Elektro-Installation erneuern

Die Anforderungen an die Elektroinstallation sind höher geworden, zugleich möchte man sich vor Elektrosmog geschützt wissen. Eine moderne Installation bringt das unter einen Hut, ist sicher und ausbaufähig – wenn sie vom Fachmann stammt.

Gefahrenquelle veraltete Elektro-Installation

Über Komfort kann man ebenso gut streiten wie über Geschmack, doch nur bis zu einem gewissen Punkt. Einem Mieter einer Berliner Altbauwohnung, der keine zwei Elektrogeräte gleichzeitig benutzen konnte, ohne dass die Sicherung rausflog, der im Bad keine einzige Steckdose zur Verfügung hatte, gestand die Justiz Rechtsanspruch auf Nachbesserung zu (Aktenzeichen: VIII ZR 281/03 vom 26. Juli 2004). Was zu wenig ist, ist zu wenig. Von Komforteinbußen einmal ganz abgesehen können veraltete Elektroinstallationen darüber hinaus zur Gefahrenquelle werden. Es ist daher ratsam, sie prüfen und gegebenenfalls gründlich überholen, wenn nicht komplett erneuern zu lassen.

Sicherheit kommt bei der Elektro-Installation zuerst

Gefahr droht von mehreren Seiten – Betrieb defekter Geräte, Blitzschlag oder schlicht Überlastung. Viele Alt-Installationen verfügen beispielsweise nur über zweiadrige Leitungen, ohne Erde, das heißt ohne Verbindung zum Potenzialausgleich. Wird die falsche Ader unterbrochen, steht ein gerade angeschlossenes Gerät unter Spannung. Sind die Drahtquerschnitte zu dünn, während die neu angeschafften Verbraucher reichlich Strom ziehen, erwärmen sich die Leitungen, was auf Dauer die Isolierung mürbe macht. Im Extremfall kommt es zum Kabelbrand. Erst seit 1973 sind dreiadrige zwingend vorgeschrieben. (Der blaue Neutral-Leiter war früher grau, die Erde rot anstatt gelb-grün.) Vereinzelt trifft man sogar noch auf mit Textilien isolierte Leitungen aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Schmelzsicherungen zum Schutz vor Überstrom sind nicht mehr üblich. Stattdessen erlauben LSSchalter (Leitungsschutz-Schalter) die sofortige Probe, ob die Ursache eines Kurzschlusses beseitigt ist. Fehler beim Ersetzen der durchgebrannten Sicherungen sind damit ebenso kein Thema mehr.

Eine wichtige Neuerung, erst seit den 1960ern verfügbar, ist der Fehlerstrom-Schutzschalter (FI-Schutzschalter), der den betreffenden Stromkreis augenblicklich unterbricht, wenn ein Mensch mit schadhaften Teilen in Berührung kommt. Im Badezimmer und im Außenbereich sind FI-Schutzschalter mittlerweile Pflicht, im Kinderzimmer sollten sie nicht fehlen.

Unterschätzt wird daneben immer noch die Gefahr, die Blitzeinschlag für empfindliche elektronische Geräte, nicht zuletzt für den Heimcomputer bedeutet. Überspannungsschutz ist längst nicht in allen Häusern vorhanden.

Vorschriften, Tipps und Normen

Küche: Herd und Mikrowelle brauchen jeweils einen eigenen Stromkreis mit Absicherung. Spülmaschinen, die ihr Wasser elektrisch erhitzen, sind Stromfresser, eventuell besteht die Möglichkeit, sie an die Warmwasserleitung anzuschließen. Steckdosen in Wassernähe sollten einen Fehlerstrom-Schutzschalter beinhalten. Außerdem machen Rauchmelder Sinn.

Bad: Oberhalb der Badewanne oder Duschtasse und in einem Abstand von bis zu 60 Zentimeter seitlich dazu dürfen keine Steckdosen und Schalter montiert sein, im übrigen Bereich sind Feuchtraum-geeignete Ausführungen zu verwenden. Ein Fehlerstrom-Schutzschalter ist Vorschrift.

Wohnzimmer: Kinderschutz-Steckdosen sind sinnvoll, eventuell Fernbedienungen für Schalter und Steckdosen.

Kinderzimmer: Kinderschutz-Steckdosen sind dringend empfohlen, Rauchmelder ratsam, ebenso Netzfreischalter, zur Eindämmung von Elektrosmog. In Absprache mit dem Elektrotechniker sind eventuell Fehlerstrom-Schutzschalter mit höchster Empfindlichkeit (10 mA) zu installieren.

Schlafzimmer: Brandmelder sind ratsam, ebenso Netzfreischalter. Zu Leitungen und Dauerverbrauchern wie z.B. dem Radiowecker sollte circa ein Meter Abstand gehalten werden.

