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Schweizer Haus: Denkmalschutz mit Schieferdach

Nach aufwendiger Sanierung und mit einem neuen Schieferdach erinnert das Schweizer Haus in Klein Glienicke wieder an glanzvolle Zeiten vor den Toren Berlins.

Ein Prinz baute das Schweizer Haus

Klein Glienicke war schon immer besonders, ein Kleinod in urwüchsiger Natur zwischen Berlin und Potsdam. Das wusste auch Prinz Carl von Preußen zu schätzen.

Zwischen 1862 und 1867 ließ der dritte Sohn von König Friedrich Wilhelm III., in der Familie bekannt als Ästhet, Kunstsammler und Italien-Fan, in Sichtweite des Jagdschlosses Glienicke neun Häuser nach Schweizer Vorbild errichten. Ein zehntes Schweizer Haus ließ ein betuchter Privatmann bauen.

Heute ist der verbliebene Rest des Ensembles der Miniatur-Schweiz an einem für alpenländischen Baustil eher ungewöhnlichen Ort Weltkulturerbe – und eines dieser vier Häuser wieder ein Schmuckstück nach einer bewegten Geschichte zwischen mondäner Noblesse und DDR-Tristesse in Grenzlage.

Den Süden nach Berlin holen

„Charakteristisch für die Gebäude sind die weit auskragenden Dächer und aufwendige Schnitzornamente an Dächern, Balkonen und Austritten sowie die reich verzierten Fassaden auf einem massiven Sockel.

Die Idee des Bauherren war verbunden mit der Illusion, „über die Alpen nach Italien“ zu reisen – also per Pferd durch ein Quartier von Schweizer Häusern zum Schlossgarten Glienicke mit seiner italienisch anmutenden Architektur von Peter Josef Lenné zu reiten". 


So beschreibt Architekt Magnus Creutzfeldt den Schweizer Haus-Stil, der im 19. Jahrhundert das romantische Ideal der Naturverbundenheit verkörperte und zum Inbegriff des gesunden Landlebens vor den Toren der Großstadt wurde.

Die Sehnsucht, das Gefühl des Südens nach Berlin zu holen, gipfelte in der Umsiedlung eines kompletten Kreuzgangs, der Stein für Stein vor den Toren Venedigs ab- und im Schlosspark Glienicke wieder aufgebaut wurde.

Anspruchsvolle Sanierung des Schweizer Hauses

Als das Berliner Büro Linie Creutzfeldt Architekten vor rund vier Jahren den Auftrag für die Betreuung einer umfangreichen wie anspruchsvollen Sanierung erhielt, war das Haus optisch und bautechnisch erheblich in die Jahre gekommen. 160 Jahre wechselvoller Geschichte hatten deutliche Spuren an Holzbauteilen und Putzfassade hinterlassen, wucherndes Grün („biogener Bewuchs“) hatte Teile der Fassade eingenommen – und die Dacheindeckung präsentierte sich weitab vom historischen Vorbild.

„Der Originalgrundriss und vieles der historischen Bausubstanz waren aber weitgehend erhalten.“
Architekt Creutzfeldt

Auf der Liste des Weltkulturerbes

Viel Zeit nahmen die Vorarbeiten in Anspruch, erinnert sich der Architekt. Der Denkmalschutz macht im 21. Jahrhundert den heutigen Besitzern klare Vorgaben. Seit 1991 gehören die Schweizer Häuser als „Artifical Swiss Village“ zum Denkmalbereich Berlin Postdamer Kulturlandschaft und damit zur Liste der Weltkulturerbe (UNESCO World Heritage List).

„Ziel der denkmalgerechten Sanierung war es, die bauzeitliche Gestaltung wieder hervorzubringen und gleichzeitig die Patina des Gebäudes zu erhalten.“

Denn „Schweizer Häuser“ sollten im fernen Berlin zwar den Originalen in den Alpen ähnlichsehen, was aber aussah wie Holz war teilweise nur schöner Schein aus Putz und Stuck: Die Fassaden schmückten reiche Ornamente aus Gips, Sand und Kalk, die Holzstruktur wurde erst später von Kunstmalern imitiert. Creutzfeldt, selbst vor seinem Architektur-Studium ausgebildeter Zimmermann und aufgewachsen am Bodensee:

„Mit dem alpinen Blockhausbau hatten die norddeutschen Baumeister in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wenig Erfahrung und so imitierte man beispielsweise Schnitzereien mit den handwerklichen Techniken, die man beherrschte.“

12 Monate Abstimmung, 7 Monate Sanierung

Fast ein Jahr dauerte der Abstimmungsprozess mit allen Beteiligten, bevor die siebenmonatige Bauphase beginnen konnte. Am Anfang stand ein restauratorisches Gutachten zu Farb-, Putz- und Anstrichzusammensetzungen, danach wurden in Zusammenarbeit mit erfahrenen Restauratorinnen von Hirsch, Rütt und Partner die Putzschichten ergänzt oder erneuert.

