Skip to main content

Tiny House als große Idee

Klein, aber oho: Die wenigen Quadratmeter in einem Tiny House müssen besonders intelligent geplant werden. 

Die vergangenen Monate haben uns gezeigt was wir wirklich brauchen – und das ist nicht viel. Doch schon vor der COVID-19-Pandemie haben sich mehr und mehr Menschen Gedanken gemacht über unsere Art zu konsumieren, zu wirtschaften, über die fatalen Folgen, die zügelloser Ressourcenverbrauch und CO2-Emissionen für das Klima, den Planeten, die kommenden Generationen haben. 

Also versuchen einige, auf Genügsamkeit, Suffizienz, Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen zu achten. Kaum überraschend, dass sie sich mit weniger Wohnraum zufriedengeben als den 46 Quadratmetern, die rein statistisch jedem Bundesbürger zur Verfügung stehen. Sich zu reduzieren ist also ein Trend, ein Lebensgefühl, das weit über Wohnen im Tiny House hinausgeht. 

Tiny House: Trend aus den Staaten

Die Tiny-House-Bewegung stammt aus den USA, dort wurde der Begriff in den 1990ern geprägt. Tiny Houses auf Rädern stehen für das Versprechen von Freiheit und Ungebundenheit, Unabhängigkeit, solche ohne Räder immerhin für Freiheit von Konsumzwängen.

Doch erst vor einigen Jahren wurde die Begeisterung für die Minihäuser zum Massenphänomen. Eine rege Szene hierzulande tauscht sich untereinander aus, über Stellplätze, Ärger mit Behörden, Pläne für den Selbstbau. Allerdings bekommt man die Kleinsthäuser inzwischen auch von Fertighausherstellern oder sogar von spezialisierten Betrieben.

Auch Wissenschaftler interessieren sich für diese Wohnform: Geografen, Stadtplaner, Ökonomen wollen herausfinden, wie klimafreundlich, wie nachhaltig sie tatsächlich ist. Sie begleiten beispielsweise Projekte zur Errichtung ganzer Minihaus-Siedlungen.

Die meisten Minihäuser sind mobil, haben entweder Fahrgestell und Anhängerkupplung oder können wie Container transportiert werden. Ähnlich wie in der Raumfahrt muss jedes überflüssige Gramm vermieden werden.

So bestehen die Wände aus mit Dämmstoff gefüllten Holzrahmen, geschlossen mit Holzwerkstoff- oder Sperrholzplatten. Neben Fichte und Kiefer kommt Pappel zum Einsatz, leicht und hochbelastbar. Die Grundrisse der straßentauglichen Minis orientieren sich an denen von Wohnmobilen.

Sie bieten auf der ersten Ebene Dusche, WC, Wohn-/Ess-/Kochbereich, auf oberen Ebenen Schlafbereich und Stauraum, aber dennoch genug Luftraum, was ein gewisses Gefühl von Großzügigkeit schaffen kann. Dachfenster tragen ihren Teil dazu bei. „Immobile“, ortsfeste Tiny Houses, oft ausladender, lassen in puncto Materialien und Grundrissgestaltung mehr Möglichkeiten zu.

Kosten reduzieren

Ein Tiny House bietet in zweierlei Hinsicht Sparpotential: zum einen wird eine kleinere Grundstücksfläche benötigt, worduch weniger Bauland gekauft werden muss. Der Anteil der Baulandkosten an der Gesamtsumme beträgt - je nach Lage - manchmal bis zu 50 Prozent. Netter Nebeneffekt: der geringe Platzbedarf kann die Grundstückssuche erleichtern, da schmalere Baulücken für die Realisierung genügen.

Zum anderen reduzieren sich die reinen Baukosten, da das Haus selbst ebenfalls viel kleiner aufällt. Allerdings gilt hier die Prämisse: je einfacher desto preiswerter. Wer auf einen guten Energiestandard setzt, muss auch entsprechend Geld für ein kleines Häuschen in die Hand nehmen.

Tipp: Was kostet ein Tiny House?