Keller: Fehlerstrom-Schutzschalter sowie Feuchtraum-geeignete Schalter und Steckdosen.

Dachgeschoss: Ist es ausgebaut, oder steht es zum Ausbau an, gelten die Empfehlungen für den übrigen Wohnraum, Fehlerstrom-Schutzschalter sind Vorschrift.

Dach: Überspannungs-Schutzfilter gegen Blitzeinschlag

Außenbereich: Infrage kommen Bewegungsmelder, Türöffner, Videoüberwachung. Steckdosen-Stromkreise im Außenbereich müssen einen Fehlerstrom-Schutzschalter haben.

 

Ausstattung: Leitungen, Verteiler, Steckdosen

Je älter das Haus, desto eher wird eine Generalüberholung anzuraten sein, samt Austausch der Leitungen, Verteiler, Steckdosen. Dazu müssen nicht unbedingt die Wände aufgestemmt werden, man kann auf Installationskanäle in Flur und Treppenhaus ausweichen. In den Zimmern können die Leitungen in Fußleistenkanälen untergebracht werden. Steht eine Komplett-Renovierung des Altbaus an, orientiert man sich wie im Neubau an einem der drei nach RAL-RG 678 definierten „Ausstattungswerte“: Zum Ausstattungswert 1 gehören zum Beispiel fünf Steckdosen im Wohnzimmer, zwei Lichtauslässe, ein Telefonanschluss und zwei Antennenanschlüsse, Ausstattungswert 3 beinhaltet dagegen 13 Steckdosen und zwei Telefonanschlüsse im Wohnzimmer. Jeder muss selber entscheiden, was Luxus, was unabdingbar ist. Angesichts der rasanten Entwicklung auf dem Gebiet des Home-Entertainments wird der Verzicht auf zusätzliche Anschlussmöglichkeiten schwerfallen. Kinder und Jugendliche kommen sich ohne Internet-Standleitung sehr schnell wie abgeschnitten von der Welt vor, ganz zu schweigen vom Heimkino mit Surround-System.

Wuchernde Verkabelung wiederum ist vielen Eltern zu Recht unheimlich: Elektrosmog lautet das Stichwort. Die niederfrequente Strahlung, die im Haus selber produziert wird, lässt sich allerdings mit abgeschirmten Leitungen und Verteilerdosen in Grenzen halten. Netzfreischalter unterbrechen den Stromkreis, sobald kein Verbraucher mehr in Betrieb ist, eine sinnvolle Einrichtung in Kinderzimmern und Schlafzimmern (siehe www.ohne-elektrosmog-wohnen.de).

Im Zuge einer Grunderneuerung kann ebenso ein BUS-System installiert werden, mit dem Licht, Unterhaltungselektronik, Raumheizung, Jalousien usw. zentral gesteuert werden. Zur Nachrüstung in Altbauten werden allerdings zunehmend auch drahtlos funktionierende Systeme angeboten.

Eigenleistung – ja oder nein?

Arbeiten am Stromnetz sollte man nach Möglichkeit vom Fachbetrieb ausführen lassen. Einige Betriebe beraten gegen Honorar vor Ort, während der Modernisierer Materialien und Eigenleistung einbringt. Die Abnahme der Installation und die Verbindung zum Stromversorger müssen laut Gesetz durch Fachleute erfolgen, der Hausanschlusskasten ist aus diesem Grund verplombt. Die meisten Haushaltsgeräte werden mit 230 Volt Spannung betrieben, der E-Herd dagegen mit 400, die Leitung ist fünf-adrig anstatt drei-adrig. Elektroarbeiten an 400-Volt-Geräten oder -Installationen sind generell nichts für Laien. Entsteht durch das Selbstverdrahtete ein Sach- oder Personenschaden, wird der Ausführende haftbar gemacht.

Praxis-Tipp: E-Check

 

Regelmäßige Überprüfung der Elektro-Installation empfiehlt sich, auch wenn sie für private Wohnhäuser nicht vorgeschrieben ist. Im Zuge eines „E-Checks“ testet ein Innungsbetrieb des Elektrohandwerks Leitungssystem oder Geräte, auf Wunsch beides, gibt Tipps zum Energiesparen. Und bescheinigt entweder, dass alles in Ordnung ist, oder zeigt die Schwachstellen auf. Punktgenau und schnell kann die Installation anschließend in Ordnung gebracht werden. Mit „E-Check“-Prüfplakette und Messprotokoll hat man im Schadensfall keine Scherereien mit der Versicherung zu befürchten.

Weitere Informationen unter www.e-check.de

 

Fotos: Initiative Elektro+ (5), Jung (3)

 

 

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