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Tiny House: Was es beim Minihaus zu beachten gibt

Klein, aber oho: Die wenigen Quadratmeter in einem Tiny House müssen besonders intelligent geplant werden.

Die vergangenen Monate haben uns gezeigt, was wir wirklich brauchen – und das ist oft nicht viel.

Doch bereits vor der COVID-19-Pandemie machten sich mehr und mehr Menschen Gedanken über ihr Konsumverhalten, nachhaltige Wirtschaft und über die fatalen Folgen, die zügelloser Ressourcenverbrauch und CO2-Emissionen für das Klima, den Planeten, die kommenden Generationen haben. 

Also versuchen einige, auf Genügsamkeit und Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen zu achten. Kaum überraschend, dass sie sich mit weniger Wohnraum zufriedengeben als den 46 Quadratmetern, die rein statistisch jedem Bundesbürger zur Verfügung stehen. 

Sich zu reduzieren ist also ein Trend, ein Lebensgefühl, das weit über Wohnen im Tiny House hinausgeht.

Tiny House: Trend aus den Staaten

Die Tiny-House-Bewegung stammt aus den USA. Dort wurde der Begriff in den 1990er Jahren geprägt. Tiny Houses auf Rädern stehen für das Versprechen von Freiheit und Ungebundenheit und Unabhängigkeit.

Doch erst vor einigen Jahren wurde die Begeisterung für die Minihäuser zum Massenphänomen. Auch hierzulande ist eine rege Szene entstanden. Sie tauscht sich aus über Stellplätze, Ärger mit Behörden, Pläne für den Selbstbau. Allerdings bekommt man die Kleinsthäuser inzwischen längst auch von Fertighausherstellern oder sogar von spezialisierten Betrieben.

Auch immer mehr Wissenschaftler interessieren sich für diese Wohnform: Geografen, Stadtplaner, Ökonomen wollen herausfinden, wie klimafreundlich, wie nachhaltig sie tatsächlich ist. Sie begleiten beispielsweise Projekte zur Errichtung ganzer Minihaus-Siedlungen.

Lebendige Szene: Die Tiny-House-Community

Fürs Reduzierte, für weniger Konsum bei mehr Lebensqualität und für Ungebundenheit begeisterte sich die Tiny-House-Community schon vor der Coronakrise.

In den letzten Jahren entstand eine quirlige, inzwischen recht große Community, mit einem überregionalen Verband und einer eigenen Messe, dem „New Housing - Tiny House Festival“. Es ist eine Szene, die in den Sozialen Medien, in Foren, Blogs und Vlogs intensiv Erfahrungen austauscht.

Tipp: Nächstes Tiny House Event

Die nächste Messe „New Housing - Tiny House Festival” wird vom 1. bis 3. Juli 2022 in Karlsruhe stattfinden. Einen „Schnupperkurs“ in Sachen Leben im Minihaus kann man in einem der zahlreichen Tiny-House-Dörfer machen.

Adressen finden Sie unter: tiny-houses.de/minihaus.

Wie ist ein Tiny House aufgebaut?

Die meisten Minihäuser sind mobil, haben entweder Fahrgestell und Anhängerkupplung oder können wie Container transportiert werden. Ähnlich wie in der Raumfahrt muss jedes überflüssige Gramm vermieden werden.

So bestehen die Wände aus mit Dämmstoff gefüllten Holzrahmen, geschlossen mit Holzwerkstoff- oder Sperrholzplatten. Neben Fichte und Kiefer kommt Pappel zum Einsatz, leicht und hochbelastbar. Die Grundrisse der straßentauglichen Minis orientieren sich an denen von Wohnmobilen.

Sie bieten auf der ersten Ebene Dusche, WC, Wohn-/Ess-/Kochbereich, auf oberen Ebenen Schlafbereich und Stauraum, aber dennoch genug Luftraum, was ein gewisses Gefühl von Großzügigkeit schaffen kann. Dachfenster tragen ihren Teil dazu bei. „Immobile“, ortsfeste Tiny Houses, oft ausladender, lassen in puncto Materialien und Grundrissgestaltung mehr Möglichkeiten zu.

Was kostet ein Tiny House?