Ebenso wurden die künstliche Holzmaserung auf dem Putz mit zwei Schichten Silikatfarbe originalgetreu nachempfunden, die in Stuck imitierten Holzverzierungen nachgebildet, Holz-Balkone instandgesetzt und geschädigte Balkenkonstruktionen originalgetreu ergänzt.

Das Dach erhielt eine neue Eindeckung mit rechteckigen Schiefersteinen. Architekt und Bauherr entschieden sich für den Millionen Jahre alten Naturstein, „weil er der Originaleindeckung am Nächsten kam.“ Und, so Magnus Creutzfeldt, weil alle von einer dauerhaften Lösung überzeugt waren:

„Schiefer ist ein nachhaltiges Naturmaterial und durch seine Langlebigkeit bei einer Denkmal-Sanierung unschlagbar.“

Schweizer Haus mit Schieferdach

Passend zum Stil des Hauses und angelehnt an die Optik typischer Steinlege-Dächer aus dem Berner Oberland erhielt das Dach eine sogenannte Rechteck-Doppeldeckung als neues Schieferdach. Die 60 mal 30 Zentimeter großen, aber nur fünf Millimeter starken Schiefersteine aus den Gewinnungs- und Produktionsstätten von Rathscheck Schiefer verbinden dabei historisches Vorbild mit geringem Flächengewicht und zeitlos-ästhetischer Anmutung.

Die vorhandenen Dachbalken wurden dort erneuert, wo sie morsch oder faul waren, der bautechnische Fortschritt hielt mit einer zeitgemäßen Hinterlüftung Einzug. Die 270 Quadratmeter große schützende Haube des Hauses mit seinen acht Zimmern, 275 Quadratmetern Wohnfläche, einem „Keller“ im Souterrain und einem Nebengebäude zählte zu den umfangreichsten und gleichzeitig wesentlichen Baustellen bei der Sanierung.

Das Dach war letztmals zu Vorwendezeiten mangels Kapitals und vorhandener Alternativen mehrfach mit Bitumen abgedichtet worden, Traufleisten und Ortgänge aus günstigem Duroplaste zeugten von einer Notlösung bei der Instandhaltung kulturhistorischer Bausubstanz.

Schiefer für Dach und Fassade

Schiefer für Dach und Fassade bietet bis zu 250 Variationsmöglichkeiten – von traditionell bis modern. Jeder Stein ist dabei ein 400 bis 500 Millionen Jahre altes Unikat aus den Tiefen der Natur, das für zeitlose Eleganz steht und Häuser pflegearm über Generationen schützt. Ob beim stylischen Neubau mit einem nahezu nahtlosen Übergang der modernen Rechteck-Deckung vom Dach auf die Wand, bei der Wiederherstellung wertvoller Bausubstanz oder bei der Sanierung klassischer Eigenheime. Alle Deckarten und Formate lassen sich ästhetisch ansprechend mit integrierbaren Photovoltaik-Modulen kombinieren, auch geeignet bei der Denkmal-Sanierung.
Infos unter www.schiefer.de und www.rathscheck.de/rockstar

Das Schweizer Haus und seine bewegte Geschichte

Das Schweizer Haus steht für glanzvolle wie bewegte Epochen deutscher Geschichte: Während der deutschen Teilung gehörte es zur „Sondersicherheitszone“ und war nur über eine bewachte Parkbrücke erreichbar, Besucher benötigten einen Passierschein. Denn Klein Glienicke wurde nach dem Mauerbau 1961 Ost-Enklave auf West-Berliner Gebiet – und als „Blinddarm der DDR“ bezeichnet.

48 Häuser der ehemals prachtvollen Gemeinde mussten von 1961 bis 1967 dem Mauerbau weichen, rund ein Drittel der historischen Dorfarchitektur gingen verloren, darunter auch fünf der neun von Ferdinand von Arnim erbauten Schweizer Häuser. Die Bauten wurden ohne Rücksicht auf kulturelle Werte abgerissen, weil sie sich durch ihre unmittelbare Nähe zur Mauer für Fluchtversuche von Ost nach West eigneten.

Schlagzeilen machte 1965 die Flucht von zwei Dachdeckern, die mit ihrer Leiter über die Mauer kletterten,1973 gruben sich zwei Familien mit fünf Kindern vom Keller aus einen 19 Meter langen Tunnel in die Freiheit. Lediglich unser hier vorgestelltes Schweizer Haus in der Louis-Nathan-Allee 6 direkt am Bäkekanal sowie drei weitere Schweizer Häuser blieben erhalten.

