Skip to main content

Einbruchschutz für Fenster

Ein Einbruch ins eigene Zuhause ist nicht nur ein materieller Schaden – für viele Menschen ist es ein tiefgreifender Eingriff in ihre Privatsphäre und das Sicherheitsgefühl. Gerade Fenster stellen eine der größten Schwachstellen bei Häusern und Wohnungen dar: Laut polizeilicher Kriminalstatistik werden rund 80 Prozent aller Wohnungseinbrüche über Fenster oder Fenstertüren verübt, wobei der überwiegende Teil nicht etwa durch Einschlagen der Scheibe, sondern durch simples Aufhebeln erfolgt. Umso wichtiger ist es, den Einbruchschutz am Fenster gezielt zu verbessern.

Widerstandsklassen: Die Grundlage für einbruchhemmende Fenster

Die Einbruchhemmung von Fenstern ist genormt und erfolgt nach der europäischen Norm DIN EN 1627, die Fenster in sechs Widerstandsklassen (RC 1 bis RC 6) unterteilt. Die RC-Klassen (Resistance Class) geben an, wie lange ein Fenster einem Einbruchversuch mit definierten Werkzeugen standhält.

Übersicht der wichtigsten Widerstandsklassen für den privaten Bereich:
Klasse Beschreibung Widerstandszeit Merkmale
RC 1 N Geringer Schutz vor körperlicher Gewalt (z. B. Tritte) ca. 10 Sekunden Keine Sicherheitsverglasung, Standardbeschläge
RC 2 N Grundschutz gegen einfache Werkzeuge ca. 3 Minuten Pilzkopfverriegelung, normalverglast
RC 2 Effektiver Schutz gegen Aufhebelversuche ca. 15 Minuten Sicherheitsglas (mind. P4A), abschließbare Griffe
RC 3 Schutz gegen Einbruch mit zusätzlichem Werkzeug wie Brechstange ca. 20 Minuten Verstärkte Rahmen, Beschläge, Glas (P5A)

Fenster mit RC 2 gelten als Standard für Wohnhäuser. Sie bieten mit ihrer Pilzkopfverriegelung und Sicherheitsverglasung einen soliden Schutz gegen typische Einbruchswerkzeuge wie Schraubendreher oder einfache Hebelgeräte.

Wie Einbrecher vorgehen – und wie du dich schützt

Gelegenheitstäter sind für den Großteil aller Wohnungseinbrüche verantwortlich. Sie wählen gezielt Objekte mit leicht überwindbaren Zugängen – wie schlecht gesicherte Fenster im Erdgeschoss, auf Balkonen oder an Terrassen. Die Vorgehensweise ist oft simpel:

  1. Aufhebeln des Fensters mit einem Schraubenzieher
  2. Durchgreifen nach Einschlagen einer kleinen Scheibenfläche, um den Fenstergriff zu bedienen
  3. Schneller Rückzug, wenn es zu laut oder zu lange dauert

Daraus ergibt sich: Je mehr Zeit eine Sicherheitsmaßnahme dem Einbrecher abverlangt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er von seinem Vorhaben ablässt.

Mechanischer Einbruchschutz: Die erste Verteidigungslinie

Die Polizei empfiehlt, Einbruchschutz immer mechanisch zu beginnen. Elektronische Alarmsysteme oder Bewegungsmelder sind nur eine Ergänzung – entscheidend ist die stabile Grundsicherung.

Wichtige mechanische Elemente:

  • Pilzkopfzapfen: Verhaken sich beim Schließen fest im Rahmen, erschweren das Aufhebeln
  • Abschließbare Fenstergriffe: Verhindern das Öffnen von innen nach Glasdurchgriff
  • Sicherheitsverglasung: Mindestens P4A oder besser (z. B. VSG – Verbundsicherheitsglas)
  • Sicherheitsbeschläge: Mehrfachverriegelungen rund um den Rahmen

Nachrüsten statt neu kaufen

Nicht immer muss ein komplett neues Fenster her. Viele Fenster – vor allem Modelle ab Baujahr 1980 – lassen sich mit überschaubarem Aufwand nachrüsten. Besonders geeignet sind Maßnahmen wie:

  • Fenster-Zusatzschlösser nach DIN 18104 Teil 1 oder 2
  • Pilzkopfverriegelungen: Professionell nachrüstbar, deutlich höhere Sicherheit
  • Aufschraubsicherungen: Sichern die Fensterflügel an den Scharnieren
  • Einbruchschutzfolien: Verstärken einfache Glasscheiben
  • Glasbruchmelder: Alarmieren bei Glasbruchversuch

Preisbeispiele für Nachrüstungen:

Maßnahme

Kostenbereich

Abschließbare Griffe

ab 15 € pro Fenster

Aufschraubsicherung

15–55 € pro Stück

Pilzkopfzapfen nachrüsten

150–250 € pro Fenster

Sicherheitsfolie

21–118 €, je nach Größe

Glasbruchmelder

ab ca. 35 € pro Stück

 Wer mehrere Maßnahmen kombinieren muss, sollte prüfen, ob ein Fenstertausch wirtschaftlicher ist – insbesondere bei veralteter Isolierung.

Wann lohnt sich der Fenstertausch?

Ein kompletter Fenstertausch ist dann sinnvoll, wenn:

  • die alten Fenster keine Mehrfachverriegelung haben
  • keine Sicherheitsverglasung vorhanden ist
  • die Energieeffizienz sehr gering ist (z. B. Einfachverglasung)
  • bauliche Schäden vorliegen (z. B. verzogene Rahmen)

Tipp: Moderne Kunststofffenster sind eine kostengünstige und sichere Lösung. Sie verbinden Einbruchhemmung mit Wärmeschutz – und sind deutlich günstiger als Modelle aus Holz oder Aluminium.

Fördermittel für Sanierungen in Deutschland

Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) bietet folgende Programme:

Förderprogramme im Überblick:

  • 159: Kredit für barrierefreies und sicheres Wohnen – inkl. Einbruchschutz
  • 261 & 262: Zuschuss oder Kredit für energieeffiziente Sanierung (z. B. neue Fenster mit Einbruchhemmung)
  • 455-E: War ein Zuschuss bis zu 1.600 € für Maßnahmen zum Einbruchschutz (z. B. Fenster, Türen, Alarmanlagen). Diese Förderung kann jedoch nicht mehr beantragt werden!

Wichtig: Die Förderung muss vor Beginn der Maßnahme beantragt werden. Förderfähig sind nur geprüfte Systeme nach DIN-Vorgaben.

Nicht nur das Fenster zählt

Ein sicheres Haus beginnt beim Fenster, endet dort aber nicht. Ein professionelles Sicherheitskonzept berücksichtigt:

  • Kellerfenster: oft unbeobachtet, ideal für Gitter oder Schachtabdeckungen
  • Terrassen- und Balkontüren: große Glasflächen, oft unzureichend gesichert
  • Nebeneingänge und Garagentüren: leicht übersehene Schwachpunkte
  • Rollläden mit Hochschiebeschutz: besonders Aluminium-Modelle bieten Schutz
  • Türen mit Mehrfachverriegelung: zentrales Element eines sicheren Hauses

Diese Themen könnten Sie ebenfalls interessieren:

Hier geht's zurück zur Startseite.

Über bau-welt.de

Wer einen Hausbau plant oder einen Altbau saniert, hat in der Regel viele Fragen. bau-welt.de informiert Bauherren und Renovierer über alle wichtigen Themen und gibt hilfreiche Tipps. 

Mit unserem Haus-Konfigurator können Sie schnell und einfach nach Ihren persönlichen Suchkriterien nach neuen Häusern suchen, ob Massivhaus oder Fertighaus.

Über den CPZ-Verlag

Der City-Post Zeitschriftenverlag publiziert seit über 40 Jahren Zeitschriften für die Zielgruppe der privaten Bauherren und Modernisierer.

Zum Portfolio gehören u.a. die Zeitschriften Das Einfamilienhaus, Umbauen + Modernisieren und Unser Haus sowie zehn Sonderpublikationen. Erfahren Sie mehr über den CPZ-Verlag. Hier finden Sie unsere Mediadaten.