Je nach Größe, Ausbaustufe, technischer Ausstattung, Komfort usw. kostet ein Tiny House zwischen 35.000 und 120.000 Euro (Angaben: Tiny House Verband).

Nicht nur die Grundstückskosten verringern sich beim Bau eines Tiny Houses, man muss auch weniger Steuern und Gebühren zahlen, denn der Eintrag ins Grundbuch und die Gebühren für den Notar sind vom Kaufpreis abhängig.

Die Entscheidung für ein Tiny House erleichtert – als positiver Nebeneffekt – außerdem die Grundstückssuche, da auch schmalere Baulücken genutzt werden können. Dazu kommen bei Bauplatzsparern geringere Kosten für den Aushub und Keller.

Wenn die Planung stimmt, kommt man auch in kleinen Häusern zum großen Wohnerlebnis. Voraussetzung ist, dass die begrenzte Wohnfläche optimal genutzt und gleichzeitig ein Gefühl von Enge vermieden wird.

Kosten reduzieren 

Ein Tiny House bietet in zweierlei Hinsicht Sparpotential:

  • Zum einen wird eine kleinere Grundstücksfläche benötigt, worduch weniger Bauland gekauft werden muss. Der Anteil der Baulandkosten an der Gesamtsumme beträgt – je nach Lage – manchmal bis zu 50 Prozent. Netter Nebeneffekt: Der geringe Platzbedarf kann die Grundstückssuche erleichtern, da schmalere Baulücken für die Realisierung genügen.
  • Zum anderen reduzieren sich die reinen Baukosten, da das Haus selbst ebenfalls viel kleiner aufällt. Allerdings gilt hier die Prämisse: Je einfacher, desto preiswerter. Wer auf einen guten Energiestandard setzt, muss auch für ein kleines Häuschen entsprechend Geld in die Hand nehmen.

Wo dürfen Tiny Häuser stehen?

Selbst Tiny Houses mit Fahrgestell sind rechtlich gesehen Gebäude und müssen deshalb auf erschlossenen Grundstücken im Innenbereich stehen (Straßennetz, Strom, Wasser, Abwasser).

Sollen sie nur gelegentlich genutzt werden, kommen noch die baurechtlichen „Sondergebiete“ infrage, für Ferien- oder Wochenendhäuser, daneben Campingplätze. 

Und auch die Minihäuser versiegeln den Boden, nehmen der Natur etwas weg, weiß Dipl.-Ing. Anne Söfker-Rieniets vom Institut für Städtebau an der RWTH Aachen. Nicht ohne Berechtigung sei das Bauen im Außenbereich, außerhalb geschlossener Ortschaften, in der Regel verboten. Klein heiße außerdem nicht automatisch sparsam bzw. energieeffizient.

Im Gegenteil, je kleiner ein Objekt sei, desto größer sei im Verhältnis zum Rauminhalt seine Oberfläche, über die es Wärme an die Umgebung abstrahlt, desto größer seien folglich die Wärmeverluste. Und die müssten durch Heizen ausgeglichen werden.

Die in der Tine-House-Szene bekannte YouTuberin Nessa Elessar, bürgerlich Lisa Maria Koßmann, sagt es ganz offen: Bei ihrem nächsten Häuschen würde die Dämmung dicker ausfallen.

Peter L. Pedersen, Geschäftsführer der Rolling Tiny House GmbH, löst das Problem mit einer Dämmschicht aus Polyurethan-Hartschaum. Es isoliert besser als Holz- oder Hanffasermatten, ideal, wenn die Wandaufbauten aus Platzgründen dünn sein müssen.

Die rollenden Domizile würden als die bisher einzigen auf dem Markt – auch dank kleinem Pelletofen – die Energieeinspar-Verordnung einhalten.

Pedersen bietet optional auch kleine Solarwärmeanlagen an, hält jedoch insgesamt das energieautarke, das autarke Tiny House für schlicht unwirtschaftlich. Für eine komplette Versorgung mit Solarstrom aus eigenen Solarmodulen etwa seien die Dächer zu klein.

Wie groß darf ein Tiny House in Deutschland sein?

