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Spitzboden ausbauen

Spitzböden haben Potenzial. Es lohnt sich, diese letzte freie Ecke unterm Dach in einen gemütlichen Rückzugsort zu verwandeln. Je steiler die Neigung, desto mehr kann daraus werden.

Typisch Satteldach – eine Luke in der Decke des obersten Geschosses verrät: Darüber gibt’s noch Luft, den sogenannten Spitzboden.

Selten genug führt die Bewohner der Weg nach oben. Zu mühsam ist das Erklettern der ausziehbaren Leiter, zu unbequem die kleine Öffnung, zu unattraktiv da, was einen erwartet. Alte Koffer, verstaubte Aktenordner oder stapelweise abgelegte Kleider und Spielzeug. Doch es ist viel zu schade, die Raumreserve unterm First brachliegen zu lassen.

Wohnraum unterm Dach

Je steiler die Dachneigung und je größer der Baukörper, umso vielfältiger sind die Möglichkeiten. Bei einer Neigung von mindestens 50 Grad und einer entsprechenden Grundfläche kann hier sogar eine kleine Einliegerwohnung entstehen, mit allem, was dazugehört.

Voraussetzung: Die Decke ist tragfähig genug oder wird entsprechend nachgerüstet, um die Last der Trennwände, selbst wenn es "nur" Leichtbauwände sind, aufzunehmen.

Neigungen ab 20 Grad bieten Platz für ein mehr oder weniger großzügiges Studio, das Gäste oder das Büro aufnimmt, vielleicht sogar inklusive eines zusätzlichen Duschbads. Hauptsache, man kann unterm Firstbalken aufrecht stehen.

Selbst bei niedrigeren Höhen sind Nutzungen denkbar, etwa als Spielebene für die Kinder oder als Schlafstelle, die ähnlich einem Hochbett für mehr Bewegungsfläche im Raum sorgt. Diese Variante ist besonders günstig, wenn der Zugang zum Spitzboden sowieso im Kinderzimmer liegt.

Vorsicht Geschossflächenzahl

Seien Sie nicht zu optimistisch, wenn es neuere Baunutzungsverordnungen gibt, die den Dachausbau erleichtern, indem neu gewonnene Quadratmeter im Dachgeschoss nicht mehr zur Geschossflächenzahl (GFZ) angerechnet werden.

Die GFZ steht in Relation zur Grundstücksgröße und ist die Grenze, bis zu der im Haus Wohnraum geschaffen werden kann. Falls der für Ihr Haus gültige Bebauungsplan nämlich auf einer älteren Landesbauordnung basiert, mit engeren Vorgaben, dann gelten in der Regel – leider – diese.

Spitzboden-Ausbau meist genehmigungsfrei

Die Minimalvarianten des Spitzbodenausbaus sind normalerweise genehmigungsfrei. Da jedoch jede Landesbauordnung die Vorgaben etwas anders regelt, ist es sinnvoll, vor einem Ausbauvorhaben beim Baurechtsamt nachzufragen. Sobald tragende oder aussteifende Bauteile tangiert sind oder eine Nutzungsänderung vorliegt, ist sowieso ein Termin bei der Behörde fällig.

Neuer Wohnraum zum Beispiel bedeutet eine Nutzungsänderung. Er entsteht dann, wenn die geplanten Räume den Vorgaben für Aufenthaltsräume entsprechen. Je nach Landesbauordnung muss ein Aufenthaltsraum unterm Dach eines Ein- bis Zweifamilienhauses eine lichte Höhe von mindestens zwei Metern über mindestens der Hälfte der Nutzfläche haben, manchmal werden auch 2,20 Meter gefordert.

Nutzungsänderungen jedoch können schärfere Anforderungen an den Brandschutz zur Folge haben. Ein- und Zweifamilienhäuser entsprechen meistens der Gebäudeklasse eins oder zwei. Man muss also zwei voneinander unabhängige Rettungswege vorweisen.

Einer davon ist die normale Treppe (zum Spitzboden auch die Einschubtreppe), die die Geschosse miteinander verbindet. Der zweite kann ein Dachflächen- oder Giebelfenster sein.

Die lichte Breite muss bei mindestens 0,6 Metern, die lichte Höhe bei mindestens 1,0 Metern liegen, damit ein ungehinderter Ausstieg gewährleistet ist. Der Abstand vom Fußboden zur Unterkante der Öffnung darf maximal 120 Zentimeter betragen. Ergibt sich aufgrund des Ausbaus eine andere Gebäudeklasse, werden andere Maßstäbe an den Brandschutz angelegt.

Deshalb gilt: Rechtzeitig das Gespräch mit der Baubehörde suchen, damit man am Ende nicht mit einer Ablehnung konfrontiert wird. Eingriffe in die Dachhaut, die über den Einbau von Dachflächenfenstern hinausgehen, sind grundsätzlich genehmigungspflichtig. Das betrifft beispielsweise Gauben, die für mehr Kopffreiheit sorgen sollen, oder Dacheinschnitte.

