Das Angebot an effizienter und umweltfreundlicher Heiztechnik ist geradezu explodiert, es erfordert ein wenig Mühe, die passende zu finden (Orientierung und Detailinformationen finden Sie unter anderem auch auf www.ecotopten.de, vom Öko-Institut in Freiburg betreut).

Übersicht Heiztechniken – Hybrid im Haus

Üblicherweise werden zwei oder gar mehrere Techniken kombiniert, um Haus und Bewohner durch die Jahreszeiten zu versorgen: Solaranlagen beispielsweise mit Holzheizungen oder auch Wärmepumpen. In Passivhäusern kommt zwar der Lüftung mit Wärmerückgewinnung die zentrale Rolle zu, jedoch oft ergänzt durch einen Kaminofen oder einen Pelletofen.

Gemeinsam schaffen diese Komponenten Wohnkomfort bei minimalem Brennstoffbedarf.

Pellet und Solar

Die Energieträger Holz und Solarenergie haben einiges gemeinsam: Beide sind sauber, sicher und nachhaltig nutzbar. So bietet sich für die umweltbewusste Wärmeversorgung im Haushalt ein bivalentes System aus Solaranlage und Pellet/Holzheizung an: Im Sommer bzw. auch an unbewölkten Tagen lässt sich der gesamte Warmwasserbedarf solarenergetisch decken, während bei kaltem Wetter der Pellet- oder Holzkessel sowohl Heizung als auch Warmwasserboiler versorgt. Eine witterungsgeführte Steuerungseinheit regelt, bei welcher Temperatur eine Zuschaltung der Holzheizung sinnvoll erscheint. Durch eine solche Kombination lässt sich über ein Drittel an Energiekosten einsparen.

Neue Anlagentechnik in der Übersicht

Anlagentechnik
Nutzungsgrad in %
Ökologische Bewertung
Solarenergie
abgesehen vom Pumpenstrom kein Primärenergieverbrauch, macht sich positiv im Energiepass bemerkbar
Holzpelletkessel
70–80
Holz ist CO2-neutral, d.h., es gibt die Menge an CO2 ab, die es sonst bei Verrottung freisetzen würde
Wärmepumpe
bis zu 400
abhängig vom Stromverbrauch, da in Strom i.d.R. viel Primärenergie steckt
Mini-BHKW
> 90
produziert Strom und Wärme; nutzt Öl bzw. Gas effektiv, für Pflanzenöl noch nicht geeignet
Öl-Brennwertkessel
94
neben dem BHKW derzeit fortschrittlichste Ölheizung, vergleichsweise geringer Schadstoffausstoß
Gas-Brennwertkessel
94
sauberer als Öl-Brennwertanlagen: Gas stößt weniger CO2 aus, keinen Feinstaub, kaum Schwefeldioxid

Anlagentechnik
Investitionskosten*
in €, ohne Montage
Bemerkungen
Solarenergie
ab 3.000 € für Brauch-
wasserbereitung, ab 8.000 für Heizungs-
unterstützung
Ertrag ist abhängig von der Lage und Ausrichtung des Hauses
Holzpelletkessel
7.000 – 13.000 €
Pellets benötigen einen Lagerraum, der Schornstein muss feuchteunempfindlich sein
Wärmepumpe
mit Erdkollektoren
12.000 – 15.000 €
aufwändige Erdarbeiten (waagerecht verlegte Erdkollektoren) bzw. Bohrungen (Sonden); Jahresarbeitszahl sollte mindestens 3,8 betragen
Mini-BHKW
15.000 – 20.000 €
lohnt sich nur im Dauerbetrieb, d. h. wenn die Heizlast konstant hoch ist
Öl-Brennwertkessel
7.000 – 8.500 €
Betrieb mit schwefelarmem Heizöl; benötigt feuchteunempfindliche Abgasanlage ggf. mit Gebläse
Gas-Brennwertkessel
5.000 – 6.000 €
kompakte Technik, schnell installiert, Kessel benötigt feuchteunempfindliche Abgasanlage ggf. mit Gebläse
*Kosten für den Warmwasserspeicher sind mit enthalten, für Wärmeverteilung und gegebenenfalls Hausanschluss oder Tank nicht. Die Montagekosten schwanken stark, hängen u. a. von der Lage vor Ort und dem Verhandlungsgeschick des Auftraggebers ab; Quelle u. a. (Nutzungsgrade, Kosten): Heizung und Warmwasser, hg. von der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Beispiel für den nachträglichen Einbau eines flexiblen Hybridsystems in einen Altbau

Bei einem Gasverbrauch von über 42.000 Kilowattstunden (kWh) war Peter Türks Schmerzgrenze erreicht. Für die Familie stand fest, dass das 20 Jahre alte Gebäude energetisch saniert werden musste. Eine Isolierung des Daches konnte den steigenden Energiebedarf nur geringfügig reduzieren. So war schnell klar, dass im Heizungsbereich der Schlüssel für höhere Einsparungen liegen würde.

Nach eingehender Recherche entschied sich Familie Türk für eine hochwertige Hybridheizung, die vor allem regenerative Energiequellen wie Sonne und Holz optimal in das Heizsystem einbindet. Und – durch den Einsatz des flexiblen Systems bestand die Möglichkeit, die Modernisierung in kleinen Schritten vorzunehmen und vorhandene Wärmeerzeuger zu nutzen.

Holz für kühlere Tage
Da im Wohnzimmer bereits ein Kachelofen vorhanden war, musste nur das Innenleben ausgetauscht werden. Ein wasserführender Kachelofeneinsatz wurde mit geringem Aufwand montiert, sodass die überschüssige Holzwärme nun in den zentralen Schichtenspeicher eingebracht wird. Anstelle eines überhitzten Wohnzimmers heizt der Kachelofen in der Übergangszeit fast das gesamte Haus Auch die nötige Energie für das warme Wasser stellt der umgebaute Kachelofen problemlos bereit. So bleibt gerade in der Übergangszeit der Gas­kessel abgeschaltet.

Möglich wird dies durch das komplett erneuerte Wärmemanagement im Heizungskeller. Dabei bildet das sogenannte „Energie­EffizienzCenter“ das Herzstück der neuen Hybridheizung. Dort werden alle Wärme­ströme gebündelt und je nach Bedarf zentral verteilt. Eine zentrale Steuerung sorgt neben der perfektionierten Hydraulik für die optimale Effizienz der Gesamtanlage. So optimiert das „EnergieEffizienzCenter" auch die Betriebsbedingungen konventioneller Heizkessel.

Im Fall der Familie Türk ist dies der alte Gaskessel, der zur Reduzierung der Investitionskosten zunächst in das neue Hybridsystem eingebunden wurde. Anstelle von mehr als 150 Starts in 24 Stunden genügen dem Gerät nun im Schnitt sechs Starts pro Tag – gut für den Jahresnutzungsgrad und die Lebensdauer des Heizkessels. Allein die Montage der Hybridheizung mit Einbindung der vorhandenen Wärmequellen Holz und Gas brachte eine Einsparung von 10.000 kWh.

Überzeugt von dem Einsparergebnis und der Betriebs­sicherheit des ersten Jahres, entschloss sich Familie Türk, in einem weiteren Schritt eine solarthermische Anlage mit 15,6 m2 Fläche installieren zu lassen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Der Gasverbrauch hatte sich nach einem Jahr um 70 Prozent reduziert. Mit nur 12.000 kWh ist Familie Türk mehr als zufrieden.

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