Wann ein Haus als Tiny House gilt, ist je nach Land unterschiedlich. Während man in den USA bei Häusern unter 38 m2 von einem Tiny House spricht, gelten in Deutschland Häuser mit maximal 50m2 Wohnfläche als Tiny House.

Eine offizielle Definition gibt es jedoch nicht. Zudem sind die meisten realisierten Tiny Houses kleiner als 50m2.

Gewöhnlich weisen viele Minihäuser eine Größe von 15 bis 45 Quadratmetern auf. Tiny Houses auf Rädern haben in der Regel Anhängeraußenmaße, gute zweieinhalb mal sieben Meter. Modelle ohne Fahrgestell, per LKW geliefert und mittels Kran platziert, fallen häufig deutlich größer aus.

Tiny House richtig planen

Platz ist in der kleinsten Hütte, sagt man, wenn nur genügend zusammengerückt wird. Aber zu eng darf's im Tiny House auch nicht werden, sonst gehen sich die Bewohner bald an den Kragen. Voraussetzung fürs Wohlfühlen ist eine durchdachte und intelligente Grundrisslösung.

Darüber hinaus können Minihäuser trotz ihres geringeres Flächenbedarfs eineattraktiveArchitektur bieten. Und für eine Einzelperson oder einen Zwei-Personen-Haushalt können 50 Quadratmeter mit geschickter Aufteilung und großer Freifläche durchaus genügen.

Für die Wohnflächenermittlung sollten Sie eine realistische Bedarfsplanung vornehmen:

  • Wie groß misst die jetzige Wohnung?
  • Und wie viel Raum wird im Minihaus benötigt?

Hier sollte der tatsächliche Bedarf im Vordergrund stehen, nicht Wunschvorstellungen. Insbesondere spielt es eine Rolle, ob Kinder zu erwarten sind. Die Lösung könnten Ausbaureserven unterm Dach oder im Keller vom Tiny House sein.

Ein Anbau dürfte die weniger elegante und sicherlich teuerste Möglichkeit sein. Allerdings gibt es auch intelligente Modulhäuser, die beliebig erweiterbar sind. Diese Fertighaus-Module haben den Vorteil, dass sie in einem Stück geliefert und mit dem Kran platziert werden. Das funktioniert auch in engen Straßen und bei schwer zugänglichen Grundstücken.

Zeichnen Sie sich Ihren idealenGrundriss auf und vergleichen Sie ihn mit den Angeboten der Haushersteller. Gibt es tote Ecken, die Wohnraum verschenken? Muss eine Gästetoilette oder ein zweites Duschbad wirklich sein? Statt eines separaten Esszimmers finden viele Bauherren eine große Wohnküche mit Esstisch viel attraktiver. 

Tipps vom Profi zur Tiny House Planung:

Fachleute raten Bauherren auf einer Berechnung gemäß Wohnflächenverordnung (WoFlV) zu bestehen. Sie regelt, was zur Wohnfläche zählt und wie gemessen werden muss. Erfolgte eine Wohnflächenberechnung anhand der Baupläne, muss unbedingt nach Fertigstellung nachgemessen werden.

Für ein Gästezimmer oder Büro fehlt in einem Minihaus oft der Platz – und erst recht für einen Hauswirtschaftsraum. Man wird also kaum darum herumkommen, Flächen mehrfach zu nutzen. Hier hängt es von den individuellen Lebensgewohnheiten ab, wie dies geschieht.

Viele Bauherren finden zum Beispiel eine große Wohnküche attraktiver als den Esstisch im Wohnzimmer. Ein Arbeitsplatz ist im Wohnbereich oder im Schlafzimmer denkbar.

Tiny House Grundriss

Der sogenannte „offene Grundriss“ eignet sich vor allem für das Erdgeschoss. Küche, Ess- und Wohnbereich gehen dabei fließend ineinander über. Bei diesem kommunikativen Konzept wird die Küche häufig zum Treffpunkt von Familie und Gästen.

Mit einem gut geplanten Grundriss kann man einiges an Wohnfläche gewinnen. In diesem Zusammenhang könnte auch die Treppe als gestalterisches Element in den Wohnbereich mit einbezogen werden.

