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Abriss statt Sanierung? Warum der "Flying Cube" neu gedacht wurde

Hausbacken war gestern

Traumgrundstück gefunden. Altbau-Sanierung geplant. Und dann doch alles neu gedacht.
Das Projekt “Flying Cube” bei Baden-Baden zeigt, warum Abriss und Neubau manchmal die zukunftsfähigere Lösung sind – technisch, wirtschaftlich und gestalterisch.

Vom Sanierungsplan zum kompletten Neubau

Das rund 1.300 Quadratmeter große Eckgrundstück im ländlichen Umfeld von Baden-Baden war schnell gekauft.

“Wir wollten nach vielen Jahren in der Großstadt zurück aufs Land.”

Ursprünglich stand die Sanierung des Bestandsgebäudes aus den Nachkriegsjahren im Fokus. Doch während der Planungsphase wurde klar: Die Kosten wären hoch, die Kompromisse dauerhaft.

"Neben enorm hohen Umbau- und Sanierungskosten hätten wir dauerhaft mit vielen Kompromisse leben müssen,“ erinnert sich Julius Ohlenbusch an die Planungsphase.

Der Wendepunkt kam nach dem Teilabriss des Altbaus:

"Als wir nach dem Teilabriss des Altbaus in den engen und schlecht belüfteten Kellerräumen standen haben wir uns dann doch sehr schnell für einen kompletten Neubau entschieden.“

Die Bauherren entschieden sich für einen radikalen Neuanfang.

Ressourcenschonender Holzbau mit klarem Konzept

Der Entwurf des Karlsruher Büros „architectoo“ traf "sofort voll ins Schwarze“.
Geplant wurde ein modernes Haus in nachhaltiger Holzständerbauweise mit Massivholzdecken aus Brettsperrholz.

Nach dem vollständigen Abriss entstand zunächst ein massives Untergeschoss – inklusive Einliegerwohnung und integriertem Sichtbeton-Pool.
Erd- und Obergeschoss wurden anschließend in wenigen Werktagen mit vorgefertigten Holzelementen montiert.

Zwei Jahre nach Grundstückskauf wurde Richtfest gefeiert, zeitgleich mit der Geburt des Nachwuchses.

Schieferfassade statt "hausbacken"

Architektur, die Tradition neu interpretiert: Zwei nahezu kubische Baukörper mit großzügigen Glasflächen, auskragendem Obergeschoss und moderner Schieferfassade prägen heute das Hanggrundstück.

Dabei war Schiefer zunächst kein Favorit.

"Das änderte sich, als wir diese moderne Schieferfassade sahen,“ schmunzelt das Paar.

Was ist "dynamische Deckung"?

Während klassische Schieferdeckungen festen Mustern folgen, steht die dynamische Deckung für moderne Fassadengestaltung:
Rechteckige Steine in unterschiedlichen Höhen und Breiten erzeugen eine lebendige, lineare Optik.

Schiefer gilt heute als:

  • langlebig
  • nachhaltig
  • pflegeleicht
  • gestalterisch vielseitig

Warum kein Holz außen?

Zimmermeister Joachim Westermann brachte es auf den Punkt:

“Schiefer harmoniert hervorragend mit Holz, Glas, Metall und Beton.”

Obwohl er "eigentlich gegen mein eigenes Gewerk argumentiert hat“, überzeugte er die Bauherren von der langlebigeren Lösung.

"Holz im Außenbereich heißt immer viel streichen.“

Gemeinsam besuchte man Referenzobjekte in Deutschland und der Schweiz, "denn so etwas muss man einmal live gesehen haben.“

Pflegeleicht und langlebig

Für die beruflich stark eingebundene Familie war Wartungsaufwand ein entscheidender Faktor.

"Die Verbindung aus Naturstein, Pflegeleichtigkeit und einer ansprechenden linearer Optik hat uns voll überzeugt,“ erklärt Julius Ohlenbusch.

Anfangs hatte der Architekt Andreas Schoch – bekannt für seine klare Formensprache und den ökologischen Umgang mit Ressourcen – Bedenken, dass es zu dunkel wirken könnte. Dennoch ließ er sich darauf ein, neben der Fassade des rundum auskragenden Obergeschosses auch das Erdgeschoss in Schiefer statt in Holz oder Putz auszuführen.

