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Raum für Neues: Der Umbau-Guide für das Dachgeschoss

Wenn der Platz knapp wird im eigenen Haus, hilft der Blick nach oben: Statt des alten Speichers könnte hier schöner Wohnraum entstehen. Doch bevor Sie loslegen, sind wichtige Punkte zu beachten und zu klären. Denn ein Dachausbau bedeutet eine wesentliche Änderung des Gebäudes.

 

Licht und Luft

Menschenfreundliche Richtwerte liefert die DIN 5034 (Tageslicht in Innenräumen), wonach die Fensterbreite 55 Prozent der Raumbreite betragen sollte. Ohne neue Fenster wird es selten gehen, was im Giebelbereich generell aufwendiger ist, da man dort die Wand aufbrechen muss. Verschattung mittels Jalousien, Markisen oder Faltstores gehört dazu, denn Dachräume können schnell zu Schwitzkästen werden. 

Gauben vergrößern die Fläche, auf der man aufrecht stehen kann und damit den Wohnwert. Darüber hinaus kann man ihre Fenster auch bei Schnee und Regen zum Lüften öffnen. Sie liefern weniger Tageslicht als Dachflächenfenster, es sei denn sie sind voll verglast. Je nach Maßen und Form muss der eine oder andere Sparren abgesägt werden, müssen Querhölzer (Wechsel) den Dachstuhl ergänzen.

Was ist machbar?

Ob und wie viel neuen Wohnraum man schaffen kann, hängt vom Zustand der Bausubstanz ab. Den können nur Ingenieure, Statiker oder Architekten beurteilen. Sollte derjenige, der das Haus einst entworfen hat, nicht mehr zur Verfügung stehen – macht nichts.

Es gibt eine Vielzahl an Fachleuten, die sich auf das Bauen im Bestand spezialisiert haben, weil sie darin die größere Herausforderung sehen. Denn im Land der DIN-Normen ist die ältere Bausubstanz oft erfrischend individuell, gerade was die Dächer betrifft. 

Eine Wohnung auf dem Dachboden bedeutet neue Verkehrslasten (Bewohner, Gäste, Möbel u.s.w. ) und neue ständige Lasten (Gauben, Fußboden, Wände, Dämmung, Wandverkleidungen, sanitäre Anlagen u.s.w.). Kann der Boden, können die unteren Geschosse das alles tragen? Überprüft werden muss daneben der Zustand des Dachstuhls, besonders hinsichtlich Pilz- und Insektenbefalls. 

Leider ist nicht jede Dachform für den Ausbau geeignet. Satteldächer mit Neigungswinkeln zwischen 35 und 55 Grad machen meist keine Probleme. Etwas weniger Platz ist unter Walm-, etwas mehr hingegen unter Mansarddächern, wegen der an der Traufe sehr steilen Neigung.

Eine weitere Rolle spielt die Konstruktion des Dachstuhls. Das einfache Sparrendach bietet zwar einen von konstruktiven Elementen völlig freien Raum, doch ist keiner der Sparren entbehrlich, Änderungen der Dachform sind entsprechend knifflig. 

Beim Kehlbalkendach verstärken Balken parallel zum Boden den Winkel zwischen den Sparren. Sie müssen nicht unbedingt stören, können zum Beispiel eine Einzugdecke tragen oder Wände stützen.

Beim Pfettendach ruhen die Sparren auf parallel zur Traufe verlaufenden Balken, den Pfetten, die ihrerseits auf Pfosten gelagert sind. Man kann sie gut in die Raumgestaltung einbeziehen, verkleidet oder sichtbar. Ältere Hölzer sind, entsprechend behandelt, ein optisches Plus im Wohnbereich. 

Alles nach Plan

Auf dem Dachboden sind bei der Grundrissplanung einige Dinge vorgegeben, etwa die Lage des Zugangs. Küche, Bad und WC gehören genau über ihre Pendants in den unteren Geschossen, so nah wie möglich ans Hauptfallrohr des Hauses. Von zu kleinräumiger Gliederung ist abzuraten, sonst droht Platzangst. Gegen die sind Textilien, Bücher, Geschirr und so weiter zum Glück immun, weswegen direkt unter der Dachschräge reichlich Stauraum zur Verfügung steht. 