Je nach Größe, Ausbaustufe, technischer Ausstattung, Komfort usw. kostet ein Tiny House zwischen 35.000 und 120.000 Euro
(Angaben: Tiny House Verband e. V.; Tiny Houses bringen zudem geringere Grundstückskosten mit sich sowie eine niedrigere Grundsteuer.)

Stellplatz, Wärmedämmung, Autarkie

Selbst Tiny Houses mit Fahrgestell sind rechtlich gesehen Gebäude und müssen deshalb auf erschlossenen Grundstücken im Innenbereich stehen (Straßennetz, Strom, Wasser, Abwasser). Sollen sie nur gelegentlich genutzt werden, kommen noch die baurechtlichen „Sondergebiete“ infrage, für Ferien- oder Wochenendhäuser, daneben Campingplätze. 

Und auch die Minihäuser versiegeln den Boden, nehmen der Natur etwas weg, weiß Dipl.-Ing. Anne Söfker-Rieniets vom Institut für Städtebau an der RWTH Aachen. Nicht ohne Berechtigung sei das Bauen im Außenbereich, außerhalb geschlossener Ortschaften, in der Regel verboten. Klein heiße außerdem nicht automatisch sparsam beziehungsweise energieeffizient.

Im Gegenteil, je kleiner ein Objekt sei, desto größer sei im Verhältnis zum Rauminhalt seine Oberfläche, über die es Wärme an die Umgebung abstrahlt, desto größer seien folglich die Wärmeverluste. Und die müssten durch Heizen ausgeglichen werden. Die in der Szene bekannte YouTuberin Nessa Elessar, bürgerlich Lisa Maria Koßmann, sagt es ganz offen: bei ihrem nächsten Häuschen würde die Dämmung dicker ausfallen.

Peter L. Pedersen, Geschäftsführer der Rolling Tiny House GmbH, löst das Problem mit einer Dämmschicht aus Polyurethan-Hartschaum. Es isoliert besser als Holz- oder Hanffasermatten, ideal, wenn die Wandaufbauten aus Platzgründen dünn sein müssen. Seine rollenden Domizile würden als die bisher einzigen auf dem Markt – auch dank kleinem Pelletofen – die Energieeinspar-Verordnung einhalten, die EnEV 2016 (die bei Gebäuden von unter 50 Quadratmetern nicht greift).

Pedersen bietet optional auch kleine Solarwärmeanlagen an, hält jedoch insgesamt das energieautarke, ja das autarke Tiny House für schlicht unwirtschaftlich. Für eine komplette Versorgung mit Solarstrom aus eigenen Solarmodulen etwa seien die Dächer zu klein.

Tipp: Wie groß ist ein Tiny House?

Wann ein Haus als Tiny House gilt, ist je nach Land etwas unterschiedlich. Während man in den USA bei Häusern unter 38 m2 von einem Tiny House spricht, gelten in Deutschland Häuser mit maximal 50m2 Wohnfläche als "tiny". Eine offizielle Definition gibt es jedoch nicht. Zudem sind die meisten realisierten Tiny Houses kleiner als 50m2

Tiny House richtig planen

Platz ist in der kleinsten Hütte, sagt man, wenn nur genügend zusammengerückt wird. Aber zu eng darf's im Tiny House auch nicht werden, sonst gehen sich die Bewohner bald an den Kragen. Voraussetzung fürs Wohlfühlen ist eine durchdachte und intelligente Grundrisslösung.

Darüber hinaus können Minihäuser trotz ihres geringeres Flächenbedarfs eine attraktive Architektur bieten. Und für eine Einzelperson oder einen Zwei-Personen-Haushalt können 50 Quadratmetermit geschickter Aufteilung und großer Freifläche durchaus genügen.

Für die Wohnflächenermittlung sollten Sie eine realistische Bedarfsplanung vornehmen. Wie groß misst die jetzige Wohnung? Wieviel Raum wird im Minihaus benötigt? Hier sollte der tatsächliche Bedarf im Vordergrund stehen, nicht Wunschvorstellungen. Insbesondere spielt es eine Rolle, ob Kinder zu erwarten sind. Die Lösung könnten Ausbaureserven unterm Dach oder im Keller vom Tiny House sein.

