‑12 Monate zur Ermittlung des Jahresmittelwerts
  • Intensives Stoßlüften, um Radon in der Raumluft zu senken
  • Abdichten von Rissen und Fugen im Bodenbereich
  • Installation von Lüftungsanlagen oder Radonabsaugungssystemen bei dauerhaft hohen Werten

Achtung: Die Radonkonzentration kann im Winter deutlich steigen, wenn weniger gelüftet wird.

Risikoanalyse: Wo tritt Radon häufig auf?

Radon‑Vorkommen hängen stark von der regionalen Geologie ab. Besonders betroffen sind oft bergige Gebiete oder Regionen mit granitreichem Gestein. 

In Deutschland gelten Teile folgender Regionen als radonbelastet: Erzgebirge, Bayerischer Wald, Schwarzwald, Süddeutschland generell. (Karten dazu bietet das Bundesamt für Strahlenschutz.)

Praktische Tipps für Baufamilien

  • Bodengutachten einholen – inkl. Radon‑Potenzialanalyse
  • Schutzmaßnahmen bereits in der Ausschreibung & Planung verankern
  • Radonmessung in der Bauphase und nach Fertigstellung durchführen
  • Bei Fertigkellern sicherstellen, dass sie gasdicht eingebaut sind

So funktioniert die Radon-Messung

Das Bundesamt für Strahlenschutz stellt Adressen von geprüften Anbietern für Radon-Detektoren bereit, die die Geräte per Post verschicken. Die Detektoren werden an verschiedenen Stellen in der Wohnung aufgestellt. Nach drei bis zwölf Monaten werden sie zurückgeschickt, ausgewertet und die Ergebnisse dem Nutzer mitgeteilt.

Neben dieser Langzeitmessung mit passiven Detektoren gibt es auch Kurzzeitmessungen mit aktiven, elektronischen Geräten. Diese messen nur für wenige Minuten bis Tage und zeigen die Radon-Werte direkt auf einem Display an. Sie liefern lediglich eine Momentaufnahme der Radon-Konzentration und eignen sich daher nicht für verlässliche Aussagen über die langfristige Belastung.

Kurzzeitmessungen sind jedoch ideal, um:

  • einen ersten Überblick über die Radon-Konzentration im Gebäude zu bekommen („Screening“),
  • Eindringstellen von Radon im Gebäude zu identifizieren („Sniffing“).

FAQ: Schnelle Antworten zu Radon

Radon ist ein natürlich vorkommendes, radioaktives Edelgas, das aus dem Boden in Gebäude eindringen kann.

Ja – langfristige Radon‑Exposition gilt als ein bedeutender Risikofaktor für Lungenkrebs.

Schwerpunkt ist der Keller und Erdgeschoss, wo Radon über Fundamentrisse, Fugen und Rohrdurchführungen eindringen kann.

In Deutschland gelten 300 Bq/m³ Jahresmittelwert als Referenz; die WHO empfiehlt 100 Bq/m³ als Richtwert.

Für private Wohnräume ist es empfohlen, aber nicht verpflichtend. In Arbeitsräumen im Erd‑ oder Kellergeschoss gelten Messpflichten.

Regelmäßiges Lüften, Abdichten von Eintrittswegen und bauliche Radonschutzmaßnahmen je nach Bauweise.

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