Sie fungiert dann als Raumteiler zwischen Essplatz und Sitzgruppe oder zwischen Wohnen und Arbeiten. Transparente Konstruktionen ordnen den Raum zwar, schließen ihn aber optisch nicht ab. Soll die Verbindung der Stockwerke aus Gründen des Schallschutzes doch lieber separat bleiben, kann man den Platz unter der Treppe sinnvoll als Garderobe oder Schuhschrank nutzen.

Auch konventionelle Raumnutzungen können im Tiny House hinterfragt werden. Anstelle zweier winziger Kinderzimmer wäre vielleicht ein großes Spielzimmer interessant, das abends mit einem Schiebe-Element in zwei kleinere Schlafzonen unterteilt wird.

Falls diese Kinderzimmer geplant sind, sollten die Abmessungen auch von den Gewohnheiten der Familie abhängen. Werden sie zum Spielen genutzt, müssen sie groß genug sein. Halten sich die Kleinen ohnehin immer im Wohnbereich auf, genügen kleinere Kinderzimmer als Schlafzimmer.

Allerdings werden sich diese Gewohnheiten im Laufe der Jahre ändern und Jugendlichewünschen sich sicherlich einen ungestörten Rückzugsbereich für sich und ihre Freunde. Ein Kniestock im Dachgeschoss erhöht die Wohnfläche, dadurch dass schräge Wände nicht so sehr die Stehhöhe behindern. Unter einem Kniestock versteht man die Verlängerung der Außenwand über die Erdgeschossdecke hinaus.

Alternativ bieten Tiny Houses mit Flachdach auch im Obergeschoss volle Raumhöhe. Typischerweise wird ein Minihaus dennoch eher für Singles und Paare als für eine Familie geplant.

Planungstipp zum Tiny House Bau:

Mit einem Kniestock und/oder steiler Dachneigung gewinnt das Haus wesentlich an Wohnfläche. Dachfenster und bodentiefe Verglasungen sorgen für Helligkeit und ein Gefühl der Weite. Das Dachgeschoss wirkt zudem großzügiger, wenn man den Raum bis unter den First offen lässt. Allerdings muss man dann auf den Spitzboden als Abstellraum verzichten.

Tiny House bauen

Wärmeschutznachweis

Die Tiny House Szene spricht diese Probleme recht offen an. Und auch die Hersteller benennen klar die technischen und rechtlichen Herausforderungen. Schließlich wirken sich die Vorgaben und Anforderungen auf den Preis aus.

Äußerst stabil müssen mobile Tiny Houses sein, um die Straßenzulassung zu erhalten. Andererseits sind sie als Wohnhäuser „bauliche Anlagen“ und müssen, wenn dauerhaft genutzt, dem Baurecht und dem vor Ort geltenden Bebauungsplan entsprechen.

Messen die Minihäuser weniger als 50 Quadratmeter, benötigen sie keinen Energieausweis, jedoch einen Wärmeschutznachweis gemäß Gebäudeenergiegesetz (GEG), sofern sie länger als vier Monate im Jahr bewohnt werden. Da die straßentauglichen Exemplare nicht mehr als 3,5 Tonnen wiegen dürfen, verwenden einige Anbieter anstatt etwa Holzfasermatten den leichten Polyurethan-Hartschaum, um die erforderlichen Dämmwerte zu erreichen (die Dämmung ist zugleich sommerlicher Hitzeschutz).

Heizen kann man im Tiny House mit kleinen Gasthermen oder elektrisch, per Flächen- und Fußbodenheizung oder per Radiator. Wer sich beim Heizen für einen mit Stückholz befeuerten Kaminofen entscheidet, kann aus dem Tiny House allerdings schnell eine Tiny Sauna machen. 

Sanitäre Anlagen

Energieautarkie ist unrealistisch. Es bräuchte zur Vollversorgung eine überdimensionierte Solarstromanlage und eine überdimensionierte Batterie für die dunkle Jahreszeit.

Ohne Stromanschluss wird es daher kompliziert. Je nach Nutzung und Standort kann der Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung und die Kanalisation obligatorisch sein. Trocken- oder Komposttoiletten haben ohnehin bei einigen Bauinteressierten die Begeisterung fürs Tiny House merklich abkühlen lassen. 