Ein Anbau dürfte die weniger elegante und sicherlich teuerste Möglichkeit sein. Allerdings gibt es auch intelligente Modulhäuser, die beliebig erweiterbar sind. Diese Fertighaus-Module haben den Vorteile, sie werden in einem Stück geliefert und mit dem Kran platziert. Das funktioniert auch in engen Straßen und bei schwer zugänglichen Grundstücken.

Zeichnen Sie sich Ihren idealen Grundriss auf und vergleichen Sie ihn mit den Angeboten der Haushersteller. Gibt es tote Ecken, die Wohnraum verschenken? Muss eine Gästetoilette oder zweites Duschbad wirklich sein? Statt einem separaten Esszimmer finden viele Bauherren eine große Wohnküche mit Esstisch viel attraktiver. 

Falls Kinderzimmer geplant sind, sollten die Abmessungen auch von den Gewohnheiten der Familie abhängen. Werden sie zum Spielen genutzt, müssen sie groß genug sein. Halten sich die Kleinen ohnehin immer im Wohnbereich auf, genügen kleinere Kinderzimmer als Schlafzimmer.

Allerdings werden sich diese Gewohnheiten im Laufe der Jahre ändern und Jugendlichewünschen sich sicherlich einen ungestörten Rückzugsbereich für sich und ihre Freunde. Ein Kniestock im Dachgeschoss erhöht die Wohnfläche, dadurch dass schräge Wände nicht so sehr die Stehhöhe behindern. Unter einem Kniestock versteht man die Verlängerung der Außenwand über die Erdgeschossdecke hinaus.

Alternativ bieten Tiny Houses mit Flachdach auch im Obergeschoss volle Raumhöhe. Typischerweise wird ein Minihaus dennoch eher für Singles und Paare als für eine Familie geplant.

Keller als Platzreserve

Die Entscheidung mit oder ohne Keller zu bauen ist nicht nur eine Frage des Geldes. Der Nutzen muss genau abgewägt werden, denn eine Nachrüstung wird nicht möglich sein. Abstellräume können auch ebenerdig oder außerhalb des Minihauses untergebracht werden.

Für eine reine Abstellfläche ist er allerdings zu teuer. Als Wohnraumreserve muss der Keller den hohen Anforderungen an Wohnräumen entsprechen, ist in diesem Fall aber unschlagbar preiswerter Raum. Denn den Kosten für den Keller steht ein Mehr an Fläche gegenüber, das im Nachhinein nie mehr zu gewinnen wäre.

Bei Hanghäusern sind Wohnräume im Untergeschoss leicht zu realisieren. Wichtig ist, dass das kleine Haus individuell planbar ist, denn eine Standardlösung von der Stange passt meist nur bedingt zu den persönlichen Ansprüchen. Schließlich soll – unabhängig von der Größe – das Haus über sehr lange Zeit zu den Bedürfnissen der Bewohner passen.

Tipp: für optische Vergrößerung sorgen

Wie lässt sich das Tiny House optisch vergrößern? Bodentiefe Fenster sorgen für mehr Helligkeit und Transparenz und lassen damit auch kleinere Wohnräume größer erscheinen. Wählen Sie zarte Farben für Wände und Boden, das wirkt für optische Vergrößerung. In kleinen Bädern helfen große Fliesenformate, Spiegel und Duschwände aus Glas. Foto: Tonu Tunnel/Kodasema

Stauraum im kleinen Haus

Je weniger Platz, desto besser müssen Sie sich organisieren. Stauraum bietet sich z. B. unter der Treppe, in raumhohen Einbauschränken, in Bettkästen. Fürs Minihaus eignen sich insbesondere multifunktionale Möbel, Möbel zum Zusammenklappen und generell Möbel mit bescheidenen Maßen. 

Nachverdichtung mit Modulhäusern und Minihäusern

Minihäuser sind ideal zur Nachverdichtung auf privaten Grundstücken im städtischen und ländlichen Bereich. Mit intelligent genutzten Räumen und einer anspruchsvollen Gestaltung können auch ausgefallene Architkturideen verwirklicht werden.