Heute überzeugt das wechselnde Farbenspiel der 2.699 Schiefersteine, die je nach Lichteinfall changieren und von denen jeder einzelne an der Oberfläche ein von der Natur geformtes uraltes Unikat ist.

Licht, Ausblick und Wohnquailtät

Auf 256 Quadratmetern Wohnfläche (inklusive Einliegerwohnung) verbindet das Haus:

  • nachhaltige Materialien
  • moderne Formensprache
  • traditionelle Handwerkskunst

Großzügige, deckenhohe Fenster öffnen das Haus nach Südwesten ins Grüne und sorgen für ein besonderes Lebensgefühl.
Auf der Nordseite reicht der Blick an klaren Tagen bis in die Pfalz und über das Murgtal.

Das auskragende Obergeschoss übernimmt konstruktiven Sonnen- und Regenschutz.
Nahezu unsichtbar integrierte Markisen ergänzen das Konzept.

Photovoltaik: nahezu autark von März bis Oktober

Auf dem Dach wurde eine Photovoltaikanlage mit 15 kWp installiert, kombiniert mit Batteriespeicher.

"Sie macht uns zusammen mit einem Batteriespeicher zwischen März und Oktober nahezu autark,“ weiß Julius Ohlenbusch bereits nach dem ersten Betriebsjahr.

  • Netzstrom musste nur an verhangenen Tagen oder bei besonders hohem Verbrauch zugekauft werden.
  • 8.000 kWh Überschuss konnten  ins Netz eingespeist werden im ersten Betriebsjahr.

Für das Paar, das in der Finanzbranche tätig ist, ist die Anlage nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich attraktiv. Die Photovoltaikanlage verspricht als sichere Geldanlage eine schnelle Refinanzierung.

Interview: Handwerk und Hightech

Die Schiefer-Premiere sollte für Joachim Westermann perfekt werden: Jeder Stein, jede Fuge für die Fassade des "Flying Cube“ wurde vorab CAD-gesteuert festgelegt (CAD steht für Computer-Aided Design). 

Die rund 2.700 rechteckigen Schiefersteine konnten danach exakt nach Plan verlegt werden. 

"Ich bin einfach gefangen in Präzision“, blickt der Zimmermeister nicht ohne Stolz auf das Ergebnis, wenn Sonne und Wolken mit Licht und Schatten den schimmernden Steinen immer wieder neue Farbspiele entlocken.

Schiefer ist im badischen Raum nicht gerade regionaltypisch. Wie kamen Sie dazu?

Westermann: Ganz klassisch haben wir als Holzbauunternehmen an der Fassade bisher vor allem Holz, HPL – das steht für High Pressure Laminate – sowie Faserzementplatten verarbeitet, teilweise auch Alu. Holz hat viele Vorteile, ist im Außenbereich an der Fassade aber pflegeaufwendig, andere Materialien sind nicht unbedingt nachhaltig. Dann habe ich in einer Veröffentlichung eine Schieferfassade in dynamischer Deckung gesehen und dachte: Wow! Schiefer ist für mich eine Art Gamechanger. Wir haben uns einige Objekte angesehen und uns von Rathscheck beraten lassen. Die Faktoren Langlebigkeit bei geringem Pflegeaufwand verbunden mit modernem Design und einzigartiger Optik haben uns überzeugt.

Der „Flying Cube“ war ihr erstes großes Schieferobjekt. War es schwierig für Sie?

Westermann: Nein, es war objektiv betrachtet nicht aufwendiger als der Umgang mit anderen hinterlüfteten Fassadensystemen. Im Betrieb haben wir Zimmerer, Dachdecker und Klempner, die Hand in Hand arbeiten. Wir haben natürlich einiges ausprobiert und dabei auch viel Erfahrung gesammelt. Wichtig waren bei der Verlegung die Beachtung der horizontalen Linien und ein gleichmäßiges Fugenbild zwischen, unter und über den Fenster- und Türflächen sowie an den Gebäudeecken. Dabei hat uns die CAD-gestützte Planung im Vorfeld enorm geholfen.

Empfehlen Sie Schiefer auch unter Kostengesichtspunkten weiter?

Westermann: Auf jeden Fall! Sehr kostenbewussten Bauherren muss man das anfangs vielleicht erklären, aber Qualität hat ihren Preis. Allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten rechnet sich Schiefer über die hohe Lebensdauer. In Kombination mit Holz, Glas und Metall sind moderne Schieferfassaden einfach ein Hingucker.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Rathscheck.

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