Für die einen sind Tiny Houses der gebaute Traum von nachhaltiger, umweltfreundlicher Lebensweise. Für die anderen sind sie grün angemalte, kleine Mogelpackungen.

Was hat es auf sich mit den zunehmend beliebteren Minihäusern? Im Folgenden stellen wir einige Vor- und Nachteile der Tiny Houses vor.

Vor- und Nachteile von Tiny Houses

Tiny House Vorteile

Ungebundene Lebensweisen

Manche Branchen haben unter der Corona-Pandemie stark gelitten, andere haben profitiert und profitieren noch. Zu den Gewinnern zählen die Hersteller von Wohnmobilen – und die von mobilen Minihäusern. Denn sie stehen für Freiheit, für den Rückzug in die Natur, fernab von Lockdown und Ansteckungsgefahr.

„Raus aus der Stadt, hinein ins Grüne – Tiny Houses bieten dazu eine dauerhafte Möglichkeit ...“ heißt es in einem Videobeitrag der Schweriner Volkszeitung über die Firma von Finn und Benjamin Glowatzki, Tiny House Wendland. Es sei aber nicht nur der Drang hinaus aufs Land, so die Brüder, der ihr Geschäft beflügele.

Minimalismus

Ihre Kunden hätten seit je den Wunsch nach einem nachhaltigeren, ökologischeren, einem einfacheren Lebensstil. Das Minihaus sei beliebt, denn viele Leute hegen den Wunsch nach Verkleinerung.

Eine Frage der Reife: Sind Tiny Houses eine Belastung für die Umwelt? Nicht notwendigerweise, sagen selbst die Skeptiker, darunter Stadtplaner und Architekten. In Baulücken in Ballungsgebieten könnten sie eine vertretbare Form der Nachverdichtung darstellen.

Kompakte Zweithäuser

Sinn machen Tiny Houses ebenfalls als Zweithäuser auf Privatgrundstücken, für die heranwachsenden oder erwachsenen Kinder der Eigentümer. Oder, umgekehrt, für die Senioren, die das für sie allmählich zu groß gewordene Haupthaus an die nächste Generation übergeben möchten. Im barrierefreien Tiny House leben sie dann in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kindern und Enkeln.

Es ist sicher kein Zufall, wenn immer mehr Bestager diese Wohnform für sich entdecken. Und überhaupt: In den Sozialen Medien wird regelmäßig der erzieherische Effekt gefeiert, den ein Miniaturhaus auf seine Bewohner habe. Es bringe ihnen Minimalismus und Disziplin bei, bringe ihnen bei, sich von Überflüssigem zu trennen. Eben sich zu verkleinern. Die reiferen Jahrgänge aber, so zeigen es zahlreiche Beispiele, müssen das nicht erst lernen. Sie haben diese Disziplin bereits. 

Tiny House Nachteile

Mäßige Energiebilanz

Die fahrbaren Minihäuser haben nicht nur Fans. Behauptete der Südwestrundfunk einmal, Tiny Houses seien „platzsparend, meist sehr umweltfreundlich und zudem günstig“, so meinen manche Kritiker: sie sind nichts von alledem. Für ihren minimalen Wohnraum blockierten sie unverhältnismäßig viel Baugrund, ihr ökologischer Fußabdruck, ihre CO2-Bilanz sei miserabel.

Das vor allem, weil sie bei sehr kleiner Wohnfläche eine relativ große, wärmeabstrahlende Außenfläche besäßen, so Julian Bischof vom IWU, vom Institut Wohnen und Umwelt in Darmstadt. Die Wärmeverluste müssten durch energieaufwendiges Heizen ausgeglichen werden. Günstig seien sie überdies ganz und gar nicht. 

Stellplatz finden

Geburtsort der Tiny Houses waren die USA, dort darf man sie vielerorts aufstellen. In Deutschland ist es komplizierter. Irgendwo draußen im Grünen, wo es einem gerade gefällt, im „Außenbereich“ nach § 35 des Baugesetzbuches (BauGB), kann man sein mobiles Minihaus nicht einfach dauerparken und zum festen Wohnsitz machen. Selbst auf Campingplätzen sind die Minihäuser oft nur geduldet.