Ob zum Wohnen für Familienmitglieder, zum Vermieten oder als separates Homeoffice – die Nutzungsmöglichkeiten sind sehr vielfältig. Letztendlich können durch ein kleines Häuschen im Garten die beengten Platzverhältnisse im Haupthaus entspannt werden.

Tiny House Beispiele

Tiny House von SchwörerHaus

Der Fertighaushersteller SchwörerHaus bietet mit seinen FlyingSpaces eine praktische Möglichkeit für alle, die auf wenig Platz leben möchten. Dabei handelt es sich um rund 50m2 große Module, die einzeln oder kombiniert genutzt werden können. Zudem lassen sie sich als Anbau an bestehenden Häuser nutzen. 

Die Flying Spaces haben Ihr Interesse geweckt? Lesen Sie jetzt alles über das SchwörerHaus Green Living Space, einTiny House mit Dachgarten!

Tipp: Wohnfertig in Rekordzeit

Die FlyingSpaces von SchwörerHaus werden innerhalb eines Tages installiert und bereits schlüsselfertig angeliefert. Auch die Vorbereitung ist einfach, denn es werden lediglich die Hausanschlüsse sowie Punktfundamente benötigt. Dabei können die Module auch am Hang aufgestellt werden.

Nach der Anlieferung muss das Tiny House Modul lediglich an Elektrizität und Wasser sowie Kommunikation und Medien angeschlossen werden. Je nach Kundenwunsch können die Module inklusive Beleuchtung, Einbaumöbeln und installierter Sanitärausstattung geliefert werden. Die neues Bewohner können noch am gleichen Abend einziehen

Tiny House Alternativen

Wem ein Tiny House doch etwas zu klein ist, für den könnten Häuser mit besonders kleinen Grundrissen bis zu 100m2 die richtige Wahl sein. Verschiedene Haushersteller haben bereits extra kleien Häuser umgesetzt und dank durchdachter Grundrisse für ausreichend Platz im inneren gesorgt. 

Vorbereitung und Rechtliches

Vorbereitung und Inspiration: 

Üben, ausprobieren, probewohnen: Wer mit dem Leben im Minihaus liebäugelt, kann z. B. seinen Urlaub in einem Tiny-House-Dorf verbringen. Adressen finden sich unter: tiny-houses.de/ minihaus-map/

Rechtliches:

Wer dauerhaft in seinem Tiny House wohnen will, benötigt ein erschlossenes Grundstück, und zwar im „Innenbereich“ gemäß § 34 Baugesetzbuch (BauGB), d.h. innerhalb eines „im Zusammenhang bebauten“ Ortsteils. Will man sein Minihaus lediglich an den Wochenenden oder in den Ferien nutzen, kann man sich in den Sondergebieten gemäß § 10 Baunutzungsverordnung (BauN-VO) umsehen („Sondergebiete, die der Erholung dienen“).

Wasser und Abwasser:

Als Wohngebäude benötigt das Minihaus einen Anschluss an die Wasserver- und die Abwasserentsorgung (Anschluss- und Benutzungszwang). Regenwasser kann zur WC-Spülung eingesetzt werden, seine Nutzung als Trinkwasser ist unzulässig und nicht ungefährlich. Ein Abwassertank müsste regelmäßig geleert werden. Und die Trockenoder Komposttoilette ist nicht jederfraus bzw. jedermanns Sache, außerdem ökologisch bedenklich.

News Neubau

Musterhaus Palermo von Rensch-Haus in Nürnberg

Diesen Sommer eröffnet Rensch-Haus sein neues Musterhaus "Palermo" in der FertighausWelt Nürnberg.

FischerHaus CasaMina

FischerHaus präsentiert im Bauzentrum Poing ein smartes Elektrohaus.

FertighausWelt Nürnberg Musterhaus Bien-Zenker

Die FertighausWelt Nürnberg eröffnet mit drei neuen Musterhäusern wieder ihre Pforten.