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Hausumbau im Allgäu: Aus der „Alten Molke“ wird modernes Mehrfamilienhaus

Zehn Jahre lang stand die „Alte Molke“ im Zentrum von Kettershausen im Allgäu leer. Das über 100 Jahre alte Gebäude hatte eine bewegte Geschichte: Noch bis 1987 lieferten Bauern aus der Umgebung hier ihre Milch ab, später nutzten eine Gärtnerei und ein Getränkehandel das Haus – bis es schließlich ungenutzt blieb.

Als Manfred Kaiser das Gebäude entdeckte, erkannte er sofort sein Potenzial. Getreu seinem Motto „Altes erhalten und Besseres daraus machen“ entschied er sich, das historische Haus zu sanieren und in ein modernes Mehrfamilienhaus umzubauen. Heute belebt das renovierte Gebäude wieder die Ortsmitte von Kettershausen.

Ortskern statt Neubaugebiet

Viele kleinere Gemeinden kämpfen mit einem ähnlichen Problem: Während am Ortsrand neue Baugebiete entstehen, verfallen Gebäude im Zentrum.

Auch in Kettershausen zeigte ein kommunaler Vitalitäts-Check, dass im Ortskern über 50 Gebäude leer standen und bei weiteren Häusern Leerstand drohte.

Der Umbau der „Alten Molke“ wurde deshalb zu einem wichtigen Beispiel dafür, wie historische Gebäude erhalten und gleichzeitig moderner Wohnraum geschaffen werden kann.

Dachausbau mit viel Licht und Luft

Die größte Veränderung im Gebäude fand im Dachgeschoss statt. Der bislang ungenutzte Dachboden sollte zu einer attraktiven Wohnung ausgebaut werden.

Dabei spielte Tageslicht eine zentrale Rolle. Bauherr Manfred Kaiser hatte bereits bei einem früheren Projekt – der Sanierung einer alten Brauerei – erlebt, wie stark Dachfenster die Wohnqualität verbessern können.

„Ich genieße die Helligkeit und den Ausblick durch die vielen Dachfenster jeden Tag“, erzählt er.

Um auch in der „Alten Molke“ ausreichend Licht zu schaffen, wurde das Dach gezielt geöffnet. Statt Gauben entschied sich Kaiser bewusst für zahlreiche Dachfenster, um die ursprüngliche Dachform möglichst unverändert zu lassen.

Historische Bausubstanz erhalten

Bei der Sanierung wurde behutsam mit der historischen Struktur des Gebäudes umgegangen.

Das Dach wurde energetisch gedämmt und anschließend wieder mit Biberschwanzziegeln eingedeckt. Viele der alten Holzbalken konnten erhalten bleiben und prägen heute das Raumgefühl der Wohnungen.

Wo nötig, wurden neue Balken ergänzt – die alten dienen gleichzeitig als gestalterisches Element und erinnern an die Geschichte des Hauses.

Heller Wohnbereich unter dem Dach

Das Herzstück der Dachgeschosswohnung ist der großzügige Wohn-, Ess- und Kochbereich. Insgesamt zwölf Dachfenster sorgen hier für eine außergewöhnlich helle Atmosphäre.

Besonders clever ist die sogenannte DUO-Lösung neben der Küchenzeile: Zwei übereinanderliegende Dachfenster nutzen den Platz zwischen den Dachbalken optimal aus und eröffnen einen weiten Blick über die Umgebung.

Durch die Fenster auf beiden Dachseiten entsteht außerdem eine effektive Querlüftung, sodass Küchengerüche oder Feuchtigkeit schnell entweichen können.

Gesundes Raumklima im Schlafzimmer

Auch das Schlafzimmer profitiert von großzügigen Fensterflächen. Vier Dachfenster sorgen für ausreichend Tageslicht und ermöglichen eine schnelle Belüftung.

Gerade im Sommer kann warme Luft so schnell gegen kühlere Abendluft ausgetauscht werden. Für angenehme Dunkelheit sorgen außenliegende Rollläden, die gleichzeitig als Hitzeschutz dienen und im Winter die Wärmedämmung verbessern.

Eine Brücke in den Garten

Da das Haus direkt an einem Hang steht, war der Garten ursprünglich schwer erreichbar.

Die Lösung ist ebenso ungewöhnlich wie charmant: Vom Schlafzimmer im Dachgeschoss führt eine kleine Brücke direkt in den neu angelegten Terrassengarten.

Das ehemals verwilderte Grundstück wurde liebevoll gestaltet. Blumen, Sträucher und ein großer Schmetterlingsflieder locken heute Bienen und Schmetterlinge an. Für die Bewohner entsteht so ein ruhiger Rückzugsort im Grünen.

Moderne Wohnungen im historischen Gebäude

Alle drei Wohnungen im Haus wurden zeitgemäß ausgestattet. 

Dazu gehören:

  • moderne Einbauküchen
  • hochwertige Bäder mit Fußbodenheizung
  • Parkettböden
  • neue Holzfenster mit Isolierverglasung

Die ursprünglichen Fensterformen im Erdgeschoss mit ihren charakteristischen Rundbögen blieben erhalten.

Für Wärme und Warmwasser sorgt eine moderne Flüssiggas-Heizungsanlage, die das gesamte Gebäude versorgt.

Finanzierung wie vor 100 Jahren

Trotz der Bedeutung für den Ortskern erhielt das Projekt keine Fördermittel. Manfred Kaiser finanzierte den Umbau vollständig über die örtliche Raiffeisenbank – ähnlich wie es Bauherren vor über 100 Jahren getan hätten.

Heute gilt die „Alte Molke“ als gelungenes Beispiel für die Revitalisierung historischer Gebäude und zeigt, wie alte Bausubstanz sinnvoll in modernen Wohnraum verwandelt werden kann.

Historisches Gebäude mit neuer Zukunft

Der Umbau der „Alten Molke“ verbindet Denkmalschutz, nachhaltige Sanierung und modernes Wohnen.

Manfred Kaiser ist es gelungen, ein Stück Ortsgeschichte zu bewahren und gleichzeitig attraktiven Wohnraum zu schaffen. Das Gebäude steht heute als Symbol dafür, wie historische Häuser mit neuen Ideen wieder zum Leben erweckt werden können.

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