Bleibt das Tiny House im „Innenbereich“ (§ 34 BauGB), sprich innerhalb eines „im Zusammenhang bebauten“ Ortsteils, sind einzelne Genehmigungen möglich. Hier geht es bisweilen allerdings eng zu und die Behörde spielen nicht immer mit.

Überblick der Vor- und Nachteile Tiny House

Vorteile Nachteile
1. Verkleinerter, minimalistischer Lebensstil 1. Einnahme von unverhältnismäßig viel Baugrund
2. Ungebundene Lebensweisen 2. Schlechte CO2-Bilanz durch energieaufwendiges Heizen
3. Effektive Nachverdichtung 3. Stellplatzsuche als Herausforderung

Tiny House auf Tour

Komfortabel wohnen auf 25 Quadratmetern? Das von der Bausparkasse Schwäbisch Hall initiierte Projekt „Wohnglück Smarthaus-Tour“ wurde vom Berliner Start-up Cabin One geplant und tourte 2019 durch Deutschland. Die Idee, vielen Interessenten, Baufamilien und Modernisierern die Möglichkeiten eines extrem reduzierten Wohnraums nahezubringen, fand großen Anklang in den Tour-Städten.

Platzsparend, funktional und dennoch ansprechend eingerichtet – für viele war es überraschend, wie gut das auf einer Grundfläche von 2,50 mal 10 Metern vereinbar ist. Auch das kleine Bad mit Dusch WC wurde präzise geplant. Lesen Sie hier mehr zum kleinen Bad!

Keller als Platzreserve

Die Entscheidung mit oder ohne Keller zu bauen ist nicht nur eine Frage des Geldes. Der Nutzen muss genau abgewägt werden, denn eine Nachrüstung wird nicht möglich sein. Abstellräume können auch ebenerdig oder außerhalb des Minihauses untergebracht werden.

Für eine reine Abstellfläche ist er allerdings zu teuer. Als Wohnraumreserve muss der Keller den hohen Anforderungen an Wohnräumen entsprechen, ist in diesem Fall aber unschlagbar preiswerter Raum. Denn den Kosten für den Keller steht ein Mehr an Fläche gegenüber, das im Nachhinein nie mehr zu gewinnen wäre.

Bei Hanghäusern sind Wohnräume im Untergeschoss leicht zu realisieren. Wichtig ist, dass das kleine Haus individuell planbar ist, denn eine Standardlösung von der Stange passt meist nur bedingt zu den persönlichen Ansprüchen. Schließlich soll – unabhängig von der Größe – das Haus über sehr lange Zeit zu den Bedürfnissen der Bewohner passen.

Tipp: Für optische Vergrößerung sorgen

Wie lässt sich das Tiny House optisch vergrößern? Bodentiefe Fenster sorgen für mehr Helligkeit und Transparenz und lassen damit auch kleinere Wohnräume größer erscheinen. Auch hohe Decken tragen ihren Teil zur Vergrößerung bei. Wählen Sie zarte Farben für Wände und Boden, das wirkt für optische Vergrößerung. In kleinen Bädern helfen große Fliesenformate, Spiegel und Duschwände aus Glas. Foto: Tonu Tunnel/Kodasema

Stauraum im kleinen Haus

Je weniger Platz, desto besser müssen Sie sich organisieren. Stauraum bietet sich z. B. unter der Treppe, in raumhohen Einbauschränken, in Bettkästen. Fürs Minihaus eignen sich insbesondere multifunktionale Möbel, Möbel zum Zusammenklappen und generell Möbel mit bescheidenen Maßen. 

Nachverdichtung mit Modulhäusern und Minihäusern

Minihäuser sind ideal zur Nachverdichtung auf privaten Grundstücken im städtischen und ländlichen Bereich. Mit intelligent genutzten Räumen und einer anspruchsvollen Gestaltung können auch ausgefallene Architkturideen verwirklicht werden.

Ob zum Wohnen für Familienmitglieder, zum Vermieten oder als separates Homeoffice – die Nutzungsmöglichkeiten sind sehr vielfältig. Letztendlich können durch ein kleines Häuschen im Garten die beengten Platzverhältnisse im Haupthaus entspannt werden.