Wertvolle Immobilien

Auch nach der Wende kehrte in Klein Gliniecke erst langsam das Leben zurück. Heute gelten renovierte Schweizer Häuser vor den Toren Berlins als wertvolle Immobilien. Wer eine besitzt, muss sich im alltäglichen Leben allerdings mitunter in Bescheidenheit üben: An Haus und Garten sind größere Veränderungen abseits des Originalzustandes kaum möglich, bei jeder Grundrissänderung im Innern hat die Denkmalbehörde ein Mitspracherecht und selbst die Gartengestaltung unterliegt den Vorgaben des Denkmalschutzes.

Für Besitzer und Architekten sind Sanierungen verbunden mit behutsamer Modernisierung immer eine Herausforderung – auch in finanzieller Hinsicht.

„Aber das Leben in einem Denkmal, wo es auch mal knackt oder zieht, hat eben auch etwas Besonderes,“
weiß Magnus Creutzfeldt. Ein Folgeprojekt hat das Büro bereits geplant – inklusive Schieferdach vom Spezialisten Rathscheck.

Expertentipp: Was bei Denkmalsanierung wichtig ist

Die Sanierung denkmalgeschützter Bausubstanz gestaltet sich oft kompliziert, umfangreich und zeitaufwendig. Magnus Creutzfeldt kennt als gelernter Zimmermann, Architekt und Bauprojektmanager Probleme und Überraschungen.

Was gehört bei einer denkmalgerechten Sanierung zu den größten Herausforderungen?

Creutzfeldt: Die Abstimmung mit allen Beteiligten. Das ist ein umfangreicher Prozess, weil häufig mehrere Behörden gefragt sind. Bis zur endgültigen Genehmigung einer Sanierungsmaßnahme vergehen oftmals zwölf Monate und mehr.

Beim Schweizer Haus hat das insgesamt gut geklappt, obwohl der Denkmalschutz sehr genau hingeschaut hat. Das besondere Augenmerk lag auf der Wiederherstellung des ursprünglichen bauzeitlichen Erscheinungsbildes.

 

Zu den umfangreichsten Arbeiten gehörten Dach und Fassade. Was führte zur Entscheidung für eine moderne Rechteck-Eindeckung mit Schiefer?

Creutzfeldt: Im Originalzustand war das Gebäude mit Schiefer eingedeckt. Im Laufe der Geschichte und während der DDR-Zeit wurde das Dach mit mehreren Lagen Bitumen abgedichtet.

Gemeinsam mit dem heutigen Besitzer und dem Denkmalschutz haben wir eine dauerhafte Lösung gesucht. Und da ist Schiefer natürlich unschlagbar, wenn man von einer Haltbarkeit von über 100 Jahren spricht. Die Rechteckdeckung war gesetzt, weil sie zu Bauzeiten in der Zentral- und Ostschweiz üblich war.

 

Die Sanierung wurde im Vorfeld gemeinsam mit Restauratoren geplant. Gab es dennoch Überraschungen?

Creutzfeldt: Die gibt es eigentlich immer, wenn man die Substanz eines mehr als 160 Jahre alten Gebäudes öffnet. Neben den Putzschäden hatten wir es vor allem mit Feuchtigkeitsschäden am Holz zu tun.

Hier konnten wir aber an vielen Stellen die geschädigten Teile herausschneiden und neu ansetzen, also minimalinvasiv arbeiten und möglichst viel Bausubstanz erhalten.

 

Die Sanierung historischer Substanz ist meist mit hohen Kosten verbunden. Gibt es Fördermittel?

Creutzfeldt: Öffentliche Zuschüsse werden generell immer weniger, die Antragstellung ist für Laien nicht gerade einfach und einsetzbar sind die Mittel dann nur für bestimmte Maßnahmen – beispielsweise die restauratorische Instandsetzung von Fassaden. 

Interessanter ist für viele Bauherren die steuerliche Abschreibung. Private Bauherren, die ihre denkmalgeschützte Immobilie selbst bewohnen, können über einen Zeitraum von zehn Jahren jährlich neun Prozent der begünstigten Sanierungskosten von der Einkommenssteuer absetzen – also insgesamt 90 Prozent.

Für vermietete Immobilien können über zwölf Jahre sogar 100 Prozent der Sanierungskosten steuerlich geltend gemacht werden. Wichtig ist auch hierbei, dass vor Beginn der Maßnahme eine Bescheinigung nach dem Denkmalschutzgesetz für die steuerliche Abschreibung erstellt wird.

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