Zum Beispiel in speziellen Einbauschränken, mit Fächern und Schubladen in gestaffelter Tiefe. Ein Installateur kann feststellen, ob die Zentralheizung im Keller stark genug für eine Erweiterung ist, wie viele Heizkreise eingebaut werden müssen, wie viele Heizkörper – beziehungsweise ob nicht doch eine Etagenheizung Sinn macht.

Keine Einschränkung im Hinblick auf den Komfort: Die Geräte sind kompakt, leise und können an der Wand befestigt oder in einer Nische untergebracht werden.

Der Innenausbau

Im Dachgeschoss empfehlen sich für den Fußbodenaufbau Estrichplatten aus Gips und Holzwerkstoffen, da sie ohne Feuchteeintrag verarbeitet werden können und außerdem leichter sind als Fließestrich. Betondecken werden mit PE-Folie ausgelegt, die eine Schüttdämmung zum Ausgleich von Unebenheiten aufnehmen kann. Auf ihr werden die Platten miteinander verklebt und verschraubt. 

Massive Zwischenwände aus Ziegeln, Betonelementen, Porenbeton-, Beton- oder Kalksandsteinen werden ausschließlich genau über tragenden Wänden in den unteren Geschossen aufgebaut. Mehr Freiheiten erlaubt die Leicht- oder Trockenbauweise. Üblicherweise sind es Gipskarton- oder Gipsfaserplatten, die auf Gerüste aus Aluminiumrahmen montiert werden. Holzwerkstoffplatten werden seltener verwendet, Lehmbauplatten sind gerade erst im Kommen. 

Besondere Formate, kleiner und handlicher als üblich geschnitten, erleichtern den Transport durch enge, verwinkelte Treppenhäuser. Nach dem Aufstellen und Verankern der Rahmen erfolgt das Einbringen der Elektro- und eventuell der Sanitärinstallation, dann der Dämmung. Anschließend wird die Konstruktion mit den Platten geschlossen.

Für die Dachschrägen hat man sich schräg angefaste einfallen lassen: Ist die unterste angebracht, hängt man die nächste einfach in die entstehende Kerbe und befestigt sie ihrerseits – und so fort, bis zum First. Im Badbereich benutzt man Platten mit Imprägnierung. 

Eigener Einsatz

Viele Gewerke, die im Zuge des Dachausbaus anfallen, bleiben Fachleuten vorbehalten: Arbeiten am Dachstuhl und an den Gauben, Verlängerung der Sanitärleitungen. Der Einbau vonDachfenstern ist keine ganz einfache Sache. Der Anschluss an die Dämmung, die Luftdichtheitsfolie und die Dampfbremse der Dachhaut müssen exakt und penibel ausgeführt sein, ansonsten kommt es neben Lüftungsverlusten zur Durchfeuchtung der Dämmung und des Dachstuhls.

Andere Arbeiten wiederum sind genau richtig für Eigenleister. Wie das Entrümpeln und das Säubern, das Dämmen und Dichten und der Aufbau der Zwischenwände. 

Die Dachhaut wird meist von innen nachträglich gedämmt, zwischen oder unter den Sparren. Dachsparren älterer Gebäude sind vergleichsweise dünn, daher muss gegebenenfalls mit Brettern aufgedoppelt werden, um eine ordentliche Packung Dämmstoff zwischen den Hölzern unterzubringen zu können.

Eine Beton- oder eine Ziegeldecke wird nicht noch extra eine Schalldämmung benötigen, lediglich einen wärmedämmmenden Fußbodenaufbau. Ganz anders die Balkendecke: zwischen die Balken, auf die Bretter des Blindbodens, kommt eine Schüttdämmung aus Blähton, Perlite oder Blähschiefer. Wahlweise dürfen es schallschluckende Lehmsteine sein.

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