Tiny House Beispiele

Tiny House von SchwörerHaus

Der Fertighaushersteller SchwörerHaus bietet mit seinen FlyingSpaces eine praktische Möglichkeit für alle, die auf wenig Platz leben möchten. Dabei handelt es sich um rund 50m2 große Module, die einzeln oder kombiniert genutzt werden können. Zudem lassen sie sich als Anbau in Modulbauweise an bestehenden Häuser nutzen. 

Die Flying Spaces haben Ihr Interesse geweckt? Lesen Sie jetzt alles über das SchwörerHaus Green Living Space, einTiny House mit Dachgarten!

Tipp: Wohnfertig in Rekordzeit

Die FlyingSpaces von SchwörerHaus werden innerhalb eines Tages installiert und bereits schlüsselfertig angeliefert. Auch die Vorbereitung ist einfach, denn es werden lediglich die Hausanschlüsse sowie Punktfundamente benötigt. Dabei können die Module auch am Hang aufgestellt werden.

Nach der Anlieferung muss das Tiny House Modul lediglich an Elektrizität und Wasser sowie Kommunikation und Medien angeschlossen werden. Je nach Kundenwunsch können die Module inklusive Beleuchtung, Einbaumöbeln und installierter Sanitärausstattung geliefert werden. Die neues Bewohner können noch am gleichen Abend einziehen

Tiny House Alternativen

Wem ein Tiny House doch etwas zu klein ist, für den könnten Häuser mit besonders kleinen Grundrissen bis zu 100m2 die richtige Wahl sein. Verschiedene Haushersteller haben bereits extra kleien Häuser umgesetzt und dank durchdachter Grundrisse für ausreichend Platz im inneren gesorgt. 

Vorbereitung und Rechtliches

Vorbereitung und Inspiration: 

Üben, ausprobieren, probewohnen: Wer mit dem Leben im Minihaus liebäugelt, kann z. B. seinen Urlaub in einem Tiny-House-Dorf verbringen. Adressen finden sich unter: tiny-houses.de/ minihaus-map/

Rechtliches:

Wer dauerhaft in seinem Tiny House wohnen will, benötigt ein erschlossenes Grundstück, und zwar im „Innenbereich“ gemäß § 34 Baugesetzbuch (BauGB), d.h. innerhalb eines „im Zusammenhang bebauten“ Ortsteils. Will man sein Minihaus lediglich an den Wochenenden oder in den Ferien nutzen, kann man sich in den Sondergebieten gemäß § 10 Baunutzungsverordnung (BauN-VO) umsehen („Sondergebiete, die der Erholung dienen“).

Wasser und Abwasser:

Als Wohngebäude benötigt das Minihaus einen Anschluss an die Wasserver- und die Abwasserentsorgung (Anschluss- und Benutzungszwang). Regenwasser kann zur WC-Spülung eingesetzt werden, seine Nutzung als Trinkwasser ist unzulässig und nicht ungefährlich. Ein Abwassertank müsste regelmäßig geleert werden. Und die Trockenoder Komposttoilette ist nicht jederfraus bzw. jedermanns Sache, außerdem ökologisch bedenklich.

Hier finden Sie weitere Tiny Houses:

Über bau-welt.de

Wer einen Hausbau plant oder einen Altbau saniert, hat in der Regel viele Fragen. bau-welt.de informiert Bauherren und Renovierer über alle wichtigen Themen und gibt hilfreiche Tipps. 

Mit unserem Haus-Konfigurator können Sie schnell und einfach nach Ihren persönlichen Suchkriterien nach neuen Häusern suchen, ob Massivhaus oder Fertighaus.

Über den CPZ-Verlag

Der City-Post Zeitschriftenverlag publiziert seit über 40 Jahren Zeitschriften für die Zielgruppe der privaten Bauherren und Modernisierer.

Zum Portfolio gehören u.a. die Zeitschriften Das Einfamilienhaus, Umbauen + Modernisieren und Unser Haus sowie zehn Sonderpublikationen. Erfahren Sie mehr über den CPZ-Verlag. Hier finden Sie unsere Mediadaten.