Dachspitz kreativ nutzen

Spielzimmer brauchen gar nicht viel Einrichtung, da sich sowieso alles auf dem Fußboden abspielt. Gästezimmer wiederum verströmen mit dem Lager unterm First Gemütlichkeit, auch wenn die Schlafstätte nicht auf Bettfüßen steht. Zerlegbare Möbel können leicht nach oben transportiert und vor Ort aufgebaut werden. Gegebenenfalls passt man sie an.

Stützpfeiler, die an der „falschen“ Stelle stehen, greift man als Raumelement auf und bindet sie mit ein – notfalls, indem man einfach flexibel um sie herumbaut.

Bei sehr lang gestreckten Spitzböden ist am Ende sogar ein kleines Bad möglich, mit Dusche, Waschbecken und WC. Das Giebel- oder zumindest ein Dachflächenfenster sorgt nicht nur für Tageslicht, sondern dient gleichzeitig dem direkten Abtransport der feuchten Luft. Idealerweise erschließt die Zugangstreppe den Raum aus der Mitte heraus. Zur einen Seite öffnet sich der Weg zum Schlafbereich, zur anderen geht’s Richtung Bad.

Perfekt, wenn man den „Gästetrakt“ vom unteren Flur her kommend erreicht. Führt der Zugang zum Spitzboden durch einen privaten Raum, wird dieser zum Durchgangszimmer. Dann ist es sinnvoller, mit Funktionseinheiten zu arbeiten, sonst ärgert man sich später über den ständigen Durchgangsverkehr. So vertragen sich Kinderzimmer und Spielboden wunderbar, auch Elternschlafzimmer und Arbeitsplatz bilden eine vernünftige Verknüpfung.

Beengte Verhältnisse erfordern eine kreative Planung. Selbst wer nur in der Mitte aufrecht stehen kann, in einem Gang, der lediglich drei bis vier Meter breit ist, in dem auch noch ein Deckenstützpfeiler steht, braucht nicht den Mut zu verlieren. Mit einer oder sogar zwei Gauben lässt sich der Raum effektvoll öffnen. Alternativ sorgen großflächige Dachflächenfenster für Licht und Luft.

Ein Schreibtisch findet vor dem Giebelfenster oder im Bereich der Gaube Platz – perfekt fürs Home Office. Die Schrägen lassen sich am besten mit schmalen Ablagetischen nutzen, unter denen Rollcontainer Stauraum für die Unterlagen und Büroutensilien bieten. Bei Giebeln ohne Fenster kann die Giebelwand für einen Regaleinbau genutzt werden.

Treppe zum Spitzboden

Die Erschließung ist also stark abhängig von der gewünschten Nutzung und der vorhandenen Raumsituation. Geschickte Treppenmeister machen aus dem bisherigen „Notaufstieg“ ein Stilelement mit Wohnqualität und Gehkomfort. Sie versetzen auch, wenn dadurch vernünftigere Grundrisse entstehen, die Deckenöffnung.

So sollte man beispielsweise an einen vorhandenen Treppenaufgang anschließen können, wenn der Spitzboden eine eigene Wohnung beherbergen soll. Die oberste Stufe mündet am besten an einem Podest vor einer Tür, die die neu geschaffenen Dachräume abschließt.

Geräumigere Spitzböden können auch als Erweiterung der vorhandenen Wohnung genutzt werden, zum Beispiel in Form einer Galerie. Da werden Treppen zu Schmuckstücken, die an der Wand entlang einläufig nach oben führen, oder sich, der Dachschräge folgend, nach einem Zwischenpodest wenden.

Clevere Treppenlösungen für den Spitzboden bieten sogar die Möglichkeit, den Platz unter den Stufen für Regal- oder Schrankeinbauten zu nutzen. Für geradläufige Treppen muss eine große rechteckige Deckenöffnung herausgeschnitten werden, die die alte Luke ersetzt und die durch ein Brüstungsgeländer abgesichert wird.

Wesentlich weniger Platz benötigt eine schmale Wendeltreppe, noch weniger eine Spindeltreppe. Sie windet sich um einen Mittelpfosten aus Stahl nach oben. Der Ausstieg erfolgt durch eine runde Deckenöffnung gleichen Durchmessers. Die minimale Ausladung, die offene Konstruktion und das schlichte Design sorgen für stilvolle Raumakzente. Nachteil: Größere Gegenstände lassen sich über solche Treppen nicht transportieren.

Wenn selbst die Spindeltreppe noch zu groß ist, man aber keine Einschubtreppe will, bieten die Treppenhersteller als Alternative noch sogenannte Raumspartreppen an. Sie haben Treppenstufen mit versetzten Auftrittsflächen. Dadurch kann zwar die Laufbreite auf 50 bis 70 Zentimeter verringert werden, allerdings braucht man Trittsicherheit und am besten zwei Handläufe.

Denn man muss mit dem richtigen Fuß anfangen und darf unterwegs nicht stolpern. Junge Familien und Kinder haben damit selten ein Problem. Im Alter kann diese Form der Erschließung jedoch zur Hemmschwelle werden. Planerische Anstrengungen, dies zu vermeiden, sind deshalb eine gute Zukunftsinvestition.

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